Das Kapitel „Bazball“ ist endgültig Geschichte. Nach dem überraschenden Rücktritt von Kapitän Ben Stokes hat der englische Cricket-Verband (ECB) nun auch Brendon McCullum als Trainer der Test-Nationalmannschaft entlassen. Der Neuseeländer bleibt zwar Coach der englischen White-Ball-Teams, seine Zeit als Architekt des spektakulären Test-Crickets ist jedoch beendet.
Die Entscheidung kommt nach einer Reihe sportlicher Rückschläge und mehreren Disziplinproblemen innerhalb der Mannschaft.
Vom Hoffnungsträger zum Krisenmanager
Als McCullum im Jahr 2022 das Traineramt übernahm, veränderte er das englische Test-Cricket grundlegend. Gemeinsam mit Ben Stokes entwickelte er den offensiven Spielstil, der weltweit unter dem Begriff „Bazball“ bekannt wurde.
England gewann damals zehn seiner ersten elf Testspiele. Spektakuläre Siege gegen Neuseeland, Indien und Pakistan ließen Fans und Experten von einer neuen goldenen Generation träumen.
Doch auf den Höhenflug folgte der Absturz.
Sportlicher Niedergang
In den vergangenen Monaten verlor England sieben der letzten neun Testspiele, darunter eine deutliche 1:4-Niederlage in der Ashes-Serie gegen Australien. Auch die jüngste Heimserie gegen Neuseeland ging mit 1:2 verloren – die erste Heimniederlage in einer längeren Testserie seit 14 Jahren.
Die sportliche Krise wurde zusätzlich von zahlreichen Negativschlagzeilen begleitet. Immer wieder sorgten Vorfälle außerhalb des Spielfelds für Kritik. Alkoholexzesse, Disziplinprobleme und ein Nachtclub-Zwischenfall mit mehreren Nationalspielern beschädigten das Image des englischen Cricket nachhaltig.
Nach Stokes nun auch McCullum
Nur zwei Wochen nach dem überraschenden Karriereende von Ben Stokes steht England nun ohne Kapitän und ohne Testtrainer da.
Die nächste Testserie gegen Pakistan beginnt bereits am 19. August. Als heißester Kandidat auf das Kapitänsamt gilt derzeit Harry Brook, dessen Ernennung jedoch auch von der Wahl des neuen Trainers abhängen dürfte.
Wer übernimmt?
Als möglicher Nachfolger wird unter anderem der frühere Erfolgstrainer Andy Flower gehandelt, der England 2010/11 zum historischen Ashes-Sieg in Australien führte.
Auch nationale Lösungen stehen zur Diskussion, darunter Glamorgan-Coach Richard Dawson, Surrey-Trainer Gareth Batty oder Durham-Coach Ryan Campbell. Eine Rückkehr von Ex-Star Andrew Flintoff gilt dagegen weiterhin als unwahrscheinlich.
McCullum bleibt White-Ball-Coach
Ganz verabschieden muss sich England von McCullum allerdings nicht. Der 44-Jährige bleibt Trainer der T20- und ODI-Nationalmannschaften. Dort läuft es derzeit deutlich besser: Erst am Wochenende feierte England einen 4:0-Triumph gegen Weltmeister Indien und übernahm wieder die Spitze der T20-Weltrangliste.
McCullum zeigte sich trotz seiner Entlassung gefasst: Er sei enttäuscht, respektiere aber die Entscheidung des Verbandes und wolle sich nun mit voller Kraft auf die White-Ball-Teams konzentrieren.
Ein Ende mit Symbolkraft
Mit der Entlassung McCullums endet eine Ära, die zunächst wie eine Revolution wirkte und zuletzt immer stärker in Chaos versank. Aus dem gefeierten „Bazball“ wurde innerhalb weniger Monate ein Synonym für verpasste Chancen, mangelnde Disziplin und enttäuschende Ergebnisse. Für England beginnt nun ein kompletter Neuanfang – sportlich wie personell.
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