Hinter der Drohung steht nach Angaben der EVG eine Entwicklung, die viele Beschäftigte längst als untragbar empfinden. Körperliche Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen gehören demnach zunehmend zum Arbeitsalltag von Zugbegleitern und anderem Bahnpersonal. Gewerkschaftschef Martin Burkert bezeichnete die angekündigten Maßnahmen als „Hilferuf“ der Beschäftigten.
Dienstpläne könnten blockiert werden
Die EVG setzt dabei nicht auf einen klassischen politischen Streik. Burkert betont vielmehr, dass Betriebsräte Dienstplänen ihre Zustimmung verweigern könnten, wenn sie die Sicherheit der Beschäftigten nicht ausreichend gewährleistet sehen.
Praktisch hätte das dennoch weitreichende Folgen. Können Schichten nicht besetzt werden, bleiben Züge stehen. Besonders im Regionalverkehr könnten dadurch zahlreiche Verbindungen ausfallen.
Die Gewerkschaft hält dieses Vorgehen nach den Aussagen ihres Vorsitzenden für rechtlich abgesichert. Zugleich macht sie deutlich, dass sie den Schritt nur dann gehen will, wenn die Politik bis Ende des Jahres keine spürbaren Verbesserungen erreicht.
Fünf bis acht Übergriffe pro Tag
Die EVG begründet ihre Forderungen mit einer wachsenden Zahl von Angriffen. Im ersten Halbjahr 2026 sollen Körperverletzungen und verbale Attacken erneut zugenommen haben.
Nach Angaben Burkerts kommt es täglich zu fünf bis acht Übergriffen auf Bahnbeschäftigte. Eine Umfrage unter mehr als 4.000 Beschäftigten habe zudem ergeben, dass 83 Prozent bereits körperlich oder verbal angegriffen worden seien.
Für die Gewerkschaft ist damit eine Grenze erreicht. Ein halbes Jahr nach einem Sicherheitsgipfel sei politisch zu wenig passiert.
EVG fordert härtere Strafen und mehr Bundespolizei
Die Gewerkschaft verlangt mehrere konkrete Maßnahmen. Dazu gehören härtere Strafen für Angriffe auf Bahnpersonal. Die EVG will erreichen, dass Übergriffe auf Zugbegleiter und andere Beschäftigte ähnlich behandelt werden wie Angriffe auf Polizisten oder Feuerwehrleute.
Zudem fordert sie mehr Bundespolizei in Fernverkehrszügen und auf Bahnhöfen. Ein weiterer Punkt betrifft Bodycams: Tonaufzeichnungen sollen nach dem Willen der Gewerkschaft rechtssicher nutzbar sein und vor Gericht verwertet werden können.
Gewalt gegen Bahnpersonal wird zum politischen Thema
Die Debatte gewinnt auch deshalb an Schärfe, weil es zuletzt besonders schwere Vorfälle gegeben hat. Die EVG verweist darauf, dass Beschäftigte bei Kontrollen und Konflikten im Zug immer häufiger mit massiver Aggression konfrontiert würden.
Für viele Mitarbeiter geht es daher nicht mehr nur um unangenehme Situationen, sondern um die Frage, ob sie ihre Schicht ohne Angst vor körperlichen Angriffen absolvieren können.
Mögliche Folgen für Fahrgäste
Sollte die EVG ihre Ankündigung umsetzen und Betriebsräte Dienstpläne ablehnen, wären die Auswirkungen für Reisende unmittelbar spürbar. Anders als bei einem angekündigten Streik könnten die Ausfälle aus betrieblichen Gründen entstehen und zahlreiche einzelne Verbindungen treffen.
Damit würde der Sicherheitskonflikt zwischen Gewerkschaft, Bahnunternehmen und Politik direkt im Alltag der Fahrgäste ankommen.
Gewerkschaft setzt Frist bis Jahresende
Noch handelt es sich um eine Drohung, nicht um eine bereits beschlossene bundesweite Maßnahme. Die EVG setzt der Politik jedoch faktisch eine Frist bis zum Jahresende.
Bis dahin erwartet sie sichtbare Fortschritte beim Schutz des Bahnpersonals. Bleiben diese aus, könnte der Konflikt ab Januar 2027 deutlich eskalieren.
Fazit
Die Ankündigung der EVG zeigt, wie ernst die Lage aus Sicht der Beschäftigten geworden ist. Der Konflikt dreht sich längst nicht mehr nur um Arbeitsbedingungen, sondern um Sicherheit am Arbeitsplatz.
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