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„Hohe Kosten fressen Rendite auf“ – Rechtsanwalt Jens Reime zur BaFin-Untersuchung über Lebensversicherungen

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Die BaFin hat aktuelle Daten zum Kundennutzen von Lebensversicherungen veröffentlicht. Die Untersuchung zeigt sinkende Effektivkosten bei vielen fondsgebundenen Produkten, aber auch weiterhin erhebliche Schwächen. Wir sprachen mit dem auf Versicherungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt Jens Reime über die Ergebnisse und die Konsequenzen für Verbraucher.

Herr Reime, die BaFin stellt fest, dass die Effektivkosten vieler fondsgebundener Lebensversicherungen gesunken sind. Ist das eine gute Nachricht für Verbraucher?

Grundsätzlich ja. Sinkende Effektivkosten bedeuten, dass weniger Rendite durch Gebühren aufgezehrt wird. Gerade bei langfristigen Verträgen können wenige Zehntelprozentpunkte einen erheblichen Unterschied bei der späteren Ablaufleistung ausmachen. Die Entwicklung zeigt, dass der Druck der Aufsicht und die zunehmende Nutzung kostengünstiger Indexfonds Wirkung entfalten.

Dennoch spricht die BaFin davon, dass einzelne Produkte weiterhin Effektivkosten von über drei Prozent aufweisen. Wie bewerten Sie das?

Das ist aus Verbrauchersicht kritisch. Drei Prozent Effektivkosten sind bei einer langfristigen Geldanlage eine erhebliche Belastung. Viele Kunden unterschätzen, welchen Einfluss laufende Kosten auf die Vermögensentwicklung haben. Wer über Jahrzehnte spart, verliert durch hohe Kosten schnell mehrere Zehntausend Euro an möglicher Rendite. Die BaFin weist deshalb zu Recht darauf hin, dass hohe Kosten häufig auch mit einer geringeren Nettorendite einhergehen.

Besonders problematisch scheinen vorzeitige Vertragskündigungen zu sein.

Absolut. Das ist seit Jahren ein Kernproblem der Lebensversicherung. Viele Verträge werden nicht bis zum Ende durchgehalten. Die Untersuchung zeigt, dass nach 15 Jahren oftmals bereits mehr als die Hälfte der Kunden ausgestiegen ist. Dann schlagen die zu Beginn verrechneten Abschlusskosten besonders stark zu Buche. Für Verbraucher bedeutet das häufig erhebliche finanzielle Nachteile.

Müssten die Versicherer hier transparenter werden?

Transparenz ist ein wichtiger Punkt. Verbraucher müssen schon bei Vertragsabschluss verstehen, welche finanziellen Folgen eine spätere Kündigung haben kann. Viele Menschen schließen Verträge für 30 oder 40 Jahre ab, ohne zu wissen, dass sich ihre Lebenssituation mehrfach verändern wird. Deshalb sollte der Kundennutzen auch unter realistischen Bedingungen bewertet werden und nicht nur für den Idealfall einer jahrzehntelangen Vertragsfortführung.

Die BaFin beschäftigt sich zudem intensiv mit sogenannten Kickbacks oder Rückvergütungen. Warum ist dieses Thema so wichtig?

Weil hier Interessenkonflikte entstehen können. Wenn Vermittler oder Versicherer für bestimmte Fonds zusätzliche Vergütungen erhalten, besteht zumindest die Gefahr, dass nicht ausschließlich das Kundeninteresse im Vordergrund steht. Positiv ist, dass inzwischen alle befragten Versicherer nach eigenen Angaben wissen, ob solche Rückvergütungen fließen und in welcher Höhe. Das war vor wenigen Jahren noch nicht selbstverständlich.

Erstmals hat die BaFin auch die Rentenbezugsphase untersucht. Dabei fiel auf, dass viele Versicherer keinen Risikoüberschuss an Rentner weitergeben. Was bedeutet das konkret?

Das ist ein sehr interessanter Punkt. Versicherer kalkulieren ihre Tarife vorsichtig und bauen Sicherheitsreserven ein. Wenn Versicherte statistisch früher versterben als kalkuliert, entstehen sogenannte Risikoüberschüsse. Die Frage ist dann, ob und in welchem Umfang die Kunden an diesen Überschüssen beteiligt werden.

Wenn mehr als die Hälfte der Versicherer aktuell keinen Risikoüberschussanteil vorsieht, wird man sich die Begründungen genau anschauen müssen. Die BaFin macht deutlich, dass Sicherheitsmargen nicht dauerhaft einseitig zulasten der Versicherten wirken dürfen.

Sehen Sie hier rechtlichen oder politischen Handlungsbedarf?

Zumindest besteht weiterer Prüfungsbedarf. Die Einhaltung der Mindestzuführungsverordnung allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob die Überschüsse tatsächlich verursachungsgerecht auf die einzelnen Verträge verteilt werden. Die BaFin hat deutlich gemacht, dass sie dieses Thema künftig intensiver überwachen wird. Das ist aus meiner Sicht richtig.

Welche Lehre sollten Verbraucher aus der Untersuchung ziehen?

Verbraucher sollten bei Lebensversicherungen nicht nur auf prognostizierte Ablaufleistungen schauen, sondern vor allem auf die Kostenstruktur, die Flexibilität des Vertrags und die Überschussbeteiligung. Hohe Kosten können langfristig erhebliche Vermögensverluste verursachen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass sich der Markt bewegt. Wer heute einen Vertrag abschließt oder einen bestehenden Vertrag überprüfen lässt, sollte genau hinschauen und gegebenenfalls unabhängigen Rat einholen.

Herr Reime, vielen Dank für das Gespräch.

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