Die internationale Nachrichtenlage wird in dieser Nacht vor allem von zwei Kriegen und einer wirtschaftspolitischen Überraschung bestimmt: Der Konflikt zwischen den USA und Iran droht weiter zu eskalieren, Russland intensiviert seine Angriffe auf die Ukraine und überraschend starke amerikanische Arbeitsmarktdaten verändern innerhalb weniger Stunden die Erwartungen an die Geldpolitik der wichtigsten Notenbank der Welt.
Trump droht Iran mit weiteren Angriffen
Im Konflikt mit Iran erhöht US-Präsident Donald Trump den militärischen Druck.
Trump erklärte, die Vereinigten Staaten könnten demnächst das sogenannte Pickaxe Mountain ins Visier nehmen. Dabei handelt es sich um ein stark befestigtes Tunnelsystem in der Nähe der bereits schwer beschädigten iranischen Atomanlage Natanz.
Die Äußerung ist bedeutsam, weil sie zeigt, dass Washington trotz der bisherigen Angriffe weitere militärische Optionen prüft.
Parallel steigt der diplomatische Druck auf Teheran.
Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen erreichen, dass der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde Iran erneut dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen meldet. Hintergrund sind unter anderem offene Fragen zu iranischen Uranbeständen und der eingeschränkte Zugang internationaler Inspektoren zu beschädigten Nuklearanlagen.
Damit laufen militärische und diplomatische Eskalation gleichzeitig.
Ein besonderes Risiko bleibt die Straße von Hormus. Jede weitere Verschärfung dort trifft nicht nur den Nahen Osten, sondern unmittelbar die Weltwirtschaft, weil ein erheblicher Teil des global gehandelten Öls diese Meerenge passieren muss.
Russische Drohne trifft Geheimdienstzentrale in Kiew
Auch der Krieg in der Ukraine ist in eine neue Phase der Intensität geraten.
Eine russische Drohne traf am Freitag das Hauptquartier des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew. Nach ukrainischen Angaben wurden zwölf Menschen verletzt. Weitere russische Angriffe töteten andernorts mindestens drei Menschen.
Bemerkenswert ist zudem, dass Russland Kiew inzwischen häufiger auch tagsüber angreift. Für die Bevölkerung verändert das den Alltag erheblich: Luftalarm, Drohnen und Raketen sind nicht mehr überwiegend ein nächtliches Phänomen, sondern treffen zunehmend Berufsverkehr, Schulen und öffentliches Leben.
Gleichzeitig gibt es neue diplomatische Bewegung.
Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner werden zu Gesprächen in Moskau und Kiew erwartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Ukraine sei bereit, während ernsthafter Verhandlungen Angriffe aus der Luft auszusetzen, sofern Russland dasselbe tue.
Damit stehen Diplomatie und militärische Eskalation erneut unmittelbar nebeneinander.
US-Arbeitsmarkt überrascht – plötzlich wird eine Zinserhöhung wahrscheinlicher
Die wichtigste Wirtschaftsnachricht der Welt kommt ausgerechnet vom amerikanischen Arbeitsmarkt.
Die US-Wirtschaft schuf im August 162.000 neue Arbeitsplätze. Erwartet worden waren lediglich rund 56.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent.
Eigentlich sind starke Beschäftigungszahlen gute Nachrichten.
An den Börsen sorgten sie trotzdem für schlechte Laune.
Der Grund: Ein derart robuster Arbeitsmarkt nimmt der Federal Reserve den Druck, die Wirtschaft mit niedrigen Zinsen zu unterstützen. Gleichzeitig liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem gewünschten Niveau.
An den Terminmärkten stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung Mitte September auf rund 60 Prozent. US-Anleiherenditen zogen an, der Dollar wurde stärker und die wichtigsten Aktienindizes gerieten unter Druck.
Für die Weltwirtschaft ist das wichtig.
