Eine gigantische Flutwelle in Alaska ist nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen die zweitgrößte jemals gemessene Megatsunami-Welle gewesen. Ausgelöst wurde sie durch einen gewaltigen Bergsturz in einem abgelegenen Fjord im Südosten des US-Bundesstaates.
Wie Forscher nun im Fachmagazin Science berichten, stürzten im August 2025 innerhalb weniger Sekunden rund 64 Millionen Kubikmeter Gestein in den Tracy-Arm-Fjord – das entspricht etwa dem Volumen von 24 Cheops-Pyramiden. Die Wucht des Aufpralls erzeugte eine fast 500 Meter hohe Wasserwand.
Nur die Tageszeit verhinderte offenbar eine Katastrophe größeren Ausmaßes. Der Bergsturz ereignete sich in den frühen Morgenstunden, als sich keine Kreuzfahrtschiffe im Fjord befanden. Wissenschaftler sprechen dennoch von einem „Beinahe-Unglück“.
„Wir wissen, dass Menschen nur knapp nicht am falschen Ort waren“, sagte der Geologe Bretwood Higman, der die Schäden vor Ort untersuchte. „Ich fürchte, dass wir künftig nicht noch einmal so viel Glück haben werden.“
Megatsunamis unterscheiden sich von klassischen Tsunamis dadurch, dass sie meist lokal entstehen – etwa durch Erdrutsche oder Felsstürze – und extreme Wellenhöhen erreichen können. Im offenen Ozean verlieren sie allerdings vergleichsweise schnell an Kraft. Der bislang größte bekannte Megatsunami ereignete sich 1958 ebenfalls in Alaska und erreichte mehr als 500 Meter Höhe.
Besonders alarmierend für die Forscher: Sie sehen einen direkten Zusammenhang mit der Erderwärmung. Schmelzende Gletscher destabilisierten zunehmend steile Berghänge. Im Fall des Tracy-Arm-Fjords habe ein zurückweichender Gletscher zuvor das Gestein gestützt. Durch das Abschmelzen sei die Felswand instabil geworden und schließlich kollabiert.
„Diese Risiken nehmen nicht nur leicht zu, sondern massiv“, warnte Higman. Megatsunamis könnten heute zehnmal häufiger auftreten als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Die Region gilt wegen ihrer steilen Fjorde, aktiven Geologie und zahlreicher Gletscher ohnehin als besonders gefährdet. Zugleich zieht die spektakuläre Landschaft immer mehr Touristen an. Einige Kreuzfahrtunternehmen haben inzwischen angekündigt, den Tracy Arm vorerst nicht mehr anzufahren.
Die Wissenschaftler fordern nun deutlich bessere Überwachungssysteme für gefährdete Regionen Alaskas. Denn die Kombination aus Klimawandel, tauendem Eis und wachsendem Tourismus könnte künftig häufiger zu extremen Naturkatastrophen führen.
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