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Italien sagt zu US-Militärjets: „Äh … so läuft das hier nicht“-„Sigonella ist kein McDrive fürs Pentagon“

RGY23 (CC0), Pixabay
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Es war offenbar ein klassischer Fall von amerikanischer Bündnispolitik nach dem Motto: erst fliegen, dann fragen.
Doch diesmal hat Italien den USA freundlich, aber bestimmt gezeigt, dass Sizilien kein Drive-in-Schalter des Pentagon ist.

Wie die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ berichtet, hat Italien den USA die Nutzung des Militärstützpunkts Naval Air Station Sigonella auf Sizilien verweigert. Mehrere US-Militärflugzeuge sollten dort landen, um anschließend Richtung Naher Osten weiterzufliegen.

Das Problem:
Eine offizielle Genehmigung gab es offenbar nicht.
Und abgestimmt war mit den Italienern wohl auch eher… sagen wir… kreativ.

Pentagon-Methode: „Überraschung, wir sind gleich da!“

Laut Bericht erfuhren die italienischen Behörden erst von dem Flugplan, als die Maschinen bereits in der Luft waren.

Mit anderen Worten:
Die USA wollten offenbar nach dem bewährten Prinzip operieren:

„Ciao Italien, wir landen gleich – macht schon mal Espresso warm.“

Dumm nur, dass Verteidigungsminister Guido Crosetto das anders sah.
Statt rotem Teppich gab es ein ziemlich klares:

„No, grazie.“

Weitere Überprüfungen ergaben demnach, dass es sich nicht um normale Routine- oder Logistikflüge handelte, die unter bestehende Vereinbarungen gefallen wären.
Oder anders formuliert:

Das war nicht der DHL-Express des Bündnisses, sondern eher eine spontane Luftbrücke mit Überraschungseffekt.

Regierung Meloni: Alles bestens! Wirklich! Ganz bestimmt!

Die italienische Regierung bestätigte später tatsächlich, dass man die Nutzung des Stützpunkts verweigert habe. Gleichzeitig beeilte man sich aber, jede Vorstellung eines Streits mit Washington sofort wegzudementieren.

In der offiziellen Mitteilung klingt das ungefähr so:

  • Es gibt keine Spannungen
  • Die Beziehungen zu den USA sind stabil
  • Alles läuft in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit
  • Italien hält sich nur an internationale Abkommen und Parlamentsvorgaben

Das ist diplomatische Sprache für:

„Wir haben Nein gesagt, aber bitte erzählt Donald Trump nicht, dass wir Nein gesagt haben.“

Sigonella ist kein Selbstbedienungsregal

Premierministerin Giorgia Meloni und Verteidigungsminister Crosetto hatten nach Kriegsbeginn bereits klargestellt:
Ja, die USA dürfen ihre Basen in Italien für normale Einsätze im Rahmen bestehender Abkommen weiter nutzen.

Aber:

Alles, was darüber hinausgeht, braucht die Zustimmung des Parlaments.

Das ist in Italien keine Schikane, sondern nennt sich – man höre und staune –
Verfassungsstaat.

Und so wurde aus der amerikanischen Hoffnung auf einen schnellen Zwischenstopp in Sigonella am Ende eher eine Lektion in mediterraner Verwaltungskultur:

Ohne Stempel kein Start.

Opposition in Italien: „Wenn schon Nein, dann bitte richtig“

Natürlich ließ die Opposition die Gelegenheit nicht ungenutzt.

Ex-Premier Giuseppe Conte und die Fünf-Sterne-Bewegung forderten, die Regierung solle den USA nicht nur Landungen verweigern, sondern am besten auch jede logistische Unterstützung für militärische Einsätze.

Conte nannte die Angriffe der USA und Israels auf Iran bewaffnete Einsätze „in offenkundiger Verletzung des Völkerrechts“.

Das ist ungefähr der Moment, in dem man merkt:

In Italien streitet man nicht nur über Pasta, sondern auch über geopolitische Eskalation.

Trump motzt inzwischen gegen halb Europa

Während Italien also den Landeanflug abwürgte, arbeitete sich Donald Trump bereits an anderen europäischen Partnern ab.

