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Frankreich schaltet Atomreaktoren ab – ausgerechnet wegen zu viel Wärme

intetzlaff (CC0), Pixabay
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Frankreich hat am Sonntag drei Atomreaktoren vorübergehend abgeschaltet und sieben weitere gedrosselt. Der Grund: Es ist zu heiß.

Damit zeigt sich erneut das bekannte Energieproblem des 21. Jahrhunderts: Die Kraftwerke sollen Strom gegen die Folgen der Hitze liefern, dürfen dabei aber nicht so viel Wärme erzeugen, dass sie die Folgen der Hitze noch weiter erhitzen.

Frankreich erlebt derzeit bereits die dritte Hitzewelle innerhalb von zwei Monaten. Der Sommer arbeitet offenbar im Schichtbetrieb.

Flüsse können nicht noch wärmer werden

Betroffen waren Reaktoren in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhône und in Chooz an der Maas. Nach Angaben des Betreibers EDF wurden sie abgeschaltet, um die Vorschriften für die Einleitung von Kühlwasser einzuhalten und damit die Umwelt zu schützen.

Das Problem ist einfach erklärt: Atomkraftwerke benötigen große Mengen Wasser zur Kühlung. Dieses Wasser wird anschließend erwärmt in Flüsse oder ins Meer zurückgeleitet.

Normalerweise nennt man das Energieerzeugung. Während einer Hitzewelle könnte man es auch als unerwünschte Flussheizung bezeichnen.

Da die Flüsse bereits ungewöhnlich warm sind, darf nicht unbegrenzt zusätzliches heißes Wasser eingeleitet werden. Die französische Atomaufsicht legt deshalb Temperaturgrenzen fest. Werden sie erreicht, müssen die Reaktoren ihre Leistung reduzieren oder ganz abgeschaltet werden.

Der Atomstrom gilt damit weiterhin als weitgehend wetterunabhängig – solange das Wetter mitspielt.

Sieben Reaktoren auf Sparflamme

Neben den drei Abschaltungen wurden sechs weitere Reaktoren gedrosselt. Ein siebter lief zeitweise ebenfalls mit verringerter Leistung, konnte am späten Nachmittag aber wieder normal betrieben werden.

Frankreich verfügt insgesamt über 57 Atomreaktoren. Sie produzieren rund 70 Prozent des Stroms des Landes. Sämtliche Anlagen stehen an Flüssen oder am Meer, weil selbst hochmoderne Kerntechnik am Ende vor allem eines benötigt: ausreichend kaltes Wasser.

Bereits während der zweiten Hitzewelle im Juni hatte EDF die Leistung mehrerer Reaktoren reduzieren müssen. Nun folgt die dritte Hitzewelle – vermutlich, damit sich niemand an die zweite gewöhnt.

Höchste Warnstufe für 26 Millionen Menschen

Für rund 26 Millionen Menschen in 37 französischen Departements galt am Sonntag die höchste Hitzewarnstufe. Fast überall lagen die Temperaturen deutlich über 30 Grad, stellenweise wurden rund 40 Grad erreicht.

In Paris schlossen der Eiffelturm und das Louvre-Museum bereits am Nachmittag. Offenbar wollte man vermeiden, dass die Mona Lisa irgendwann doch noch sichtbar ins Schwitzen gerät.

Auch der traditionelle Ball der Feuerwehrleute wurde abgesagt. Das erscheint angesichts erhöhter Brandgefahr zwar vernünftig, ist aber dennoch bemerkenswert: Wenn sogar die Feuerwehr ihre eigene Feier wegen Feuergefahr absagt, hat der Sommer die Lage offenbar ausreichend deutlich erklärt.

Sportveranstaltungen im Freien und in nicht klimatisierten Räumen wurden ebenfalls gestrichen. Frankreich reagiert damit konsequent auf die Hitze: Wer sich nicht bewegen muss, soll es besser lassen.

Tour de France erstmals wegen Hitze verkürzt

Auch die Tour de France blieb nicht verschont. Erstmals in ihrer Geschichte wurde eine Etappe wegen der Hitze verkürzt. Von den ursprünglich geplanten 185,5 Kilometern wurden 30 Kilometer gestrichen.

Die Fahrer mussten somit nur noch rund 155 Kilometer bei extremer Hitze durch das Zentralmassiv fahren. Der Radsport bewies damit erneut seine besondere Vorstellung von Arbeitsschutz.

Der internationale Radprofiverband CPA fordert nun angepasste Startzeiten für Rennen in den Sommermonaten. Spätestens vor der Saison 2027 müsse eine Lösung gefunden werden, um die Wettbewerbe an die „klimatischen Realitäten“ anzupassen.

Bis dahin besteht die Strategie offenbar darin, schneller zu fahren, bevor es noch heißer wird.

Nationalfeiertag ohne Feuerwerk

Wegen der Trockenheit und der erhöhten Waldbrandgefahr wurde in zahlreichen Städten auch das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag abgesagt.

Das ist insofern nachvollziehbar, als Frankreich seit Jahresbeginn bereits mehr als 25.000 Hektar Wald durch Brände verloren hat – mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die Behörden kamen deshalb zu dem ungewöhnlichen Ergebnis, dass es möglicherweise keine gute Idee ist, in einer ausgetrockneten Landschaft ausgerechnet explosive Gegenstände in den Himmel zu schießen.

Klimawandel trifft auf Kraftwerksplanung

Einzelne Hitzewellen lassen sich nicht ausschließlich auf eine einzige Ursache zurückführen. Der Weltklimarat weist jedoch seit Jahren darauf hin, dass Hitzeperioden, Dürren, Starkregen und andere Extremwetterereignisse durch die Klimakrise häufiger und intensiver werden.

Frankreich steht damit vor einem Problem, das auch andere Länder betrifft: Der Strombedarf steigt während großer Hitze, weil Klimaanlagen, Kühlgeräte und Infrastruktur stärker beansprucht werden. Gleichzeitig können Kraftwerke weniger Strom produzieren, weil das zur Kühlung benötigte Wasser bereits zu warm ist.

Die Energieversorgung der Zukunft könnte daher nach einem neuen Grundsatz funktionieren: Bei Hitze brauchen wir besonders viel Strom – leider können wir ihn dann teilweise nicht herstellen, weil es zu heiß ist.

Oder anders gesagt: Die Klimakrise hat inzwischen begonnen, nicht nur über Energiepolitik diskutieren zu lassen, sondern selbst aktiv daran teilzunehmen.

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