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Frankreich schützt Kinder vor Social Media – Deutschland sollte endlich nachziehen

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Frankreich geht beim Schutz von Kindern und Jugendlichen einen wichtigen Schritt voran: Künftig dürfen unter 15-Jährige keine eigenen Konten mehr in sozialen Netzwerken nutzen. Das Gesetz soll bereits nach den Sommerferien greifen und verpflichtet vor allem die Plattformbetreiber, das Alter ihrer Nutzer zuverlässig zu überprüfen.

Das ist richtig und längst überfällig. Kinder müssen vor den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen einer zu frühen und oft unkontrollierten Nutzung sozialer Medien besser geschützt werden. Dazu gehören Abhängigkeit, Schlafstörungen, Cybermobbing, psychischer Druck, unrealistische Schönheitsideale sowie ein erhöhtes Risiko für Ängste und Depressionen.

Frankreich überträgt die Verantwortung dabei nicht den Kindern oder ihren Eltern allein. Die Plattformen müssen sicherstellen, dass Minderjährige die vorgeschriebene Altersgrenze einhalten. Für bestehende Konten soll eine Übergangsfrist bis Anfang 2027 gelten. Danach sollen auch diese Profile geschlossen werden, sofern ihre Nutzer jünger als 15 Jahre sind.

Gleichzeitig wird das Handyverbot an französischen Schulen ausgeweitet. Es soll künftig nicht mehr nur in Grund- und Mittelschulen, sondern auch in höheren Schulstufen gelten. Damit setzt Frankreich ein klares Zeichen: Schulen sollen Orte des Lernens, des persönlichen Austauschs und der Konzentration sein – nicht dauerhafte Verlängerungen von TikTok, Instagram und anderen Plattformen.

Ausnahmen sind für Bildungsangebote, Onlinelexika und bestimmte Funktionen von Diensten wie YouTube und WhatsApp vorgesehen. Das reine Anschauen von Videos oder die persönliche Kommunikation sollen nicht grundsätzlich verboten werden. Alterskontrollen sollen vor allem dort greifen, wo öffentliche Profile, Kommentarbereiche und das Teilen von Inhalten typische Funktionen sozialer Netzwerke übernehmen.

Natürlich wird der Erfolg des Gesetzes davon abhängen, wie konsequent die Altersprüfung umgesetzt wird. Die Erfahrungen aus Australien zeigen, dass einfache Selbstauskünfte nicht ausreichen. Wenn Kinder lediglich ein falsches Geburtsdatum eingeben oder ein fremdes Foto verwenden können, bleibt ein Verbot weitgehend wirkungslos. Deshalb müssen wirksame Kontrollen und spürbare Sanktionen für Plattformen Teil jeder Regelung sein.

Deutschland sollte dem französischen Beispiel folgen und eine verbindliche Altersgrenze für soziale Netzwerke einführen. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Plattformen haben bisher nicht ausgereicht. Eltern können die Verantwortung ebenfalls nicht allein tragen, wenn internationale Technologiekonzerne ihre Angebote gezielt darauf ausrichten, Nutzer möglichst lange zu binden.

Ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige wäre kein Angriff auf Freiheit oder technischen Fortschritt. Es wäre eine notwendige Schutzmaßnahme – vergleichbar mit Altersgrenzen für Alkohol, Glücksspiel oder andere Angebote, deren Risiken Kinder noch nicht vollständig einschätzen können.

Deutschland sollte deshalb nicht länger auf eine irgendwann kommende europäische Lösung warten. Die Bundesregierung muss handeln, klare Regeln schaffen und die Plattformen technisch wie rechtlich in die Verantwortung nehmen.

Frankreich zeigt, dass politischer Wille vorhanden sein kann. Deutschland sollte jetzt nachziehen – nicht erst dann, wenn eine weitere Generation die Folgen ungebremster Social-Media-Nutzung bereits tragen muss.

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