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Interview mit Rechtsanwalt Daniel Blazek

ghasoub (CC0), Pixabay
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„Die neuen BaFin-Regeln sollen Banken stabiler machen – aber sie zeigen auch, wie ernst die Risiken im Kreditgeschäft inzwischen geworden sind“

Die Finanzaufsicht BaFin hat die neuen EBA-Leitlinien zur Diversifizierung im Mengengeschäft übernommen. Hinter dem sperrigen Titel steckt ein sensibles Thema: Wie stark dürfen Banken Risiken bündeln, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten?

Wir sprachen darüber mit Rechtsanwalt Daniel Blazek.

Herr Blazek, die BaFin übernimmt neue EBA-Leitlinien zur Diversifizierung im Mengengeschäft. Was bedeutet das eigentlich?

Im Kern geht es darum, Risiken besser zu streuen.

Die Aufsicht will verhindern, dass Banken im sogenannten Mengengeschäft – also etwa bei Konsumentenkrediten, Immobilienfinanzierungen oder Kreditkarten – zu große Klumpenrisiken aufbauen.

Einfach gesagt:
Wenn zu viele ähnliche Kredite ausfallen, kann das schnell gefährlich für eine Bank werden.

Warum wird dieses Thema gerade jetzt wichtiger?

Weil die wirtschaftliche Lage schwieriger wird.

Steigende Insolvenzen, höhere Zinsen, schwächelnde Immobilienmärkte und eine angespannte Konjunktur erhöhen den Druck auf Banken erheblich.

Die Aufsicht reagiert darauf mit strengeren Vorgaben zur Risikostreuung.

Was genau verlangen die neuen Leitlinien?

Die EBA definiert erstmals sehr konkret, wann ein Kreditportfolio als ausreichend diversifiziert gilt.

Besonders interessant:
Große Einzelrisiken dürfen nur noch einen begrenzten Anteil am gesamten Mengengeschäft ausmachen.

Die Leitlinien sehen vor, dass große Risikopositionen zusammen maximal zehn Prozent des gesamten relevanten Portfolios ausmachen dürfen.

Warum ist das für Verbraucher relevant?

Weil es zeigt, dass Banken selbst bei vermeintlich breit gestreuten Kreditgeschäften erhebliche Risiken sehen.

Viele Verbraucher glauben:
„Eine Bank verteilt doch tausende Kredite – was soll da passieren?“

Aber genau diese Masse kann problematisch werden, wenn viele Kunden gleichzeitig ausfallen.

Das haben frühere Finanzkrisen eindrucksvoll gezeigt.

Die Leitlinien sprechen auch von „großen Risikopositionen“. Was ist damit gemeint?

Die EBA definiert das erstaunlich präzise.

Eine einzelne Risikoposition gilt bereits dann als groß, wenn sie mehr als 0,2 Prozent des gesamten Mengengeschäft-Portfolios ausmacht.

Das zeigt:
Die Aufsicht schaut inzwischen extrem genau hin.

Bedeutet das, dass Banken bislang zu locker mit Risiken umgegangen sind?

Zumindest erkennt die Aufsicht offenbar Handlungsbedarf.

Wenn neue Leitlinien eingeführt werden, dann meist deshalb, weil man Schwächen oder Unsicherheiten im bestehenden System sieht.

Gerade bei Kreditverbriefungen, Konsumentenkrediten oder strukturierten Finanzierungen will die Regulierung heute deutlich genauer kontrollieren.

Können solche Regeln Finanzkrisen verhindern?

Verhindern vielleicht nicht vollständig.

Aber sie können Risiken begrenzen.

Das Problem ist:
Viele Krisen entstehen genau dann, wenn Risiken unterschätzt werden und zu viele ähnliche Geschäfte gleichzeitig kippen.

Diversifizierung soll genau das verhindern.

Was sollten Verbraucher daraus mitnehmen?

Vor allem eines:
Wenn selbst die Finanzaufsicht immer detailliertere Regeln zur Risikostreuung erlässt, zeigt das, wie fragil Finanzmärkte teilweise geworden sind.

Anleger und Verbraucher sollten deshalb:

  • Finanzprodukte kritisch hinterfragen,
  • nicht blind auf Sicherheit vertrauen,
  • Banken und Produkte vergleichen,
  • und sich bewusst machen, dass auch große Institute Risiken ausgesetzt sind.

Die neuen BaFin- und EBA-Regeln sind letztlich ein Warnsignal:
Stabilität im Finanzsystem ist keine Selbstverständlichkeit.

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