US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat Entwarnung gegeben: Der landesweite Ausbruch der parasitären Darmerkrankung Cyclosporiasis sei „unter Kontrolle“.
Das ist beruhigend. Vor allem deshalb, weil die Behörden gleichzeitig noch immer nicht genau wissen, woher der Erreger eigentlich kommt.
Tausende Menschen sind erkrankt, mehrere Salatprodukte wurden zurückgerufen und die Suche nach der Ursache läuft weiter. Aber Kontrolle ist bekanntlich ein dehnbarer Begriff. Man kann schließlich auch sagen, ein Zimmerbrand sei unter Kontrolle, solange man weiß, in welchem Gebäude es brennt.
Quelle gefunden – beziehungsweise noch nicht
Kennedy erklärte, umfangreiche epidemiologische Ermittlungen hätten zur Identifizierung der Quelle geführt. Die beteiligten Unternehmen hätten daraufhin Rückrufmaßnahmen eingeleitet.
Die Lebensmittelbehörde FDA sieht die Lage etwas vorsichtiger. Eine Salatprobe, die zunächst positiv auf den Parasiten getestet worden war, entpuppte sich nach erneuter Prüfung als falsch positiv.
Damit ist die bekannte Quelle derzeit ungefähr so eindeutig wie ein Salatblatt in einer Tüte mit der Aufschrift „Gemüsemischung“.
Bis zum 19. Juli war laut FDA keine einzige Probe im Zusammenhang mit dem Ausbruch zweifelsfrei positiv getestet worden. Die Untersuchung läuft weiter.
Oder in der Sprache der Regierung: Wir wissen, was passiert ist. Wir wissen nur noch nicht genau, wodurch.
Kritik selbstverständlich unbegründet
Kennedy wies Vorwürfe zurück, die Regierung habe nicht ausreichend auf den Ausbruch reagiert. Die Kritik sei „ungültig“.
Das ist praktisch. Wenn ein Problem nicht zur eigenen Darstellung passt, erklärt man einfach die Kritik daran für formal unwirksam.
Besonders umstritten ist, dass die Regierung zuvor Teile des Überwachungsprogramms FoodNet gekürzt hatte. Dieses System sammelte seit Jahrzehnten Daten über lebensmittelbedingte Erkrankungen und half dabei, Ausbrüche zu erkennen und zurückzuverfolgen.
Cyclospora gehörte zu den Erregern, die künftig nicht mehr verpflichtend über dieses Programm überwacht werden sollten.
Kennedy erklärte, gestrichen worden seien lediglich überflüssige Doppelstrukturen. Die Überwachung funktioniere weiterhin in allen Bundesstaaten.
Das ist ein bisschen so, als würde man die Rauchmelder abmontieren und anschließend erklären, die Feuerwehr sei schließlich noch da.
Experten sehen kleines Datenproblem
Fachleute warnen, dass weniger Überwachungsdaten die Suche nach Infektionsquellen erschweren könnten. Ohne verlässliche Informationen sei es schwieriger, Fälle zu vergleichen, Übertragungswege zu erkennen und weitere Erkrankungen zu verhindern.
Doch laut Kennedy ist der Ausbruch unter Kontrolle.
Die genaue Ursache ist unbekannt, die positiven Tests waren negativ, die Datenerfassung wurde reduziert und Tausende Menschen sind krank geworden.
Mehr Kontrolle wäre vermutlich nur möglich, wenn der Parasit selbst eine Pressekonferenz gäbe.
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