Nach Monaten gegenseitiger Drohungen, Luftschläge, Raketenangriffe und täglicher Versicherungen, dass die jeweils andere Seite „niemals verhandlungsbereit“ sei, stehen die USA und der Iran offenbar kurz vor einem Friedensabkommen. Oder zumindest kurz davor, sich darauf zu einigen, dass man sich vielleicht bald einigen könnte.
Irans Außenminister Abbas Araghchi sprach bereits von einem historischen Durchbruch. Das Abkommen sei „zum Greifen nah“. Ein Satz, der in Nahost-Verhandlungen traditionell bedeutet, dass man entweder kurz vor der Unterschrift steht oder kurz vor der nächsten Krise.
Auch in Washington verbreitet man Zuversicht. Die Chancen für eine Einigung lägen bei 80 bis 85 Prozent. Die restlichen 15 bis 20 Prozent bestehen vermutlich aus jahrzehntelangem Misstrauen, geopolitischen Interessen, innenpolitischem Druck und einigen tausend offenen Streitpunkten.
Kern des geplanten Memorandums: Die Straße von Hormus soll wieder geöffnet werden, die USA wollen ihre Blockade lockern, und das iranische Atomprogramm soll später Gegenstand weiterer Gespräche werden. Mit anderen Worten: Man einigt sich zunächst darauf, dass man sich später über die wirklich schwierigen Themen streiten wird.
Besonders bemerkenswert ist der neue Ansatz der US-Regierung. Vertrauen spiele keine Rolle mehr, heißt es aus Washington. Stattdessen gelte das Prinzip „Leistung gegen Leistung“. Übersetzt: Man glaubt dem Iran nichts, der Iran glaubt den USA nichts, aber beide glauben an schriftliche Vereinbarungen mit möglichst vielen Kontrollmechanismen.
Auch Pakistan darf sich als Vermittler feiern. Premierminister Shehbaz Sharif verkündete bereits stolz, der Text sei fertig abgestimmt. Nun müsse nur noch geklärt werden, ob alle Beteiligten denselben Text gelesen haben.
Für zusätzlichen Optimismus sorgt die Tatsache, dass die Vereinbarung bereits mehrfach als praktisch abgeschlossen galt – und anschließend doch wieder auseinanderfiel. Diesmal soll allerdings alles anders sein. Das behaupten zumindest dieselben Leute, die das auch bei den letzten Anläufen erklärt haben.
Der Iran betont derweil besonders den ersten Punkt des Dokuments: die Aufhebung der amerikanischen Blockade. Bei der Straße von Hormus kündigte Teheran zudem an, dass künftig „nicht mehr alles so sein werde wie früher“. Das dürfte Reedereien und Versicherungen ungefähr genauso beruhigen wie die Ankündigung eines Vulkans, künftig etwas unberechenbarer zu werden.
Israel sitzt bei den Gesprächen nicht mit am Tisch, verfolgt die Entwicklungen aber aufmerksam. In Jerusalem dürfte man sich fragen, ob das geplante Abkommen tatsächlich Frieden bringt oder lediglich die nächste Runde diplomatischer Überraschungen vorbereitet.
Bleibt die Erkenntnis: Nach Monaten des Krieges, der Eskalation und gegenseitiger Beschuldigungen scheint erstmals wieder Bewegung in die Sache zu kommen. Ob daraus echter Frieden entsteht oder nur eine besonders elegante Feuerpause, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.
Immerhin herrscht auf allen Seiten vorsichtiger Optimismus. Und in internationalen Konflikten ist das bekanntlich die diplomatische Umschreibung für: „Bitte diesmal nicht schon wieder alles in letzter Minute kaputtmachen.“
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