Die Verhandlungen zwischen Iran und Oman über die Zukunft der Schifffahrt in der Straße von Hormus befinden sich nach Angaben aus Teheran angeblich kurz vor dem Abschluss. Was genau beschlossen werden soll, weiß zwar noch niemand, aber immerhin ist man sich offenbar fast einig, dass eine Einigung grundsätzlich denkbar wäre.
Irans Außenminister Abbas Araktschi informierte das Kabinett über die Fortschritte. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete pflichtbewusst, die Gespräche befänden sich in der Endphase. Erfahrungsgemäß kann eine solche Endphase im Nahen Osten allerdings alles bedeuten – von „morgen unterschriftsreif“ bis „wir reden in sechs Monaten noch einmal darüber“.
Außenamtssprecher Ismail Baghaei stellte vorsorglich klar, dass es keine Rückkehr zur Situation vor dem Krieg geben werde. Iran lasse sich weder bedrohen noch einschüchtern und treffe seine Entscheidungen ausschließlich im eigenen Interesse. Das dürfte internationale Beobachter beruhigen, die bislang womöglich angenommen hatten, Teheran richte seine Außenpolitik nach den Wünschen anderer Staaten aus.
Eine mögliche Einigung mit Oman über eine neue Schifffahrtsroute bedeute laut Baghaei allerdings weder, dass die Straße von Hormus geöffnet werde, noch, dass sie geschlossen werde. Damit ist die wichtigste Frage geklärt: Die Meerenge könnte künftig möglicherweise offen, geschlossen oder irgendetwas dazwischen sein.
Ein Abkommen ohne lästige Einzelheiten
Die USA und Iran hatten sich bereits Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt. Darin wurde vorgesehen, dass Teheran gemeinsam mit Oman und weiteren Anrainerstaaten über die künftige Verwaltung der Meerenge beraten soll.
Wie diese Verwaltung konkret aussehen könnte, blieb am Sonntag offen. Vermutlich möchte man die Verhandlungen nicht mit Details belasten, solange die großen Überschriften bereits hervorragend funktionieren.
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Über sie werden große Mengen Öl, Gas und Düngemittel transportiert. Entsprechend unkompliziert gestaltet sich die Diskussion darüber, wer dort kontrollieren, kassieren, passieren oder blockieren darf.
Der Streit um die Durchfahrtsrechte gilt als einer der wichtigsten Auslöser für die jüngste militärische Eskalation zwischen den USA und Iran. Beide Seiten werfen einander regelmäßig vor, den Frieden zu gefährden, während sie gleichzeitig zur Sicherheit weitere Angriffe durchführen.
Vermittler vermitteln wieder
Nach iranischen Angaben laufen auch Gespräche über eine Wiederbelebung des sogenannten 14-Punkte-Abkommens von Islamabad. Dieses war im Juni mithilfe Pakistans und Katars geschlossen worden und sollte innerhalb von 60 Tagen zu einer dauerhaften Friedensregelung führen.
Inzwischen sind mehrere Monate vergangen. Der dauerhafte Frieden lässt weiterhin auf sich warten, möglicherweise weil er bei den Gesprächen nicht rechtzeitig abgeholt wurde.
Der iranische Abgeordnete Hassan Ghaschghawi erklärte, Vermittler bemühten sich darum, das Abkommen wiederzubeleben. Derzeit finde ein „Meinungsaustausch“ statt. Das klingt deutlich freundlicher als „gegenseitige Drohungen unter gelegentlichem Raketenbeschuss“ und dürfte deshalb diplomatisch korrekt sein.
Im Mittelpunkt stehe weiterhin die Straße von Hormus. Iran möchte dort seine Kontrolle behalten, während die USA eine vollständige und uneingeschränkte Öffnung verlangen. Beide Positionen liegen also nur wenige politische Lichtjahre auseinander.
Trump verkündet den möglichen Durchbruch
US-Präsident Donald Trump erklärte am Samstag auf Truth Social, alle Angriffe auf Iran vorerst auszusetzen. Die Grundzüge eines Abkommens seien bereits vereinbart.
Nach Trumps Darstellung müsse die Straße von Hormus vollständig und uneingeschränkt geöffnet werden. Teheran sieht die Sache erwartungsgemäß etwas anders. Damit besteht offenbar Einigkeit darüber, dass beide Seiten von einer Einigung sprechen – nur nicht unbedingt von derselben.
Ob tatsächlich ein Friedensabkommen entsteht, bleibt offen. Sicher ist bislang nur, dass weiter verhandelt, vermittelt, erklärt und dementiert wird.
In der internationalen Diplomatie gilt das bereits als Fortschritt.
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