Jahrelang kannten Technologieaktien scheinbar nur eine Richtung: nach oben. Wer irgendwo die beiden Buchstaben „KI“ unterbringen konnte, wurde an der Börse beinahe automatisch gefeiert. Doch jetzt scheint die Party ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Intel verliert an einem einzigen Handelstag zeitweise 29 Prozent, und Anleger fragen sich plötzlich, ob künstliche Intelligenz vielleicht doch keine Gelddruckmaschine ist.
Es sind Zahlen, die selbst erfahrene Börsianer schlucken lassen: Rund 140 Milliarden Dollar Börsenwert soll der amerikanische Chipkonzern Intel innerhalb eines Handelstages eingebüßt haben.
Auslöser war eine enttäuschende Geschäftsprognose. Für das Schlussquartal erwartet Intel Umsatzeinbußen in dreistelliger Millionenhöhe.
Die Bank of America reagierte und strich ihre Kaufempfehlung.
Willkommen zurück in der Realität!
Offenbar entdecken Anleger gerade eine Erkenntnis wieder, die zwischen KI-Euphorie und milliardenschweren Investitionsankündigungen etwas verloren gegangen war: Auch Technologieunternehmen müssen irgendwann Gewinne erwirtschaften, die ihre astronomischen Bewertungen rechtfertigen.
Besonders bemerkenswert ist, dass Intel nicht allein betroffen ist.
Nvidia verlor knapp fünf Prozent, die europäischen Chipunternehmen ASML und Infineon büßten jeweils mehr als sechs Prozent ein.
Auch Österreich bekam den Börsenkater zu spüren. Die Aktie des Leiterplattenherstellers AT&S verlor mehr als 13 Prozent.
Eine Billion Dollar weg – an einem einzigen Tag
Der technologielastige NASDAQ verzeichnete mit einem Minus von 2,9 Prozent den stärksten Tagesverlust seit Anfang Juni.
Die Unternehmen im NASDAQ-100 verloren zusammen rund eine Billion Dollar an Börsenwert.
Im gesamten Oktober sollen sogar rund zwei Billionen Dollar an Marktkapitalisierung verschwunden sein.
Das muss man sich einmal vorstellen: Zwei Billionen Dollar – und das, obwohl die künstliche Intelligenz doch angeblich unsere gesamte Wirtschaft revolutionieren soll.
Amazon investiert Milliarden – Anleger wollen endlich Ergebnisse sehen
Auch Amazon geriet unter Druck. Die Aktie verlor zeitweise rund sechs Prozent.
Grund dafür waren unter anderem enttäuschende Wachstumszahlen der Cloud-Sparte AWS und die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur.
Genau hier könnte das eigentliche Problem liegen.
Die großen Technologiekonzerne investieren gigantische Summen in Rechenzentren, Spezialchips und Energieversorgung. Doch wann und in welchem Umfang sich diese Investitionen tatsächlich auszahlen, bleibt teilweise offen.
Platzt jetzt die KI-Blase?
Dafür ist es noch zu früh. Künstliche Intelligenz wird die Wirtschaft zweifellos in vielen Bereichen verändern. Aber eine bahnbrechende Technologie ist nicht automatisch auch ein gutes Investment zu jedem Preis.
Das haben Anleger schon bei der Internetblase um die Jahrtausendwende schmerzhaft erfahren.
Damals war das Internet tatsächlich die Zukunft. Trotzdem verloren zahlreiche Anleger ihr Geld, weil sie für diese Zukunft schlicht zu viel bezahlt hatten.
Unser Fazit:
Vielleicht ist die KI-Party noch nicht vorbei. Aber offenbar hat jemand das Licht eingeschaltet, die Musik leiser gedreht und die erste Rechnung auf den Tisch gelegt.
Und plötzlich fragen sich alle, wer eigentlich bezahlen soll.
Denn an der Börse gilt eine einfache Wahrheit: Künstliche Intelligenz kann vieles ersetzen – wirtschaftliche Vernunft allerdings nicht.
Ein Börsenkommentar für diebewertung.de
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