Die Gitarrenwelt steht vor einer historischen Zeitenwende.
Nachdem Generationen von Musikern glaubten, die Fender Stratocaster sei eine E-Gitarre, gibt es nun eine völlig neue Erkenntnis:
Möglicherweise handelt es sich in Wahrheit um ein Kunstwerk.
Und Kunstwerke kopiert man bekanntlich nicht.
Der Kampf um die Rundungen
Auslöser ist ein Urteil eines deutschen Gerichts, das die berühmte Stratocaster-Form als Werk der angewandten Kunst einstufte.
Damit wird aus einer Gitarre plötzlich etwas zwischen Mona Lisa, Venus von Milo und modernem Industriedesign.
Besonders bemerkenswert: In der juristischen Diskussion sollen die berühmten Rundungen der Stratocaster sogar mit weiblichen Körperformen verglichen worden sein.
Gitarristen weltweit reagieren schockiert.
Viele hatten bislang angenommen, sie würden auf einer Gitarre spielen und nicht auf einer Kunstinstallation.
Original muss Original bleiben
Fender macht nun deutlich:
Original muss Original bleiben.
Nach über sieben Jahrzehnten erfolgreicher Nachbauten, Interpretationen, Hommagen, Inspirationen und kreativer Weiterentwicklungen scheint in Arizona plötzlich die Erkenntnis gereift zu sein, dass vielleicht doch nicht jede zweite Gitarre aussehen sollte wie eine Stratocaster.
Ein mutiger Schritt.
Vor allem nach nur 72 Jahren Bedenkzeit.
Panik in den Werkstätten
In kleinen Gitarrenwerkstätten herrscht inzwischen leichte Nervosität.
Manche Hersteller fragen sich, ob sie künftig ihre Instrumente nur noch mit eckigen Korpussen, dreieckigen Ausschnitten oder in Form eines Kühlschranks bauen dürfen.
Andere überlegen bereits, ob sie ihre Modelle vorsorglich als „stratocasterähnliches Saiteninstrument mit ergonomisch inspirierter Kontur“ bezeichnen sollten.
Juristen wittern jedenfalls goldene Zeiten.
Was kommt als Nächstes?
Die große Sorge vieler Musiker lautet:
Wenn die Stratocaster ein Kunstwerk ist, wo endet die Reise?
Darf man künftig noch ein Foto von seiner Gitarre veröffentlichen?
Benötigt ein Konzertveranstalter eine Sondergenehmigung für Nahaufnahmen?
Muss John Mayer irgendwann Lizenzgebühren bezahlen, weil seine Gitarre aus zehn Metern Entfernung an eine Stratocaster erinnert?
Und braucht ein Gitarrenlehrer künftig einen Kunsthistoriker als Co-Dozenten?
Leo Fender rotiert vermutlich im Grab
Die Ironie der Geschichte:
Leo Fender wollte ursprünglich gar kein Kunstwerk erschaffen.
Er wollte eine robuste, praktische und leicht reparierbare Arbeitsmaschine für Musiker bauen.
Einen abschraubbaren Hals.
Austauschbare Teile.
Einfache Produktion.
Kurz gesagt: Das genaue Gegenteil eines empfindlichen Museumsstücks.
Heute diskutieren Juristen darüber, ob dieses praktische Werkzeug vielleicht denselben Schutz genießen sollte wie berühmte Designklassiker.
Das große Finale
Fest steht:
Die letzte Entscheidung ist noch lange nicht gefallen.
Möglicherweise werden sich künftig höhere Gerichte mit der Frage beschäftigen, ob eine Stratocaster tatsächlich Kunst ist oder doch einfach eine verdammt gute Gitarre.
Bis dahin bleibt die Gitarrenwelt in Alarmbereitschaft.
Denn eines ist sicher:
Wenn am Ende jede geschwungene Gitarrenform urheberrechtlich geschützt wird, dann könnte die nächste Rockband statt Gitarren nur noch rechteckige Bretter mit Saiten spielen.
Und das wäre vermutlich das Ende von Rock’n’Roll, wie wir ihn kennen.
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