Wenn Diplomatie scheitert, macht Donald Trump bekanntlich das, was Donald Trump immer macht: Er schreibt in Großbuchstaben ins Internet und lässt anschließend Kriegsschiffe sprechen.
Nach den gescheiterten Gesprächen mit dem Iran kündigt das US-Militär nun an, ab Montag um 10:00 Uhr US-Ostküstenzeit den Schiffsverkehr zu und von iranischen Häfen zu blockieren. Die Straße von Hormus selbst soll laut US-Angaben für Schiffe mit anderen Zielen zwar offen bleiben – aber das ist ungefähr so beruhigend, wie wenn dir jemand sagt: „Keine Sorge, nur der halbe Highway brennt.“
Auslöser war Trumps nächste geopolitische Truth-Social-Operette: Der Präsident hatte angekündigt, die US Navy werde „jedes und alle Schiffe“ blockieren, die in die Meerenge hinein- oder hinauswollen, und Schiffe aufbringen, die an Iran eine Art Durchfahrtsgebühr gezahlt hätten. Übersetzt: Trump erklärt sich mal eben zum Kassenwart des globalen Ölhandels.
Teheran reagiert wenig überraschend mit dem diplomatischen Charme eines Flammenwerfers. Die Revolutionsgarden erklärten, jedes Militärschiff, das sich der Route nähere, werde als Bruch der ohnehin fragilen Waffenruhe gewertet – und entsprechend behandelt. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf legte nach und ließ wissen, Iran werde „unter Drohungen nicht kapitulieren“. Auf X spottete er bereits über steigende Spritpreise in den USA: Bald werde man sich nach vier bis fünf Dollar pro Gallone zurücksehnen.
Und damit sind wir beim eigentlichen Wahlsieger dieser Eskalation: dem Ölpreis.
Der sprang zum Wochenstart prompt wieder über die psychologisch magische Marke von 100 Dollar pro Barrel. Brent stieg auf rund 102,80 Dollar, WTI auf 104,88 Dollar. Die Märkte hören eben „Blockade Hormus“ und machen sofort das, was sie am besten können: kollektiv hyperventilieren.
Die Lage ist dabei brandgefährlich, auch wenn Washington sich Mühe gibt, das Ganze technisch klingen zu lassen. Das US-Kommando CENTCOM betont, man werde „unparteiisch“ alle Schiffe kontrollieren, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen, aber nicht den Transit zu anderen Ländern behindern. Klingt geschniegelt, ist aber militärisch ein Hochrisikoprojekt in einer der sensibelsten Seestraßen der Welt. Experten sprechen bereits von einer massiven und schwer durchzuhaltenden Operation, die jederzeit in direkte Konfrontationen kippen kann.
Denn wir reden hier nicht über irgendeinen Hafenstreit, sondern über einen globalen Nadelöhr-Moment. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Energie-Korridore der Welt. Schon die Aussicht auf eine längere Eskalation reicht, um Tanker nervös werden zu lassen. Reuters berichtet bereits, dass erste Schiffe vor der angekündigten Blockade umkehren oder abwarten. Andere fahren noch durch – offenbar nach dem Motto: „Augen zu, Radar an.“
Gleichzeitig wird klar: Die gescheiterten Gespräche in Pakistan waren offenbar keine kleine Delle, sondern das Ende einer kurzen Hoffnung auf Deeskalation. Laut Wall Street Journal erwägt Trump inzwischen sogar wieder begrenzte Luftschläge gegen Iran. Das Weiße Haus sagt dazu ganz beruhigend, „alle Optionen“ lägen auf dem Tisch – also exakt jener Satz, der in solchen Lagen traditionell bedeutet: Es kann sehr schnell sehr ungemütlich werden.
Politisch ist das Ganze ein Lehrstück in Trump’scher Außenpolitik:
Erst großmäulig eine Waffenruhe feiern, dann über gescheiterte Gespräche schimpfen, dann eine Blockade ankündigen, dann Luftschläge erwägen – und nebenbei hoffen, dass Benzinpreise, Wähler und Verbündete irgendwie mitspielen.
Das Problem: Eine Seeblockade ist kein Fernsehformat. Sie ist völkerrechtlich heikel, militärisch explosiv und wirtschaftlich brandgefährlich. Wer Schiffe kontrolliert, stoppt oder beschlagnahmt, spielt in einer Liga, in der aus „Druckmittel“ sehr schnell offene Eskalation werden kann.
Und genau deshalb ist Trumps jüngster Kraftakt weniger das Zeichen eines genialen Masterplans als vielmehr das, was seine Nahostpolitik inzwischen zuverlässig liefert:
eine Mischung aus maximaler Drohkulisse, minimaler Planbarkeit und einem Ölpreis, der inzwischen wahrscheinlich nervöser ist als das Pentagon.
Die Bewertung:
Trump will Iran wirtschaftlich würgen, ohne den ganz großen Krieg zu führen. Das Problem ist nur: Wer im Hormus-Nadelöhr mit Kriegsschiffen Türsteher spielt, merkt oft erst sehr spät, dass aus „Druck aufbauen“ ziemlich schnell „Weltbrand mit Tankerzuschlag“ werden kann.
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