Berlin erlebt offenbar gerade die CDU-Version von „Game of Thrones“ — nur mit weniger Drachen, dafür mehr Spindoktoren und beleidigten Egos. Bei Markus Lanz wurde jetzt genüsslich seziert, was hinter den Gerüchten um einen möglichen Kanzlerersatz durch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst steckt.
Und die wichtigste Erkenntnis des Abends:
In der CDU reicht inzwischen offenbar schon ein etwas zu selbstbewusster Satz im Reisebus nach Polen, um in Berlin kollektiven Ausnahmezustand auszulösen.
Auslöser der ganzen Posse:
Wüst soll auf einer Polenreise beiläufig gesagt haben, dass natürlich auch ein Ministerpräsident aus Nordrhein-Westfalen theoretisch Kanzler werden könne. Ein Satz, den Politiker normalerweise ungefähr dreimal täglich sagen, wenn irgendwo Mikrofone in der Nähe stehen.
Doch diesmal roch die Berliner Gerüchteküche sofort Blut.
Journalistin Helene Bubrowski erklärte bei Lanz, dass gewisse CDU-Strategen darin offenbar direkt die Gelegenheit sahen, Hendrik Wüst als möglichen Kanzler aufzubauen. Und plötzlich flatterte die Geschichte wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Hauptstadt.
Das wirklich Unterhaltsame passierte aber erst danach:
Laut Bubrowski soll Friedrich Merz daraufhin „die Nerven verloren“ haben.
Der Kanzler habe angeblich aus dem Kanzleramt ungewöhnlich scharfe Zitate freigegeben und sich über „wüste Behauptungen“ beklagt. Natürlich konnte sich dabei niemand das Wortspiel mit „Wüst“ verkneifen — nicht einmal Markus Lanz, der begeistert feststellte:
„Der Kanzler hat noch Humor!“
Zumindest solange niemand seinen Stuhl anfasst.
Besonders spektakulär:
Merz soll laut der Darstellung sogar angedeutet haben, dass Wüsts Umfeld mit Methoden arbeite, die an die AfD erinnerten. In CDU-Sprache ist das ungefähr die politische Version von:
„Du bist nicht mehr zu meinem Geburtstag eingeladen.“
Lanz konnte sein Glück kaum fassen:
„Das ist ja eine irre Geschichte!“
Und tatsächlich wirkt das Ganze inzwischen wie eine Mischung aus Kanzleramt, Klassenfahrt und Rosenkrieg.
Während Wüst offiziell gar nichts fordert, diskutieren Journalisten, Berater und Parteistrategen längst begeistert über die nächste Machtfrage. Denn in Berlin gilt bekanntlich:
Wenn irgendwo ein CDU-Politiker zwei Umfragepunkte gewinnt, wird automatisch ein Kanzlersturz herbeigeschrieben.
Am Ende bleibt vor allem ein bemerkenswerter Eindruck:
Die CDU regiert das Land — beschäftigt sich aber gleichzeitig offenbar mit denselben Intrigen wie eine mittelgroße Reality-TV-Show.
Und Markus Lanz sitzt mittendrin und genießt jede Minute davon.
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