Es geschehen tatsächlich noch Wunder beim DFB. Jahrelang wurden die Regionalligisten vertröstet, vertrieben und teilweise behandelt, als wären sie lästige Statisten im deutschen Fußball. Doch jetzt haben die Vereine gesprochen – und zwar überraschend deutlich.
Über 95 Prozent wollen eine Reform. Das bisherige System mit fünf Regionalligen? Praktisch niemand will diesen Irrsinn behalten. Herzlichen Glückwunsch, liebe DFB-Funktionäre: Nach über einem Jahrzehnt habt ihr endlich bemerkt, was jeder Fan schon seit Jahren wusste.
Besonders erfreulich: Der Osten hat geliefert.
Die Vereine im Nordosten haben sich mit klarer Mehrheit für das Kompassmodell mit vier Regionalligen ausgesprochen. Genau das fordern viele Traditionsvereine seit Jahren. Wer Woche für Woche durch Meuselwitz, Babelsberg, Zwickau oder Leipzig fährt, weiß schließlich, dass sportlicher Wettbewerb wichtiger ist als Verbandsgrenzen auf alten Landkarten.
Und der Westen? Hat überraschend ebenfalls Rückgrat bewiesen.
Nur der Südwesten hält weiter an seinem Regionenmodell fest – aus Sicht vieler Ostvereine vor allem deshalb, weil man dort offenbar lieber die eigene Komfortzone verteidigt als endlich eine gerechte Aufstiegsregelung für alle zu schaffen.
Das eigentliche Problem sitzt aber wie so oft nicht auf dem Rasen.
Sondern in den Sitzungsräumen des DFB.
Dort brauchte man erst einen Skandal, Boykottdrohungen und massiven Druck der Vereine, bevor plötzlich wieder über die ursprünglichen Reformvorschläge gesprochen wurde. Man fragt sich unweigerlich: Warum eigentlich nicht gleich so?
Der deutsche Fußball leidet seit Jahren darunter, dass Funktionäre häufig komplizierter denken als nötig. Während Fans und Vereine einfache Lösungen wollen, entstehen in Frankfurt Modelle, bei denen man fast ein Studium braucht, um sie zu verstehen.
Für Lok Leipzig wäre eine faire Regionalliga-Reform längst überfällig. Jeder Meister muss die gleiche Chance auf den Aufstieg haben. Alles andere widerspricht dem sportlichen Gedanken.
Bleibt nur zu hoffen, dass der DFB diesmal tatsächlich zuhört.
Denn eines dürfte inzwischen selbst in Frankfurt angekommen sein:
Wenn sich über 95 Prozent der Vereine einig sind und nur die Funktionäre noch diskutieren, dann liegt das Problem vermutlich nicht bei den Vereinen.
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