Die nächste Runde der Gespräche zwischen den USA und Iran soll nach Angaben aus Teheran bereits am Montag in Pakistan stattfinden. Wie mehrere iranische Quellen gegenüber CNN erklärten, werden Delegationen beider Länder an diesem Wochenende in Pakistan erwartet. Eine offizielle Bestätigung aus Washington gibt es bislang nicht. Doch US-Präsident Donald Trump gab sich am Freitag einmal mehr betont optimistisch. Man sei einem Abkommen „sehr nahe“, ließ er wissen – eine Formulierung, die in der Trump-Ära meist irgendwo zwischen Verhandlungstaktik, Selbstinszenierung und Wunschdenken angesiedelt ist.
Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass sich hinter den Kulissen etwas bewegt. Gleichzeitig zeigt sich, wie fragil die Lage bleibt. Während Trump bei einem Auftritt in Arizona behauptete, „die meisten Punkte“ seien bereits ausgehandelt und vereinbart, widersprach ein hochrangiger iranischer Funktionär wesentlichen Teilen seiner Darstellung. Mehrere Aussagen des US-Präsidenten seien nichts anderes als „alternative Fakten“, hieß es aus iranischen Kreisen. Besonders die Behauptung, Teheran habe bereits zugestimmt, hoch angereichertes Uran außer Landes zu bringen oder die Anreicherung auf unbestimmte Zeit auszusetzen, wurde deutlich zurückgewiesen. Solche öffentlichen Vorgriffe könnten die laufende Diplomatie sogar gefährden, warnte die iranische Seite.
Damit zeigt sich einmal mehr das Grundproblem dieser Verhandlungen: Während Washington bereits vom nahen Durchbruch spricht, bestreitet Teheran teils schon die Voraussetzungen dafür. Trump erklärte am Freitag erneut, ein künftiges Abkommen werde beinhalten, dass die USA die Kontrolle über Irans Nuklearmaterial übernehmen. Vor Anhängern in Phoenix fabulierte er gar davon, Amerika werde den „nuclear dust“ bekommen – ein Begriff, den in der Fachwelt niemand kennt, den Trump aber offenbar für Irans Bestand an hoch angereichertem Uran verwendet. Der Präsident behauptete außerdem, Iran werde mit Hilfe der USA sämtliche Seeminen beseitigen und vor allem zusagen, niemals eine Atomwaffe zu besitzen. In Teheran sorgte das für Kopfschütteln. Ein ranghoher iranischer Vertreter sprach offen davon, dass solche Aussagen die Gespräche zum Scheitern bringen könnten, weil in Teheran der Eindruck entstehe, Washington wolle die Diplomatie womöglich nur benutzen, um Zeit zu gewinnen – und anschließend erneut militärisch zuschlagen.
Hinzu kommt die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte am Freitag erklärt, die für den globalen Ölhandel zentrale Wasserstraße sei für Handelsschiffe wieder geöffnet. Doch in der Praxis blieb der Verkehr minimal. Nur wenige Schiffe passierten die Meerenge. Reedereien und maritime Sicherheitsdienste zögern weiterhin, weil niemand sicher sagen kann, ob die Passage tatsächlich risikolos möglich ist. Selbst innerhalb Irans sorgte die Ankündigung für Verwirrung. Staatsnahe Medien monierten, die Aussage des Außenministers sei unklar oder unvollständig. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf legte später nach und erklärte unmissverständlich: Solange die USA ihre Seeblockade gegen iranische Häfen nicht aufheben, werde die Straße von Hormus nicht offen bleiben. Ob offen oder geschlossen, entscheide sich „vor Ort – nicht in sozialen Medien“, schrieb er auf X.
Auch die amerikanische Militärführung verschärft den Ton. Das US-Zentralkommando erklärte am Freitagabend, seit Beginn der Blockade am 13. April hätten 21 Schiffe auf Anweisung amerikanischer Streitkräfte umgedreht und seien nach Iran zurückgekehrt. Gleichzeitig deutete der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, an, dass die USA auch weit außerhalb des Nahen Ostens gegen iranisch verbundene Tanker vorgehen könnten – ausdrücklich nannte er den Indopazifik. Beobachter halten es für möglich, dass Washington iranische oder sanktionierte Tanker künftig auch in internationalen Gewässern nahe der Straße von Malakka oder im Indischen Ozean abfangen könnte. Das wäre eine deutliche Ausweitung des Konflikts auf den globalen Seehandel.
Trotzdem reagierten die Märkte am Freitag mit Erleichterung. Der Ölpreis fiel deutlich, nachdem Iran die Wiederöffnung der Straße von Hormus verkündet hatte. Gleichzeitig legten die US-Börsen kräftig zu. Der S&P 500 markierte den dritten Rekordtag in Folge, der Nasdaq setzte seine längste Gewinnserie seit 1992 fort. Die Finanzmärkte handeln damit einmal mehr Hoffnung – obwohl die Faktenlage alles andere als stabil ist. Denn auch die angebliche Öffnung von Hormus bleibt an Bedingungen geknüpft. Iran spricht von „koordinierten Routen“, faktisch also von kontrollierten Korridoren, und behält sich vor, die Passage jederzeit wieder einzuschränken.
Parallel dazu scheint die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon vorerst zu halten. Die auf zehn Tage befristete Feuerpause ist zwar bereits in den ersten 24 Stunden von gegenseitigen Vorwürfen überschattet worden. Der Libanon wirft Israel mehrere Verstöße vor. Dennoch ist die Waffenruhe politisch bedeutsam, weil genau dieser Konflikt zuletzt zu einem zentralen Streitpunkt in den Gesprächen zwischen Washington und Teheran geworden war. Iran hatte immer wieder signalisiert, Fortschritte mit den USA seien kaum denkbar, solange der Kriegsschauplatz Libanon weiter eskaliert. Dass dort nun zumindest vorübergehend Ruhe eingekehrt ist, könnte tatsächlich Bewegung in die Verhandlungen bringen.
Ob daraus ein Durchbruch wird, bleibt allerdings völlig offen. Noch ist nicht einmal sicher, ob das Treffen in Pakistan tatsächlich wie angekündigt zustande kommt. Und selbst wenn: Die Liste der offenen Punkte ist lang. Irans Atomprogramm, die Zukunft der Straße von Hormus, die US-Blockade, Sanktionen, regionale Stellvertreterkonflikte – all das ist weit davon entfernt, gelöst zu sein. Der Eindruck drängt sich auf, dass sich derzeit vor allem eines überlagert: ein kurzer Moment diplomatischer Gelegenheit – und die permanente Gefahr, dass er im nächsten öffentlichen Auftritt Donald Trumps schon wieder verspielt wird.
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