Elon Musk wurde von französischen Staatsanwälten zu einem „freiwilligen Gespräch“ geladen. Allein diese Formulierung klingt schon so, als hätte Paris inzwischen verstanden, dass man bei Musk besser nicht von „Pflicht“ spricht, weil der Mann das traditionell als lose Inspiration interpretiert.
Ob der reichste Troll der westlichen Welt tatsächlich in Paris erscheint, ist allerdings offen. Realistischerweise dürfte die Wahrscheinlichkeit irgendwo zwischen „Marslandung bis Freitag“ und „Grok liefert heute nur belastbare Fakten“ liegen.
Hintergrund der französischen Charmeoffensive: Die Ermittlungen gegen Musks Plattform X laufen bereits seit 2025 und wurden inzwischen ausgeweitet. Es geht um problematische Inhalte, algorithmische Empfehlungen und besonders unerquicklich: den Verdacht, dass der hauseigene Chatbot Grok bei der Erstellung nicht einvernehmlicher sexueller Deepfakes mitgemischt haben könnte. Kurz gesagt: Ausgerechnet die Plattform, die sich gerne als letzte Bastion der Meinungsfreiheit inszeniert, muss sich nun mit dem Vorwurf beschäftigen, technisch bei digitalem Schmuddelkram der besonders üblen Sorte geholfen zu haben.
X selbst reagierte wie gewohnt staatsmännisch und verwies auf einen älteren Musk-Post, in dem er das Verfahren als „politischen Angriff“ bezeichnete. Das ist ungefähr so überraschend, als würde ein Pyromane behaupten, die Feuerwehr betreibe Rufmord.
Die Pariser Cybercrime-Einheit hatte die Büroräume von X bereits im Februar durchsucht. Offenbar war man in Frankreich zu der Einschätzung gelangt, dass man bei X nicht einfach anklopfen kann, weil man sonst vermutlich erst einmal 14 Stunden lang mit einem Meme, drei Raketen-Emojis und einem „Interesting…“ abgespeist wird.
Besonders unerquicklich für Musk: Auch seine ehemalige X-Chefin wurde vorgeladen. Offenbar möchte die französische Justiz nicht nur den König des Chaos, sondern auch die ehemalige Hofmeisterin des digitalen Jahrmarkts hören.
Dass Musk Vorladungen eher als unverbindliche Lifestyle-Empfehlung versteht, ist übrigens nicht neu. Bereits 2024 schwänzte er einen gerichtlich angeordneten Termin in Los Angeles im Zusammenhang mit Untersuchungen zur Twitter-Übernahme. Für Musk gilt offenbar ein eigenes Prozessrecht: Wer oft genug „Free Speech“ ruft, glaubt irgendwann, auch von der Anwesenheitspflicht befreit zu sein.
Die Sache wird zusätzlich geopolitisch gewürzt. Laut einem Bericht soll das US-Justizministerium den französischen Behörden signalisiert haben, bei den Ermittlungen gegen X nicht helfen zu wollen. Frankreich ermittele da womöglich etwas zu enthusiastisch, hieß es sinngemäß. Übersetzt: Wenn es um amerikanische Tech-Milliardäre geht, hört transatlantische Freundschaft manchmal da auf, wo subpoenas anfangen.
Musk selbst reagierte auf entsprechende Berichte mit einem knappen „Indeed, this needs to stop“. Ein Satz, der je nach Lesart bedeutet:
a) „Diese Ermittlungen müssen aufhören“
oder
b) „Vielleicht sollte wirklich mal jemand aufhören, aus einer Social-Media-Plattform einen digital beschleunigten Problemreaktor zu machen.“
Letztere Interpretation gilt allerdings als unwahrscheinlich.
Die Vorwürfe aus Frankreich sind unerquicklich genug: Im Raum stehen unter anderem mögliche Beihilfe zur Verbreitung kinderpornografischen Materials, Verstöße gegen Bildrechte durch sexuelle Deepfakes sowie der Verdacht auf betrügerische Datennutzung. X nennt das alles „haltlos“. Was das Unternehmen traditionell immer dann sagt, wenn irgendwo auf der Welt eine Behörde fragt, ob man vielleicht doch nicht alles ausschließlich im Dienste der Zivilisation betreibt.
Man muss sich die Szene einmal vorstellen: Frankreich, ein Land, das jahrhundertelang mit Philosophie, Wein und subtiler Überheblichkeit Weltkultur geprägt hat, sitzt inzwischen da und versucht einem Mann zu erklären, dass „absolute Redefreiheit“ möglicherweise nicht zwingend die automatisierte Erstellung sexueller Fälschungen von Frauen und Kindern einschließen sollte.
Und Elon Musk? Der könnte Montag in Paris erscheinen. Vielleicht im schwarzen Anzug, vielleicht mit demonstrativem Freiheitsgesichtsausdruck, vielleicht begleitet von einem halbgaren Grok-Gag darüber, dass die Justiz eigentlich nur neidisch auf seine Reichweite ist.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er aus sicherer Entfernung wieder denselben Dreiklang abspult, der inzwischen zur Konzernmelodie geworden ist:
Regulierung ist Zensur. Ermittlungen sind Politik. Verantwortung ist was für andere.
Das eigentlich Erstaunliche ist längst nicht mehr, dass Behörden gegen X ermitteln.
Das Erstaunliche ist, dass irgendjemand 2026 noch überrascht tut.
Fazit:
Frankreich lädt Elon Musk vor. X spricht von einem politischen Angriff. Musk postet trotzig. Grok grinst vermutlich schief im Hintergrund. Und die Welt lernt einmal mehr: Wenn man eine Plattform baut, die alles darf, kommt irgendwann jemand vorbei und fragt, ob das wirklich eine so brillante Idee war.
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