Ein Kommentar aus dem Innenministerium der Absurditäten
Das deutsche Stromnetz ist gerettet. Zumindest theoretisch, praktisch weiß man es nicht so genau. Mit der gewohnten chirurgischen Präzision deutscher Ermittlungsbehörden rückte die Polizei gestern mit bescheidenen 100 Einsatzfahrzeugen am Hambacher Forst an. Das Ziel: Ein einzelner 48-Jähriger, der mit Bekennerschreiben um sich wirft und aus Protest gegen Braunkohle Strommasten ausknipst.
Nach sieben langen, kräftezehrenden Stunden intensiver Spurensuche im Unterholz musste die Aktion um 19:00 Uhr allerdings ergebnislos abgebrochen werden. Der Grund dafür ist so atemberaubend wie pragmatisch: Im Wald stand ein Baumhaus. Und es war sogar jemand zu Hause.
Wer nun glaubt, 100 Polizeiautos und hunderte Einsatzkräfte reichten aus, um ein Holzverschlag-Biotop in drei Metern Höhe zu filzen, hat die Rechnung ohne die deutsche Amtsschimmel-Logistik gemacht. Für ein bewohntes Baumhaus braucht man schließlich Spezialeinsatzkräfte. Und die hatten spontan leider keinen Termin frei. Hatten wahrscheinlich Urlaub, standen im Stau oder mussten erst die Formulare für die Leiterbesteigung in Dreifachausführung stempeln.
Man muss Prioritäten setzen:
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100 Einsatzfahrzeuge im Wald parken: Kein Problem.
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Fahndungsfotos veröffentlichen: Erledigt.
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Drei Meter Holzleiter hochklettern: Systemabsturz.
Der Polizeisprecher beruhigte die verängstigte Bevölkerung jedoch umgehend: Man behalte die Situation vor Ort „im Auge“. Das schützt zwar weder die Masten in NRW, Brandenburg noch Sachsen vor dem nächsten Seitenschneider, aber der optische Kontrollmodus steht bombenfest.
Während der Gesuchte also ungestört weiter durch das Bundesgebiet tourt, bleibt für den nächsten Großeinsatz nur zu hoffen, dass der Täter sein Versteck ebenerdig wählt. Oder dass das Spezialeinsatzkommando für Baumhäuser wenigstens einen funktionierenden Online-Kalender bekommt.
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