Eigentlich sollte die Reise mit der „MV Hondius“ wohl nach Abenteuer, Eisbergen und exklusiver Expedition klingen. Stattdessen entwickelt sich die Kreuzfahrt zunehmend zu einer Mischung aus Pandemie-Film, Behörden-Marathon und medizinischem Albtraum.
Nun wurde auch in Kanada ein weiterer Hantavirus-Fall bestätigt. Ein Passagier aus Yukon, der zuletzt auf Vancouver Island isoliert wurde, zeigte milde Symptome und testete positiv auf das Virus. Damit steigt die Zahl der bekannten Infektionen inzwischen auf elf. Drei Menschen sind bereits gestorben.
Das niederländische Expeditionsschiff war Anfang April in Argentinien gestartet. Danach nahm die Reise allerdings eine Richtung, die vermutlich nicht im Katalog stand.
Erster Todesfall auf See. Weitere Erkrankungen. Evakuierungen. Zwischenstopps. Krankenhäuser. WHO-Warnungen. Isolation. Und schließlich die Ankunft auf Teneriffa wie das Finale einer besonders düsteren Netflix-Serie.
147 Passagiere und Crewmitglieder aus 23 Ländern durften das Schiff erst nach wochenlanger Unsicherheit verlassen.
Die kanadischen Gesundheitsbehörden bemühen sich derzeit sichtbar um Beruhigung. Hantavirus sei „nicht Covid“, erklärte British Columbias Gesundheitschefin Bonnie Henry sinngemäß. Das Virus habe kein großes Pandemiepotenzial.
Das dürfte viele beruhigen. Wahrscheinlich zumindest etwas mehr als der Satz: „Das ist zwar nicht das, was wir gehofft hatten – aber genau das, worauf wir vorbereitet waren.“
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt inzwischen bis zu 42 Tage Isolation für Betroffene und Kontaktpersonen. Aus dem geplanten Kreuzfahrt-Souvenir wurde für manche Passagiere also eher ein sehr langer Aufenthalt in Quarantäne.
Besonders unangenehm: Die Andes-Variante des Hantavirus kann offenbar in seltenen Fällen auch zwischen Menschen übertragen werden. Normalerweise stammt das Virus von Nagetieren.
Mit anderen Worten: Die Reise begann mit Naturerlebnis und endet nun mit weltweiter Beobachtung durch Gesundheitsbehörden.
Die Branche selbst dürfte sich schon auf neue Werbeslogans freuen:
„MV Hondius – unsere Reisen bleiben garantiert unvergesslich.“
Oder vielleicht:
„Jetzt buchen – nur mit leichtem Pandemie-Risiko.“
Fest steht: Für die betroffenen Passagiere dürfte diese Reise noch sehr lange nachwirken. Und vermutlich werden künftig einige Menschen nervös werden, wenn auf Kreuzfahrten jemand hustet – oder eine Maus vorbeiläuft.
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