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IWF: Großbritannien wird vom Iran-Krieg unter den Industrieländern am stärksten getroffen

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Der Krieg mit dem Iran trifft Großbritannien laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wirtschaftlich härter als jede andere fortgeschrittene Volkswirtschaft. In seinem aktuellen Weltwirtschaftsausblick senkte der IWF seine Wachstumsprognose für das Vereinigte Königreich deutlich – und warnt zugleich vor den globalen Risiken eines anhaltenden Konflikts.

Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum Großbritanniens im laufenden Jahr spürbar nach unten korrigiert. Statt der im Januar erwarteten 1,3 Prozent rechnet der IWF nun nur noch mit 0,8 Prozent Wachstum. Damit fällt die Abwertung für das Vereinigte Königreich unter den großen Industriestaaten am stärksten aus.

Als Gründe nennt der Fonds vor allem die wirtschaftlichen Folgen des Krieges mit dem Iran, geringere Spielräume für Zinssenkungen sowie die Erwartung, dass höhere Energiepreise auch im kommenden Jahr spürbar bleiben werden.

Stärkster Einbruch unter den großen Industrieländern

Mit der Korrektur um 0,5 Prozentpunkte verzeichnet Großbritannien laut IWF die deutlichste Wachstumsabschwächung unter den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Auch die OECD war zuletzt zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen und hatte Großbritannien als das Land bezeichnet, das unter den G20-Staaten am stärksten unter den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges leiden dürfte.

Der IWF verweist darauf, dass Großbritannien als Nettoimporteur von Energie besonders empfindlich auf rasch steigende Öl- und Gaspreise reagiert. Vor allem die Unsicherheit im Nahen Osten und die Störungen rund um die Energieversorgung belasten die britische Konjunktur.

Trotz der aktuellen Schwächephase erwartet der Fonds für das kommende Jahr wieder eine Erholung. 2027 soll die britische Wirtschaft demnach um 1,3 Prozent wachsen und damit erneut zu den stärkeren Volkswirtschaften innerhalb der europäischen G7-Staaten zählen – wenn auch etwas langsamer als bislang erhofft.

Inflation bleibt hoch

Zusätzlich rechnet der IWF damit, dass Großbritannien in diesem Jahr gemeinsam mit den USA und Italien zu den Ländern mit der höchsten Inflation in der G7 gehören wird. Für 2026 prognostiziert der Fonds für Großbritannien eine Teuerungsrate von 3,2 Prozent, für das Folgejahr 2,4 Prozent.

Demnach dürfte die Inflation im Vereinigten Königreich in diesem Jahr vorübergehend sogar in Richtung vier Prozent steigen, bevor sie bis Ende 2027 wieder auf das Inflationsziel der Bank of England von zwei Prozent zurückfällt. Grund dafür seien neben den höheren Energiepreisen auch eine sich abschwächende Arbeitsmarktlage und dadurch langsamer steigende Löhne.

Regierung warnt vor Kosten des Krieges

Finanzministerin Rachel Reeves reagierte auf die IWF-Prognose mit einem ungewöhnlich direkten Eingeständnis. Der Krieg mit dem Iran sei „nicht unser Krieg“, werde Großbritannien aber dennoch teuer zu stehen kommen.

„Das sind keine Kosten, die ich wollte, aber es sind Kosten, auf die wir reagieren müssen“, erklärte Reeves. Zugleich betonte sie, das Land sei durch die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Regierung stabiler in den Konflikt gestartet als zuvor.

Die britische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode die am schnellsten wachsende Wirtschaft der G7 zu werden. Die neue IWF-Prognose macht deutlich, wie schwierig dieses Ziel angesichts der geopolitischen Lage geworden ist.

Bessent: Wirtschaftlicher Schmerz sei vertretbar

Für zusätzlichen politischen Streit sorgten Aussagen des US-Finanzministers Scott Bessent. Gegenüber der BBC sagte er, ein „kleines bisschen wirtschaftlicher Schmerz für ein paar Wochen“ sei gerechtfertigt, wenn dadurch langfristig das Risiko beseitigt werde, dass der Iran über Atomwaffen verfügen könnte.

„Ich frage mich, wie stark das globale Bruttoinlandsprodukt einbrechen würde, wenn eine Atomwaffe London träfe“, sagte Bessent. Er sei deshalb weniger besorgt über kurzfristige Wirtschaftsdaten als über die langfristige Sicherheit.

Bessent argumentierte, der Krieg habe ein sogenanntes „Extremrisiko“ beseitigt – nämlich die Gefahr eines iranischen Atomangriffs auf westliche Staaten.

Diese Darstellung wird jedoch in Großbritannien deutlich relativiert. Ein Sprecher der Regierung erklärte, es gebe „keine Einschätzung, dass Iran versucht, Europa mit Raketen ins Visier zu nehmen“. Zugleich betonte London, man verfüge über die militärischen Fähigkeiten, das Land gegen jede Form von Bedrohung zu schützen.

