Die FIFA möchte einen Teil ihrer kommerziellen Rechte an Investoren verkaufen und dabei mehr als vier Milliarden Dollar einsammeln. Oder, wie man im modernen Fußball sagt: Tradition ist schön, aber hat sie schon einmal jemand bewertet?
Künftige Weltmeisterschaften sollen nach den Plänen teilweise unter dem Dach eines neuen Unternehmens organisiert werden. Mehrheitseigentümer bliebe die FIFA, angeführt von Präsident Gianni Infantino. Der Fußball würde also nicht vollständig verkauft – die FIFA behielte selbstverständlich die Fernbedienung.
Investoren aus der erweiterten Trump-Familienaufstellung
Nach einem Bericht der „Times“ sollen auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Präsident Donald Trump in die Gespräche eingebunden worden sein. Die „Financial Times“ berichtet, dass Technologieinvestor Joshua Kushner den Einstieg einer Investorengruppe über seinen Fonds Thrive Eternal anführen könnte.
Kushners Bruder Jared ist mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet. Im internationalen Fußball scheint damit künftig neben sportlicher Qualifikation auch der Stammbaum eine gewisse Rolle zu spielen.
Ein FIFA-Sprecher bestätigte, dass Thrive voraussichtlich die Führung der Investorengruppe übernehmen werde. Beraten lässt sich die FIFA von JPMorgan. Denn sobald es um vier Milliarden Dollar geht, reicht der Taschenrechner aus dem Fanshop offenbar nicht mehr aus.
Jobvorsorge für Infantino?
Der Deal könnte auch für Infantinos persönliche Zukunft interessant werden. Nach dem erwarteten Ende seiner letzten Amtszeit als FIFA-Präsident im Jahr 2031 könnte der heute 56-Jährige das neue Unternehmen möglicherweise als Commissioner oder Geschäftsführer führen.
Die FIFA betont, darüber sei noch nie gesprochen worden. Gleichzeitig müsse der FIFA-Präsident in der neuen Gesellschaft eine führende Rolle übernehmen, damit der Weltverband die Kontrolle behalte.
Mit anderen Worten: Niemand plant einen neuen Job für Infantino. Aber rein zufällig könnte dort bereits ein sehr passender Schreibtisch stehen.
UEFA findet das alles weniger lustig
Bei der Europäischen Fußballunion UEFA kam die Idee ungefähr so gut an wie eine Super League mit Eintritt nur nach Vorlage einer Kreditkarte.
„Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, erklärte die UEFA. Die Seele und die Führung des Fußballs seien keine Handelsware. Niemand sei Eigentümer des Fußballs, und er stehe der FIFA nicht zum Verkauf.
Das ist eine bemerkenswert romantische Aussage aus einer Branche, in der inzwischen selbst Nachspielzeiten einen Sponsor gebrauchen könnten.
20 Prozent Fußball für Investoren
Private Geldgeber sollen rund 20 Prozent an der geplanten Gesellschaft FFE erwerben können. Der Wert des Unternehmens wird zunächst auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Darin sollen die kommerziellen Rechte an Wettbewerben wie der Männer-WM, der Frauen-WM und der Club-WM gebündelt werden.
Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafter bleiben und nach eigenen Angaben weiterhin über Spielkalender und Regelwerk bestimmen. Die Investoren bekämen also nicht den gesamten Fußball, sondern lediglich einen kleinen Anteil an allem, womit sich Geld verdienen lässt.
Dem „Times“-Bericht zufolge könnte der Einstieg privater Geldgeber den Druck erhöhen, Weltmeisterschaften noch größer oder häufiger auszutragen. Schließlich haben Investoren selten den Wunsch, dass ein Produkt einfach vier Jahre lang ruhig in der Ecke liegt.
Eine WM mit noch mehr Mannschaften, noch mehr Spielen und noch mehr Sponsoren wäre daher durchaus denkbar. Irgendwann dauert das Turnier dann vielleicht so lange, dass direkt im Anschluss schon die nächste Weltmeisterschaft beginnt.
Der Fußball gehört allen – die Einnahmen offenbar nicht
Offiziell bleibt die FIFA Herrin des Verfahrens. Sie kontrolliert die Regeln, den Kalender und die Mehrheit der neuen Gesellschaft. Kritiker befürchten dennoch, dass wirtschaftliche Interessen künftig noch stärker über sportliche Entscheidungen bestimmen könnten.
Infantino hat den Fußball damit nicht verkauft. Er hat offenbar nur geprüft, was er auf dem freien Markt wert sein könnte.
Und falls der Deal zustande kommt, dürfen Fans vermutlich weiterhin sagen, der Fußball gehöre ihnen.
Die kommerziellen Rechte daran allerdings nur zu 80 Prozent.
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