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Chance verpasst – aber bei der EU beschäftigt man sich lieber wieder mit neuen Gängel-Vorschriften

Ralphs_Fotos (CC0), Pixabay
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Die Europäische Union hat mal wieder eindrucksvoll bewiesen, warum sie außenpolitisch oft wirkt wie ein riesiger Verwaltungsapparat mit eingebauter Handbremse. Während der Ukraine-Krieg weiter eskaliert und dringend diplomatische Initiativen gebraucht würden, erklärt Brüssel nun erst einmal:
Einen Russland-Gesandten wird es vorläufig nicht geben.

Warum?
Weil man erst einmal „Strategiefragen klären“ müsse.

Natürlich.
Während anderswo Kriege geführt werden, diskutiert die EU erst einmal wieder monatelang über Zuständigkeiten, Gesprächsformate, Arbeitsgruppen und vermutlich die korrekte Länge des Sitzungsprotokolls.

Anstatt endlich eine starke europäische Persönlichkeit für mögliche Verhandlungen zu benennen, vertagt man das Thema lieber auf später. Hauptsache niemand trifft vorschnell eine Entscheidung.

Dabei kursierten längst prominente Namen:
Angela Merkel,
Mario Draghi,
Alexander Stubb.
Sogar Gerhard Schröder wurde von Putin selbst ins Spiel gebracht — was in Berlin allerdings ungefähr so begeistert aufgenommen wurde wie ein Grillfest im Benzinlager.

Stattdessen heißt es jetzt:
Man wolle zunächst weiter über Sanktionen reden.

Denn darin ist die EU inzwischen wirklich Weltmeister:
Sanktionspakete schnüren, Gipfel abhalten und Pressemitteilungen veröffentlichen.

Währenddessen wirkt Europa außenpolitisch weiterhin oft wie ein Zuschauer der eigenen Geschichte. Die Friedensinitiative von Donald Trump liefert bislang keine Ergebnisse, Washington ist inzwischen stärker mit dem Iran-Konflikt beschäftigt — eigentlich wäre genau jetzt der Moment gewesen, in dem Europa Führungsstärke zeigen könnte.

Aber stattdessen passiert das, was in Brüssel gefühlt immer passiert:
noch ein Treffen,
noch eine Abstimmung,
noch eine Strategie-Debatte.

Manchmal hat man wirklich den Eindruck, die EU würde selbst bei einem Hausbrand zunächst eine Arbeitsgruppe „Flammenmanagement und nachhaltige Löschstrategie“ gründen.

Natürlich sind diplomatische Gespräche kompliziert. Natürlich braucht es Abstimmungen. Aber irgendwann entsteht eben auch der Eindruck, dass die EU bei großen geopolitischen Fragen oft zaudert, während sie gleichzeitig bei Plastikdeckeln, Etiketten oder neuen Vorschriften für Kaffeemaschinen erstaunlich entschlussfreudig auftritt.

Und genau deshalb bleibt nach dieser Entscheidung vor allem ein Gefühl:
Europa hätte hier eine echte Chance gehabt, außenpolitisch Stärke und Eigenständigkeit zu zeigen.

Doch stattdessen verwaltet man erst einmal weiter.

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