Der traditionsreiche Warenhauskonzern Galeria steht erneut vor einem tiefgreifenden Umbau. Zwar konnte sich das Unternehmen mit einem neuen Kredit finanziell Luft verschaffen, doch die eigentliche Botschaft zwischen den Zeilen lautet: Ohne weitere Einschnitte wird es offenbar nicht gehen.
Wieder ist von Standortprüfungen, Mietverhandlungen, Flächenreduzierungen und möglichen Filialschließungen die Rede. Wieder stellt sich die Frage, welche Häuser wirtschaftlich noch eine Zukunft haben.
Auch der Standort Leipzig wird in diesem Zusammenhang diskutiert. Nach derzeitigen Informationen gilt die Filiale zwar nicht als akuter Schließungskandidat und soll nach Angaben aus dem Unternehmen profitabel arbeiten. Dennoch zeigt allein die erneute Debatte, wie fragil die Situation des gesamten Konzerns inzwischen geworden ist.
Doch vielleicht reicht der Blick auf einzelne Filialen gar nicht mehr aus. Viel grundsätzlicher stellt sich die Frage:
Hat sich das klassische Warenhausmodell möglicherweise selbst überlebt?
Über Jahrzehnte war das Warenhaus der Ort, an dem man nahezu alles unter einem Dach kaufen konnte. Heute liefern Online-Händler dieselbe Auswahl oft innerhalb weniger Stunden bis an die Haustür. Einkaufszentren, Fachmärkte und spezialisierte Händler konkurrieren zusätzlich um die Kundschaft.
Damit verliert das ursprüngliche Alleinstellungsmerkmal der großen Warenhäuser zunehmend an Bedeutung.
Viele Experten vertreten deshalb die Auffassung, dass Warenhäuser heute weit mehr bieten müssen als Regale voller Produkte. Veranstaltungen, Gastronomie, Dienstleistungen und Aufenthaltsqualität sollen den Einkauf wieder zum Erlebnis machen. Ob dies dauerhaft ausreicht, um die hohen Kosten großer Innenstadtimmobilien zu tragen, bleibt jedoch offen.
Galeria hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere Insolvenzverfahren, Eigentümerwechsel, Rettungspakete und Sanierungsprogramme erlebt. Jeder Neustart wurde als Wendepunkt angekündigt. Doch kaum schien wieder etwas Ruhe eingekehrt zu sein, folgte die nächste Krise.
Genau deshalb stellt sich inzwischen eine unbequeme Frage:
Wie oft lässt sich ein Geschäftsmodell noch sanieren, bevor man sich eingestehen muss, dass sich die Rahmenbedingungen dauerhaft verändert haben?
Natürlich wäre das Verschwinden weiterer Warenhäuser für viele Innenstädte ein schwerer Verlust. Galeria ist vielerorts Frequenzbringer, Arbeitgeber und Teil des Stadtbildes.
Dennoch darf man eine wirtschaftliche Realität nicht ausblenden. Unternehmen müssen dauerhaft aus eigener Kraft bestehen können. Wenn immer neue Kredite, Rettungsmaßnahmen und Restrukturierungen notwendig werden, stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit.
Vielleicht lautet deshalb die eigentliche Diskussion nicht mehr: Welche Filiale schließt als Nächstes?
Sondern vielmehr:
Hat das klassische Warenhaus seine Zeit gehabt?
Und manchmal muss man sich – so hart es auch klingt – einer noch schwierigeren Frage stellen:
Ist ein Ende mit Schrecken unter Umständen ehrlicher und wirtschaftlich sinnvoller als ein Schrecken ohne Ende
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