Die FDP hat wieder einmal eine Idee, die selbst langjährige Politikbeobachter kurz innehalten lässt. Das feste Renteneintrittsalter soll weg. Stattdessen soll jeder selbst entscheiden können, wann Schluss ist – natürlich mit entsprechenden Auswirkungen auf die Rentenhöhe.
Klingt zunächst nach Freiheit.
Könnte aber auch dazu führen, dass Deutschlands neue Lieblingsfrage künftig lautet:
„Und, hast du deinen Kann-ich-noch-arbeiten-TÜV schon bestanden?“
Arbeiten bis der Arzt kommt – oder der TÜV-Prüfer
Bislang war die Sache einfach.
Mit einem bestimmten Alter rückte die Rente näher.
Künftig könnte das deutlich flexibler werden.
Wer fit ist, arbeitet weiter.
Wer früher aufhört, bekommt weniger Geld.
Wer länger arbeitet, bekommt mehr.
Und wer mit 87 noch im Büro sitzt, erhält vermutlich einen Ehrenparkplatz und eine persönliche Gratulation des Finanzministers.
Der neue Rentenbescheid
Stellen wir uns den Brief im Jahr 2040 vor:
Sehr geehrter Herr Müller,
nach Auswertung Ihrer Knie, Ihres Blutdrucks, Ihrer Reaktionszeit und Ihrer Fähigkeit, ohne fremde Hilfe eine PDF-Datei zu öffnen, dürfen Sie noch weitere zwölf Jahre arbeiten.
Herzlichen Glückwunsch.
Ihr Renten-TÜV.
Die Generation Excel
Besonders profitieren dürften Menschen, die ohnehin nicht wissen, was sie ohne Arbeit anfangen sollen.
Man kennt sie.
Die Kollegen, die mit 72 immer noch freiwillig um 6 Uhr morgens im Büro erscheinen und den jüngeren Mitarbeitern erklären, wie man einen Faxbericht korrekt abheftet.
Für diese Gruppe eröffnet sich nun eine glänzende Zukunft.
„Rente? Wofür?“
Deutschlands neue Hauptuntersuchung
Natürlich wird man irgendwann prüfen müssen, ob jemand noch arbeitsfähig ist.
Und da Deutschland alles liebt, was mit Prüfungen zu tun hat, könnte daraus schnell eine neue Behörde entstehen:
Bundesamt für berufliche Verkehrssicherheit älterer Arbeitnehmer.
Dort wird dann kontrolliert:
- Kann die Person noch eine Excel-Tabelle öffnen?
- Erkennt sie den Unterschied zwischen „Antworten“ und „Allen antworten“?
- Weiß sie, wie man Teams beendet?
Wer besteht, erhält eine neue Plakette.
Wer durchfällt, darf endlich in den Ruhestand.
Bürokratie abbauen – natürlich mit neuen Formularen
Gleichzeitig verspricht die FDP weniger Bürokratie.
Das ist erfreulich.
Denn zur Beantragung des flexiblen Renteneintritts wird man vermutlich nur folgende Unterlagen benötigen:
- Formular R-17a
- Formular R-17b
- Nachweis der Belastbarkeit
- Bescheinigung über die Fähigkeit zum selbstständigen Treppensteigen
- Zwei biometrische Passbilder
- Eine aktuelle Schufa-Auskunft
- Einen Nachweis, dass man noch weiß, wer Bundeskanzler ist
Der Traum der Arbeitgeber
Manche Unternehmen dürften begeistert sein.
Endlich können sie mit Stellenanzeigen werben wie:
„Wir suchen Auszubildende, Berufseinsteiger und fitte 89-Jährige.“
Fachkräftemangel? Gelöst.
Fazit
Die FDP verkauft die Idee als mehr Freiheit.
Kritiker sehen die Gefahr, dass viele Menschen aus finanziellen Gründen immer länger arbeiten müssen.
Fest steht:
Sollte das Modell eines Tages kommen, wird Deutschland wahrscheinlich das erste Land der Welt sein, in dem Senioren nicht mehr gefragt werden:
„Wann gehst du in Rente?“
Sondern:
„Wann ist eigentlich dein nächster Kann-ich-noch-arbeiten-TÜV?
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