Frankreich sei „sehr unkooperativ“, wetterte Trump auf Truth Social.
Der Vorwurf: Paris habe angeblich Flugzeugen mit militärischer Ausrüstung an Bord den Überflug verweigert.

Belege?
Details?
Diplomatische Feinheiten?

Natürlich nicht.

Das läuft bei Trump eher nach dem außenpolitischen Prinzip:

„Wenn Europa nicht sofort springt, wird es öffentlich angeschrien.“

Paris hat dazu bislang nicht reagiert. Vermutlich, weil man in Frankreich traditionell der Meinung ist, dass man auf hysterische Großbuchstaben nicht zwingend antworten muss.

Spanien macht den Himmel dicht

Auch Spanien hat inzwischen klargemacht, dass es nicht als Luftkorridor für den Iran-Krieg dienen möchte.

Die Regierung in Madrid sperrte den eigenen Luftraum für alle militärischen Flüge, die mit den Angriffen auf Iran in Verbindung stehen.

Verteidigungsministerin Margarita Robles formulierte es knapp und eindeutig:

„Natürlich“ sei die Nutzung des spanischen Luftraums für Handlungen im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran nicht erlaubt.

Man muss das Wort „natürlich“ an dieser Stelle würdigen.
Es klingt in etwa wie:

„Was genau an ‚Nein‘ war eigentlich unklar?“

Laut „El País“ geht das sogar über frühere Einschränkungen hinaus. Nicht nur Starts von spanischen Basen für Angriffe oder Luftbetankung sind tabu – nun betrifft das auch Überflüge militärischer Maschinen, die etwa von Großbritannien oder Frankreich aus operieren.

Kurz gesagt:

Spanien hat das Schild aufgestellt: Durchfahrt verboten – außer bei echter Panne.

Österreich bleibt neutral – und erstaunlich konsequent

Auch Österreich hat klargemacht, dass Überflüge und Truppentransporte abgelehnt werden, wenn sie einer Kriegspartei militärisch helfen würden.

Das Verteidigungsministerium verwies auf die Neutralität.
Wenn bekannt sei, dass ein Militärflugzeug oder Fahrzeug direkt oder indirekt in den Konflikt involviert ist, werde in Abstimmung mit dem Außenministerium der Überflug oder Transit verweigert.

Oder, frei übersetzt ins Wienerische:

„Net durchfahren, Bua.“

Man muss es den Österreichern lassen:
Sie schaffen es, geopolitische Zurückweisung so zu formulieren, dass es klingt wie eine höfliche Absage auf einen zweiten Kaffee.

Europa entdeckt plötzlich das Wort „Nein“

Was sich da gerade abzeichnet, ist bemerkenswert:

  • Italien verweigert Landungen
  • Spanien sperrt den Luftraum
  • Frankreich sagt offenbar ebenfalls nicht begeistert Ja
  • Österreich bleibt neutral und macht dicht

Mit anderen Worten:

Europa übt gerade kollektiv den seltenen außenpolitischen Akt des aufrechten Wegduckens.

Oder freundlicher formuliert:

Man möchte nicht ungefragt in einen Krieg hineingezogen werden, der sich täglich mehr nach geopolitischem Improvisationstheater anfühlt.

Fazit: Europa sagt „Nein“, Washington wundert sich

Die Episode um Sigonella zeigt vor allem eines:
Selbst enge Verbündete der USA haben offenbar keine Lust mehr, sich in letzter Minute als logistische Mitfahrer eines eskalierenden Krieges einspannen zu lassen.

Und so bleibt von der Geschichte vor allem dieses Bild:

Mehrere US-Militärjets irgendwo über dem Mittelmeer, das Pentagon im Selbstverständnis des Weltordnungsamtes – und Italien am Boden mit verschränkten Armen: „Nicht ohne Formular 17b.“

Vielleicht ist das die eigentliche Nachricht des Tages:
Nicht jeder Nato-Partner ist automatisch bereit, als Parkservice für Pentagon-Abenteuer zu fungieren.

Und Sigonella?
Bleibt vorerst, was es laut Italien offenbar sein soll:

Ein Militärstützpunkt. Keine Zwischenstation für unangekündigte Weltpolitik.

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