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Israel und Libanon führen erstmals seit 1993 direkte Gespräche

jorono (CC0), Pixabay
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Israel und Libanon haben erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten direkte diplomatische Gespräche aufgenommen. Das Treffen in Washington gilt als seltenes Signal der Annäherung inmitten des anhaltenden Konflikts zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz.

Vermittelt wurden die Gespräche von den USA. US-Außenminister Marco Rubio sprach von einer „historischen Gelegenheit“, den Einfluss der Hisbollah in der Region zurückzudrängen. Nach Angaben des US-Außenministeriums einigten sich beide Seiten darauf, direkte Verhandlungen aufzunehmen. Zeitpunkt und Ort weiterer Gespräche sollen noch festgelegt werden.

Erstes hochrangiges Treffen seit über 30 Jahren

Zwischen Israel und Libanon bestehen keine diplomatischen Beziehungen. Das letzte direkte hochrangige Treffen zwischen beiden Staaten hatte 1993 stattgefunden.

Die Gespräche in Washington fanden vor dem Hintergrund einer dramatischen Eskalation statt: Seit Beginn der israelischen Militäroperationen im Libanon am 2. März wurden nach Angaben aus der Region mehr als 2.000 Menschen getötet. Rund eine Million Menschen mussten seit Beginn der jüngsten Kämpfe ihre Häuser verlassen.

Unterschiedliche Ziele beider Seiten

Während Israel nach eigenen Angaben darauf drängt, alle nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen zu entwaffnen – eine klare Anspielung auf die Hisbollah –, fordert der Libanon vor allem einen Waffenstillstand sowie konkrete Schritte zur Bewältigung der schweren humanitären Krise im Land.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte nach dem Treffen, beide Seiten hätten sich darauf verständigt, auf eine Schwächung des Hisbollah-Einflusses hinzuarbeiten. Zugleich habe die libanesische Delegation Maßnahmen gefordert, um die Notlage der Zivilbevölkerung zu lindern.

Die USA bekräftigten zudem ihre Unterstützung für Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen Angriffe der Hisbollah.

Kämpfe dauern trotz Gesprächen an

Während in Washington verhandelt wurde, gingen die Kämpfe weiter. Nach Angaben der Hisbollah führte die Miliz am Dienstag mindestens 24 Angriffe auf Israel und israelische Truppen im Libanon aus. In Nordisrael wurde den ganzen Tag über mehrfach Raketen- und Drohnenalarm ausgelöst.

Israel betont, die laufenden Militäreinsätze im Libanon dienten dazu, die Hisbollah zu entwaffnen und zu zerschlagen. Bereits in den Jahren 2023 und 2024 war es im Zuge des Gaza-Krieges zu schweren Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten gekommen.

Libanon setzt auf staatliche Kontrolle – Hisbollah zeigt sich unbeeindruckt

Der libanesische Präsident Joseph Aoun äußerte die Hoffnung, die Gespräche könnten den Beginn eines Endes des Leidens der libanesischen Bevölkerung markieren – insbesondere im Süden des Landes.

Er betonte, eine dauerhafte Lösung könne nur erreicht werden, wenn allein die libanesischen Streitkräfte für die Sicherheit im Grenzgebiet verantwortlich seien.

Allerdings gilt die Handlungsfähigkeit der libanesischen Regierung gegenüber der Hisbollah als begrenzt. Die schiitische Miliz, 1982 gegründet und militärisch stark aufgerüstet, verfügt vor allem im Süden des Landes und in den südlichen Vororten Beiruts über erheblichen Einfluss. Politisch ist sie ebenfalls tief im System verankert und stellt mehrere Regierungsmitglieder.

Noch vor dem Treffen machte ein hochrangiger Hisbollah-Vertreter deutlich, dass sich die Organisation nicht an mögliche Vereinbarungen aus Washington gebunden fühle.
„Wir sind nicht an das gebunden, worauf sie sich einigen“, sagte Wafiq Safa, Mitglied des politischen Rates der Hisbollah, der Nachrichtenagentur AP.

Iran wollte Libanon in Waffenruhe einbeziehen

Parallel zu den Gesprächen in Washington hatten in Pakistan separate Kontakte zwischen den USA und dem Iran stattgefunden. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen drängte Teheran darauf, den Libanon in eine mögliche Waffenruhe einzubeziehen. Sowohl die USA als auch Israel lehnten das jedoch ab.

Ein Vertreter des US-Außenministeriums erklärte, die Gespräche zwischen Israel und Libanon seien bereits vor rund einem Monat geplant worden – also noch bevor die Gespräche zwischen Washington und Teheran in Islamabad bestätigt wurden.

Fazit

Die direkten Gespräche zwischen Israel und Libanon markieren einen seltenen diplomatischen Moment in einer hochgefährlichen regionalen Lage. Ob daraus tatsächlich ein politischer Durchbruch entsteht, bleibt offen. Zu groß ist der Einfluss der Hisbollah, zu tief sitzt das Misstrauen zwischen beiden Staaten – und zu heftig dauern die Kämpfe trotz aller Annäherung weiter an.

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