Startseite Allgemeines Finanzplatz Liechtenstein 2026: Wachstum trotz globaler Krisen – Banken verwalten mehr als eine halbe Billion Franken
Allgemeines

Finanzplatz Liechtenstein 2026: Wachstum trotz globaler Krisen – Banken verwalten mehr als eine halbe Billion Franken

jorono (CC0), Pixabay
Teilen

Der Finanzplatz Liechtenstein bleibt auch im Jahr 2025 auf Wachstumskurs. Obwohl geopolitische Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten und ein schwaches globales Wachstum die internationalen Finanzmärkte belasteten, konnte das Fürstentum seine Position als internationaler Vermögensverwaltungsstandort weiter ausbauen. Das geht aus der aktuellen Broschüre „Finanzplatz Liechtenstein – Ausgabe 2026“ der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) hervor.

Finanzplatz bleibt zweite Säule der Wirtschaft

Nach der Industrie ist der Finanzsektor weiterhin der zweitwichtigste Wirtschaftszweig Liechtensteins. Banken, Versicherungen, Fonds, Vermögensverwalter und Treuhänder tragen gemeinsam rund 19 Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei. Gleichzeitig arbeitet nahezu jeder fünfte Beschäftigte im Finanzbereich oder in den dazugehörigen Rechts- und Steuerberatungsberufen.

Der Finanzplatz profitiert dabei von einer besonderen Kombination aus Stabilität und internationalem Zugang. Als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben liechtensteinische Finanzdienstleister freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Gleichzeitig bestehen enge wirtschaftliche Beziehungen zur Schweiz einschließlich der Nutzung des Schweizer Frankens als Landeswährung.

Mehr als 538 Milliarden Franken Kundenvermögen

Besonders stark entwickelte sich erneut der Bankensektor. Ende 2025 verwalteten die elf liechtensteinischen Banken – einschließlich ihrer ausländischen Tochtergesellschaften – Kundenvermögen von insgesamt 538 Milliarden Schweizer Franken. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von rund 6,8 Prozent. Hauptursachen waren ein anhaltender Zufluss neuer Kundengelder sowie positive Entwicklungen an den Kapitalmärkten.

Von diesem Gesamtvermögen entfallen knapp 239,5 Milliarden Franken direkt auf die Banken in Liechtenstein. Der Nettozufluss neuer Gelder belief sich allein im Jahr 2025 auf rund 27,1 Milliarden Franken, davon 13,1 Milliarden Franken im Inland. Auch die Ertragslage verbesserte sich deutlich. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg von 718,5 Millionen Franken auf 857,7 Millionen Franken und damit um fast 20 Prozent.

Banken bleiben finanziell äußerst solide

Ein weiteres Merkmal des Finanzplatzes ist die hohe Stabilität der Banken. Die Eigenkapitalquote (CET1) lag Ende 2025 auf konsolidierter Ebene bei 19,9 Prozent, während die Liquiditätskennzahlen weiterhin deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen lagen. Damit verfügen die Banken über erhebliche finanzielle Reserven, um wirtschaftliche Belastungen aufzufangen.

Allerdings weist die FMA auch auf steigende Kosten hin. Das sogenannte Cost-Income-Ratio – also das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag – verschlechterte sich bei den einzelnen Banken gegenüber dem Vorjahr von 65,7 auf 72,5 Prozent. Das bedeutet, dass für die Erwirtschaftung eines Frankens Ertrag mehr Kosten entstehen als noch ein Jahr zuvor.

Vermögensverwalter gewinnen neue Kunden

Auch die Vermögensverwaltung entwickelte sich positiv. Die 89 zugelassenen Vermögensverwaltungsgesellschaften verwalteten Ende 2025 Vermögen in Höhe von 57,7 Milliarden Franken. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Wachstum von 6,5 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kundenbeziehungen auf 11.723 – ein Plus von mehr als zehn Prozent. Rund 89 Prozent der Kunden stammen aus dem Privatkundengeschäft.

Die Vermögensverwalter dürfen Kundengelder zwar beraten und verwalten, diese jedoch nicht selbst verwahren. Ein Großteil der verwalteten Vermögen liegt deshalb bei liechtensteinischen Banken.