Auch die BBC hatte bereits zuvor berichtet, dass eine direkte iranische Raketenbedrohung für London als äußerst gering eingeschätzt werde.

Opposition greift Reeves an

Die konservative Opposition macht die britische Regierung mitverantwortlich für die schwache Entwicklung. Der konservative Schattenfinanzminister Mel Stride erklärte, Rachel Reeves habe „niemanden außer sich selbst“ für die Stärke der Herabstufung verantwortlich zu machen.

Er verwies auf höhere Arbeitgeberabgaben und gestiegene Unternehmensbelastungen. Reeves’ wirtschaftspolitischer Kurs habe zu der höchsten Inflation in der G7 geführt, während Unternehmen unter Druck gerieten und die Lebenshaltungskosten weiter stiegen.

Auch andere Oppositionsparteien nutzten die neuen Zahlen für Kritik:

  • Die Liberaldemokraten sprachen von einer „Anklage gegen Trumps idiotischen Krieg“.
  • Die SNP erklärte, erneut müssten schottische Familien für das wirtschaftliche Versagen Londons zahlen.
  • Plaid Cymru forderte mehr Investitionen in erneuerbare Energien, um Großbritanniens Abhängigkeit von importierter Energie zu verringern.

Hilfen für Haushalte? IWF mahnt zur Vorsicht

Angesichts steigender Energiepreise wird in Großbritannien bereits über staatliche Entlastungsmaßnahmen diskutiert – etwa über eine Senkung der Kraftstoffsteuer, um die Preise an den Zapfsäulen zu begrenzen.

Der IWF warnt jedoch vor übereilten Hilfspaketen. Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas sagte der BBC, Länder wie Großbritannien sollten bei neuen Unterstützungsprogrammen „sehr vorsichtig“ sein.

Zwar habe die Regierung zuletzt versucht, ihre finanziellen Puffer zu stärken. Durch den Krieg sei der fiskalische Spielraum jedoch deutlich kleiner geworden.

„Es gibt nicht wirklich viel Spielraum, um jetzt zusätzlich Geld auszugeben, um Haushalte und Unternehmen zu unterstützen“, sagte Gourinchas. Falls es Hilfsmaßnahmen geben solle, müssten diese innerhalb des bestehenden Ausgabenrahmens bleiben.

IWF warnt auch vor Fehlern der Zentralbanken

Zusätzlich mahnt der IWF die Notenbanken zur Zurückhaltung. Zwar könnte die höhere Inflation theoretisch zu neuen Zinserhöhungen führen, doch der Fonds hält voreilige Reaktionen für riskant.

Eine zu starke Reaktion auf steigende Rohstoffpreise könne die Inflation zwar rasch dämpfen, zugleich aber später eine Rezession auslösen, so der IWF. Die Bank of England steht damit vor einem schwierigen Balanceakt: Inflation bekämpfen, ohne die ohnehin fragile Konjunktur zusätzlich abzuwürgen.

Weltwirtschaft insgesamt unter Druck

Die Prognosen des IWF basieren auf der Annahme, dass sich der Konflikt im Golfraum relativ schnell entschärft und sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert. Genau darin liegt die Unsicherheit.

Noch vor dem Krieg hatte der IWF damit gerechnet, seine globale Wachstumsprognose sogar anzuheben. Hintergrund war, dass die Auswirkungen von US-Handelszöllen geringer ausfielen als befürchtet und Länder wie China, Europa und Kanada den Rückgang im Handel mit den USA teilweise untereinander ausgleichen konnten.

Nun aber warnt der Fonds, die Weltwirtschaft könne erneut „aus der Bahn geworfen“ werden.

Mehrere Golfstaaten – darunter Iran, Irak, Katar und Bahrain – dürften in diesem Jahr wirtschaftlich schrumpfen. In einem schärferen Krisenszenario mit Ölpreisen von 110 Dollar pro Barrel in diesem Jahr und 125 Dollar im kommenden Jahr wäre eine globale Rezession laut IWF nur noch „knapp zu vermeiden“.

Fazit

Der Internationale Währungsfonds zeichnet für Großbritannien ein deutlich düstereres Bild als noch zu Jahresbeginn. Als energieabhängige Volkswirtschaft ist das Vereinigte Königreich besonders anfällig für die Folgen des Iran-Krieges – und bekommt das nun als erstes zu spüren.

Während die Regierung versucht, wirtschaftliche Stabilität zu betonen, wächst der politische Druck im Inland. Entscheidend wird sein, ob sich der Konflikt im Nahen Osten rasch beruhigt. Bleiben Energiepreise hoch und Unsicherheit bestehen, drohen nicht nur Großbritannien, sondern auch der Weltwirtschaft deutlich schwerere Schäden.

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