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Der Frieden, der keiner ist: Warum die Weltwirtschaft dem Iran-Krieg noch lange nicht entkommt

stux (CC0), Pixabay
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Donald Trump spricht wieder von Frieden. Die Straße von Hormus werde geöffnet, eine Einigung mit dem Iran sei greifbar, der Krieg könne enden. Doch an den internationalen Märkten reagiert inzwischen kaum noch jemand euphorisch auf solche Ankündigungen. Zu oft folgten auf diplomatische Durchbrüche neue Eskalationen. Zu oft endeten Waffenruhen wenige Stunden später wieder im Chaos.

Die eigentliche Frage lautet deshalb längst nicht mehr, ob der Krieg formal endet. Sondern was danach passiert.

Denn selbst wenn die Waffen schweigen sollten, beginnt für die Weltwirtschaft erst dann das eigentliche Problem.

Die Straße von Hormus bleibt ein Pulverfass

Im Zentrum der Krise steht weiterhin die Straße von Hormus – jener schmale Seeweg zwischen Iran und Oman, durch den rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert wird. Während des Konflikts wurde die Passage faktisch zum geopolitischen Würgegriff für die globale Wirtschaft. Iran blockierte Tanker mit Schnellbooten, Drohnen und Minen. Die Folge: massive Störungen im weltweiten Energiemarkt.

Nun kündigt Trump eine Wiederöffnung an. Doch die Realität ist deutlich komplizierter.

Iran signalisiert zwar Bereitschaft, den Schiffsverkehr wieder auf Vorkriegsniveau zu bringen. Gleichzeitig betont Teheran jedoch ausdrücklich, dass dies keineswegs eine „freie Passage“ bedeute wie vor dem Krieg. Iran will die Kontrolle über die strategische Route behalten – inklusive möglicher Gebühren und strenger Überwachung.

Die Straße von Hormus bleibt damit auch nach einem möglichen Friedensdeal ein politisches Druckmittel.

Das große Tanker-Chaos

Hinzu kommt ein logistisches Problem gewaltigen Ausmaßes.

Wochenlang stauten sich Tanker im Persischen Golf. Rund 170 Millionen Barrel Öl sitzen derzeit laut Analysten auf feststeckenden Schiffen fest. Selbst wenn die Passage sofort vollständig geöffnet würde, könnte es Monate dauern, bis sich der Schiffsverkehr normalisiert.

Denn Tanker bewegen sich langsam. Sehr langsam.

Zunächst müssen die beladenen Schiffe den Golf verlassen. Erst danach können leere Tanker wieder einfahren, Öl aufnehmen und die globalen Lieferketten schrittweise stabilisieren. Experten rechnen damit, dass allein die Rückkehr zum normalen Transportniveau bis zu drei Monate dauern könnte.

Die beschädigte Ölmaschine des Nahen Ostens

Doch selbst dann beginnt erst die nächste Herausforderung:
die Wiederinbetriebnahme der Ölproduktion.

Während des Krieges wurden zahlreiche Förderanlagen abgeschaltet oder beschädigt. Allein in Saudi-Arabien und im Irak fielen Millionen Barrel täglicher Produktion aus.

Dabei funktioniert ein Ölfeld nicht wie ein Lichtschalter.

Die Produktion muss langsam hochgefahren werden, damit Druckverhältnisse in den Lagerstätten stabil bleiben. Wasser- und Gasinjektionen müssen neu austariert werden. Fehler könnten ganze Förderfelder dauerhaft beschädigen und milliardenschwere Reparaturen notwendig machen.

Gleichzeitig wurden Raffinerien, Gasanlagen und Infrastruktur im Krieg teilweise schwer getroffen. Einige Reparaturen könnten Jahre dauern.

Warum die Ölpreise hoch bleiben dürften

Viele Verbraucher hoffen nun auf sinkende Benzinpreise. Doch Experten bremsen die Erwartungen deutlich.

Der Ölpreis liegt weiterhin auf hohem Niveau. Selbst optimistische Analysten rechnen damit, dass Rohöl im restlichen Jahr deutlich teurer bleiben wird als vor dem Krieg.

Das hat mehrere Gründe:
die unsichere Sicherheitslage,
beschädigte Infrastruktur,
stockende Lieferketten
und vor allem das massive Misstrauen der Märkte.

Denn Händler glauben erst dann an echten Frieden, wenn Tanker tatsächlich wochenlang sicher durch Hormus fahren können.

Die Angst vor dem nächsten Rückschlag

Genau hier liegt das eigentliche Problem.

In den vergangenen Monaten gab es mehrfach scheinbare Durchbrüche. Bereits im April hatte der Iran einer Öffnung der Meerenge zugestimmt. Wenige Stunden später warf Teheran den USA und Israel Vertragsbruch vor – und die Angriffe auf Schiffe begannen erneut.

Deshalb reagieren Märkte inzwischen äußerst vorsichtig auf diplomatische Ankündigungen.

Auch Reedereien und Versicherungen bleiben skeptisch. Die Kosten für Schiffversicherungen explodierten während des Konflikts teilweise um mehrere tausend Prozent. Viele Unternehmen werden ihre Tanker erst dann wieder normal durch die Region schicken, wenn langfristige Sicherheit garantiert scheint.

Die fragile Illusion vom Frieden

Der mögliche Frieden zwischen den USA und dem Iran wirkt deshalb derzeit eher wie ein hochriskanter Waffenstillstand auf Zeit.

Zu viele Fragen bleiben offen:
Wird Iran tatsächlich dauerhaft auf aggressive Kontrolle der Meerenge verzichten?
Werden die USA ihre Blockaden lockern?
Bleiben Israel und der Iran indirekt im Konflikt?
Und wie stabil ist ein Deal, der auf gegenseitigem Misstrauen basiert?

Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt extrem fragil.

Die Weltwirtschaft bleibt abhängig

Der Konflikt zeigt erneut die enorme Verwundbarkeit der globalisierten Wirtschaft.

Ein schmaler Seeweg zwischen Iran und Oman reicht aus, um Ölpreise weltweit explodieren zu lassen, Lieferketten zu destabilisieren und Börsen in Panik zu versetzen.

Trotz Energiewende bleibt die Weltwirtschaft weiterhin massiv vom Öl abhängig – und damit auch von politischer Stabilität in einer der konfliktträchtigsten Regionen der Erde.

Frieden allein reicht nicht mehr

Selbst wenn der Krieg offiziell endet, bedeutet das deshalb noch lange keine Rückkehr zur Normalität.

Zu groß sind die Schäden.
Zu tief sitzt das Misstrauen.
Zu abhängig bleibt die Welt vom Persischen Golf.

Die Märkte haben das längst verstanden. Deshalb reagieren sie auf Trumps Friedensankündigungen inzwischen nicht mehr mit Euphorie, sondern mit Skepsis.

Denn im Nahen Osten endet ein Krieg selten wirklich.

Oft beginnt nach dem Waffenstillstand nur die nächste Phase der Krise.

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