WhatsApp führt eine der größten Änderungen seit Jahren ein: Künftig können Nutzer miteinander chatten, ohne ihre Telefonnummer preisgeben zu müssen. Stattdessen sollen eindeutige Benutzernamen (Usernames) den Kontakt ermöglichen. Die neue Funktion wird in den kommenden Monaten schrittweise für alle rund drei Milliarden WhatsApp-Nutzer weltweit eingeführt.
Mehr Privatsphäre für Nutzer
Bisher war für einen Kontakt über WhatsApp grundsätzlich die Telefonnummer erforderlich. Mit der Einführung von Benutzernamen soll sich das ändern.
Nutzer können künftig einen individuellen Namen wählen und diesen mit anderen teilen. Wer den Benutzernamen kennt, kann einen Chat starten, ohne die eigentliche Telefonnummer zu sehen.
Nach Angaben von WhatsApp soll diese Funktion vor allem den Datenschutz verbessern. Besonders in Gruppen oder bei neuen Kontakten möchten viele Menschen ihre private Mobilnummer nicht weitergeben.
Reservierung startet schrittweise
Bereits jetzt beginnt WhatsApp damit, die Möglichkeit zur Reservierung eines Benutzernamens freizuschalten. Die Einführung erfolgt jedoch schrittweise, weshalb die Funktion zunächst nicht bei allen Nutzern verfügbar sein wird.
Sobald die Option bereitsteht, kann der Benutzername direkt in den Kontoeinstellungen der Smartphone-App reserviert werden. Über WhatsApp Web oder die Desktop-Version ist dies zunächst nicht möglich.
Die Nutzung eines Benutzernamens bleibt freiwillig. Nutzer können ihn jederzeit ändern oder wieder löschen.
Bis zu 35 Zeichen möglich
Die Benutzernamen dürfen maximal 35 Zeichen lang sein. Größere Einschränkungen gibt es laut WhatsApp nicht.
Lediglich besonders bekannte Namen prominenter Persönlichkeiten oder offizieller Stellen sollen geschützt werden, damit sich niemand als diese Personen ausgeben kann.
Einheitliche Namen für Unternehmen und Creator
Für Unternehmen, Organisationen und Creator wird es möglich sein, den gleichen Benutzernamen zu verwenden, den sie bereits auf Instagram oder Facebook besitzen.
Private Nutzer können ihre Benutzernamen ebenfalls mit anderen Meta-Diensten abgleichen. Dafür müssen sie ihre Konten allerdings über das sogenannte Accounts Center miteinander verknüpfen. Dabei werden bestimmte Kontoinformationen zwischen den Meta-Diensten geteilt.
Telefonnummer bleibt weiterhin notwendig
Auch wenn künftig nur noch der Benutzername sichtbar sein kann, verschwindet die Telefonnummer nicht vollständig.
Für die Registrierung eines WhatsApp-Kontos bleibt weiterhin eine Mobilfunknummer erforderlich. Außerdem wird es kein öffentliches Verzeichnis aller Benutzernamen geben.
Schutz vor Betrug soll bestehen bleiben
Mit der Einführung der Benutzernamen befürchten einige Nutzer einen Anstieg von Betrugsversuchen oder Identitätsmissbrauch.
WhatsApp erklärt, dass mehrere Sicherheitsmechanismen zum Einsatz kommen. Nutzer können weiterhin Kontakte blockieren oder melden.
Zusätzlich arbeitet das Unternehmen mit automatischen Systemen, die verdächtige Aktivitäten erkennen und Missbrauch verhindern sollen.
Optional sollen sogenannte Username-Keys eingeführt werden. Dabei handelt es sich um kurze Zahlenkombinationen, die zusätzlich zum Benutzernamen benötigt werden können, um Kontakt aufzunehmen. Dadurch soll verhindert werden, dass Unbekannte allein mit einem Benutzernamen Nachrichten versenden.
Datenschutz bleibt umstritten
Datenschutzexperten begrüßen grundsätzlich die Möglichkeit, die eigene Telefonnummer besser zu schützen. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass WhatsApp trotz Ende-zu-Ende-Verschlüsselung weiterhin zahlreiche Metadaten verarbeitet.
Nach Angaben von Meta werden Inhalte privater Chats zwar nicht für Werbezwecke ausgewertet. Allerdings nutzt das Unternehmen weiterhin Informationen wie allgemeine Standortdaten oder Kontoinformationen, um seine Werbeplattformen zu unterstützen.
Signal war Vorreiter
Mit der Einführung von Benutzernamen folgt WhatsApp einem Konzept, das der Messenger Signal bereits im Jahr 2024 eingeführt hatte. Dort können Nutzer ebenfalls kommunizieren, ohne ihre Telefonnummer offenlegen zu müssen.
Fazit
Die Einführung von Benutzernamen dürfte den Umgang mit WhatsApp deutlich verändern. Vor allem für Menschen, die häufig in Gruppen kommunizieren oder neue Kontakte knüpfen, bietet die Funktion einen zusätzlichen Schutz der Privatsphäre. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie effektiv die angekündigten Sicherheitsmaßnahmen gegen Betrugsversuche und Identitätsmissbrauch in der Praxis funktionieren.
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