Höhere amerikanische Zinsen verteuern Kredite, erhöhen den Druck auf hoch verschuldete Staaten und Unternehmen und machen Dollar-Anlagen attraktiver. Die Folge kann sein, dass Kapital aus anderen Regionen in die Vereinigten Staaten fließt.
Die globalen Finanzmärkte werden nervöser
Ohnehin suchen Anleger derzeit verstärkt Sicherheit.
Globale Geldmarktfonds verzeichneten zuletzt Zuflüsse von rund 46 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit mehreren Wochen. Gleichzeitig belasten steigende Ölpreise, hohe Staatsverschuldung und die Aussicht auf länger hohe Zinsen die internationalen Anleihemärkte.
Brent-Rohöl bewegte sich zuletzt nahe der Marke von 100 Dollar je Barrel.
Damit verschiebt der Iran-Konflikt die wirtschaftliche Debatte fundamental.
Noch vor wenigen Monaten ging es in vielen Staaten darum, wann die Zinsen endlich sinken könnten.
Jetzt stellt sich zunehmend die umgekehrte Frage:
Müssen die Notenbanken wegen neuer Inflationsgefahren wieder erhöhen?
Sudan: Der vergessene Krieg fordert weitere Opfer
Abseits der großen Schlagzeilen eskaliert auch die Gewalt im Sudan weiter.
Bei Kämpfen in Süd-Kordofan wurden nach Angaben eines Ärztenetzwerks mindestens 21 Menschen getötet, darunter Frauen und Kinder. Die Gefechte ereigneten sich zwischen Kämpfern der SPLM-N und Angehörigen der Otoro-Bevölkerungsgruppe.
Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan gehört weiterhin zu den schwersten humanitären Krisen der Welt. Rund 13 Millionen Menschen wurden bereits vertrieben, Teile des Landes sind von Hunger betroffen.
Dass der Konflikt international vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhält, ändert nichts an seiner Dimension.
Israel und Libanon: Bewegung bei Gefangenen, Kämpfe gehen weiter
Im Nahen Osten gibt es neben dem Iran-Konflikt auch neue Entwicklungen zwischen Israel und Libanon.
Israel ließ mehrere libanesische Gefangene frei. Die Freilassung erfolgte im Rahmen von durch die USA vermittelten vertrauensbildenden Maßnahmen. Gleichzeitig erklärte Israel, Kämpfer der Hisbollah aus Tunnelsystemen unter dem strategisch wichtigen Ali-al-Taher-Höhenzug im Süden des Libanon vertrieben zu haben. Die Hisbollah bestätigte diese Darstellung zunächst nicht.
Die Lage bleibt damit widersprüchlich: Einerseits laufen diplomatische Bemühungen und Gefangenenaustausch, andererseits dauern militärische Operationen an.
Hunderttausende Menschen sind im Süden des Libanon weiterhin vertrieben. Besonders dramatisch ist die Situation für Kinder: Zahlreiche Schulen dienen noch immer als Notunterkünfte, obwohl das neue Schuljahr bevorsteht.
Eine Welt zwischen Krieg und Zinsangst
Der frühe Samstagmorgen zeigt eine internationale Lage, in der verschiedene Krisen immer stärker ineinandergreifen.
Der Iran-Konflikt treibt die Ölpreise.
Die Ölpreise treiben die Inflation.
Die Inflation beeinflusst die Zinsen.
Steigende Zinsen belasten Unternehmen, Staaten und Verbraucher auf der ganzen Welt.
Gleichzeitig versucht Washington, im Ukraine-Krieg neue Verhandlungen anzustoßen, während Russland seine Angriffe auf Kiew intensiviert.
Die entscheidenden Fragen für die kommenden Tage lauten deshalb:
Eskaliert der Konflikt mit Iran weiter?
Beginnt tatsächlich eine neue Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine?
Und entscheidet sich die Federal Reserve Mitte September wirklich für eine weitere Zinserhöhung?
Von diesen drei Fragen dürfte ein erheblicher Teil der politischen und wirtschaftlichen Nachrichten der kommenden Woche abhängen.
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