US-Behörden haben am Mittwoch eine koordinierte Großrazzia gegen Händler und Großverteiler von illegalen E-Zigaretten durchgeführt. Nach Angaben des US-Justizministeriums wurden Produkte im Wert von mehr als 86 Millionen Dollar beschlagnahmt – viele davon gezielt vermarktet für Jugendliche und Angehörige des Militärs. Die Aktion gilt als eine der bislang größten Maßnahmen gegen den boomenden Schwarzmarkt für Einweg-Vapes in den Vereinigten Staaten.
Bei einer Pressekonferenz erklärte US-Justizministerin Pam Bondi, die Regierung gehe entschlossen gegen ein Netzwerk vor, das verbotene Vape-Produkte systematisch in Geschäfte im ganzen Land einschleuse. Gemeinsam mit der amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA hätten Bundesbeamte Lagerhallen, Distributoren und Verkaufsstellen in mehreren Bundesstaaten durchsucht, darunter Illinois, Florida, Georgia, Arizona, North Carolina und New Jersey.
Im Fokus der Ermittlungen stehen vor allem Produkte, die nach Angaben der Behörden illegal aus China in die USA geschmuggelt wurden. Die Geräte seien häufig in grellen Farben gestaltet und mit süßen Geschmacksrichtungen versehen, um gezielt junge Konsumenten anzusprechen. Ermittler warnen, dass viele der beschlagnahmten Vapes extrem hohe Nikotinwerte sowie nicht getestete Chemikalien und Schwermetalle enthalten könnten. Zudem würden zahlreiche Produkte gegen amerikanische Vorschriften zur Kennzeichnung und Vermarktung verstoßen.
Die Regierung wirft chinesischen Herstellern vor, US-Regularien bewusst zu umgehen und den amerikanischen Markt mit billigen Einwegprodukten zu überschwemmen. Bondi erklärte, die Bevölkerung dürfe nicht den gesundheitlichen Folgen „gefährlicher Chemikalien“ ausgesetzt werden, die über illegale Vertriebswege in amerikanische Gemeinden gelangten.
Die FDA versucht bereits seit Jahren, den Verkauf nicht zugelassener Vapes einzudämmen. In der Vergangenheit verschickte die Behörde Warnschreiben an bekannte Marken und arbeitete mit Zoll- und Strafverfolgungsbehörden zusammen, um Lieferungen an den Grenzen abzufangen. Nun kündigten sowohl Bondi als auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. eine deutliche Verschärfung der Kontrollen an. Künftig sollen illegale Produkte schneller aus den Regalen entfernt und Händler konsequenter verfolgt werden.
Nach Angaben des Justizministeriums gingen den Razzien verdeckte Ermittlungen voraus. FDA-Inspektoren überprüften mehrere Großhändler, während verdeckte ATF-Agenten die verbotenen Produkte in verschiedenen Geschäften testweise kauften. Gegen insgesamt 14 Standorte wurden inzwischen zivilrechtliche Beschlagnahmungsverfahren eingeleitet.
Besonders brisant erscheint ein Fall aus dem Großraum Chicago. Dort entdeckten Ermittler in einer Lagerhalle außerhalb der Stadt mehr als 600.000 Vape-Produkte mit einem geschätzten Verkaufswert von über 14 Millionen Dollar. Das Lager befand sich nur wenige Kilometer von mehreren Schulen sowie in unmittelbarer Nähe einer militärischen Einrichtung entfernt. Behördenvertreter sehen darin einen Hinweis darauf, dass Jugendliche und Soldaten gezielt als Kundengruppen angesprochen werden sollten.
Unter den beschlagnahmten Produkten fanden sich Namen wie „Sad Boy“ mit der Geschmacksrichtung „Funnel Cake“ oder „Pillow Talk Ice Control“ in der Sorte „Purple Galaxy“. Die auffälligen Bezeichnungen und süßlichen Aromen gelten seit Jahren als zentraler Kritikpunkt von Gesundheitsexperten, weil sie insbesondere Minderjährige ansprechen.
Bondi stellte klar, dass nach US-Recht nur wenige Geschmacksrichtungen legal zulässig seien, darunter Tabak, Menthol und Zimt. Viele Verbraucher hätten offenbar geglaubt, Frucht- und Süßwarenaromen seien erlaubt. „Das sind sie nicht“, betonte die Ministerin.
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