Fondsbranche verwaltet fast 120 Milliarden Franken

Auch der Fondsstandort bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber. Ende 2025 waren in Liechtenstein 817 Investmentfonds zugelassen. Das verwaltete Fondsvermögen stieg auf 119,9 Milliarden Franken. Trotz eines leichten Rückgangs bei der Anzahl der Fonds nahm das gesamte Vermögen weiter zu.

Besonders attraktiv ist Liechtenstein für internationale Fondsanbieter, weil Produkte über den europäischen Pass problemlos in den gesamten EWR vertrieben werden können. Gleichzeitig wächst auch die Zahl ausländischer Fonds mit Vertriebszulassung in Liechtenstein kontinuierlich.

Versicherungen mit rückläufigen Prämieneinnahmen

Nicht alle Bereiche entwickelten sich gleichermaßen positiv. Die 30 Versicherungsunternehmen verzeichneten 2025 sinkende Prämieneinnahmen. Insgesamt beliefen sich diese auf 4,90 Milliarden Franken. Etwa die Hälfte entfiel auf Lebensversicherungen, die andere Hälfte auf Schadenversicherungen. Rückversicherungen spielen mit rund 30 Millionen Franken nur eine untergeordnete Rolle.

Dennoch bleibt die Branche finanziell sehr stabil. Die Versicherer verfügen über eine Solvenzquote von 189 Prozent. Das bedeutet, dass sie nahezu doppelt so viel Eigenkapital vorhalten, wie gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Bilanzsumme der Unternehmen liegt bei 22,9 Milliarden Franken.

Pensionskassen sichern Milliardenvermögen

Auch die betriebliche Altersvorsorge spielt in Liechtenstein eine wichtige Rolle. Die 15 Pensionskassen verwalteten Vermögen von rund 9,2 Milliarden Franken und betreuten mehr als 44.000 Versicherte. Der durchschnittliche Deckungsgrad lag mit 113,3 Prozent deutlich über der vollständigen Finanzierung. Zusätzlich existieren drei grenzüberschreitend tätige Pensionsfonds.

Treuhänder bleiben wichtiger Bestandteil

Der Treuhandsektor gehört traditionell zu den Stärken des Finanzplatzes. Ende 2025 waren 121 Treuhänder sowie 226 Treuhandgesellschaften zugelassen. Ihre Aufgaben reichen von Unternehmensgründungen über Steuerberatung bis hin zur Verwaltung von Stiftungen und Gesellschaften.

Hohe Regulierung und internationale Anerkennung

Die FMA betont, dass der Finanzplatz auf hohen internationalen Standards basiert. Als EWR-Mitglied übernimmt Liechtenstein die europäischen Finanzmarktregeln und setzt internationale Vorgaben zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung sowie zum Steuerdatenaustausch konsequent um. Gleichzeitig profitiert das Land von seinem AAA-Rating und einer stabilen politischen sowie wirtschaftlichen Lage.

Fazit

Die aktuelle FMA-Broschüre zeigt, dass sich der Finanzplatz Liechtenstein trotz schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen robust entwickelt. Vor allem Banken, Vermögensverwalter und der Fondssektor konnten ihre verwalteten Vermögen erneut deutlich steigern. Zwar stehen einzelne Bereiche – etwa die Versicherungswirtschaft oder die Kostenentwicklung der Banken – unter Druck, insgesamt präsentiert sich der Finanzplatz jedoch weiterhin als stabiler, international ausgerichteter Vermögensstandort mit hoher Kapitalausstattung und starker Regulierung.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

RB Leipzig Fan kommentiert

Endlich mal Erfahrung statt nur Talente? RB soll an Nadiem Amiri dran...

Allgemeines

WhatsApp führt Benutzernamen ein – Chats künftig auch ohne Telefonnummer möglich

WhatsApp führt eine der größten Änderungen seit Jahren ein: Künftig können Nutzer...

Allgemeines

Zusammenfassung: Sechs wissenschaftlich fundierte Wege, damit wählerische Kinder mehr Gemüse essen

Ein abwechslungsreicher Speiseplan mit viel Gemüse ist wichtig für die körperliche und...

Allgemeines

Vorläufiges Insolvenzverfahren über BoardingRO GmbH & Co. KG angeordnet (Az. 610 IN 254/26)

Das Amtsgericht Rosenheim hat im Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der BoardingRO GmbH...