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Die „Super-Revolutionäre“ von Teheran

phoenix64 (CC0), Pixabay
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Wie Irans radikale Hardliner einen Deal mit den USA torpedieren wollen

Während die Gespräche zwischen Washington und Teheran in eine entscheidende Phase eintreten, wächst innerhalb der Islamischen Republik der Widerstand gegen jede Annäherung an die USA. Im Zentrum steht eine kleine, aber einflussreiche Gruppe ultrakonservativer Hardliner, die selbst vielen iranischen Machtpolitikern als zu radikal gilt: die „Jebhe-ye Paydari“, auf Deutsch etwa „Front des Durchhaltens“.

In westlichen Diplomatenkreisen werden ihre Anhänger inzwischen als „Super-Revolutionäre“ bezeichnet. Sie sehen sich als letzte Verteidiger der Ideale der Islamischen Revolution von 1979 – kompromisslos antiwestlich, religiös fanatisch und überzeugt davon, dass der Kampf gegen die USA und Israel niemals enden darf.

Kampf gegen jede Annäherung

Die Gruppe lehnt das Atomabkommen von 2015 ab – allerdings aus völlig anderen Gründen als Donald Trump. Für die Hardliner war bereits die damalige Verhandlung mit Washington ein Verrat an der Revolution. Nun versuchen sie mit wachsender Aggressivität, einen neuen Deal zu verhindern.

Über Medienkampagnen, Parlamentsreden und Straßenkundgebungen attackieren sie die iranischen Unterhändler. Wer mit den Amerikanern spreche, kapitulierte vor dem Feind, lautet der Vorwurf.

Besonders scharf richtet sich die Kritik gegen Außenminister Abbas Araghchi und Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf. Ihnen wird von ultraradikalen Kreisen sogar „Illoyalität gegenüber den roten Linien des Systems“ vorgeworfen.

Machtkampf nach Khameneis Tod

Der Konflikt offenbart zugleich den inneren Machtkampf im Iran nach dem Tod von Ali Khamenei zu Beginn des Krieges im Februar. Zwar bemüht sich die neue Führung um Geschlossenheit, doch hinter den Kulissen ringen verschiedene Lager um Einfluss auf den künftigen Kurs der Republik.

Die Paydari-Front verfügt dabei über ein weitreichendes Netzwerk: einflussreiche Geistliche, Medienvertreter, Parlamentarier und ehemalige Präsidentschaftskandidaten gehören zu ihrem Umfeld. Einer ihrer prominentesten Köpfe, Saeed Jalili, erhielt bei der Wahl 2021 immerhin 13 Millionen Stimmen.

Straßenproteste als Machtdemonstration

Nach den massiven Angriffen der vergangenen Wochen nutzt die Gruppe zunehmend Straßenmobilisierung als politisches Druckmittel. In Teheran demonstrieren regelmäßig Tausende Unterstützer des Regimes gegen Verhandlungen mit den USA.

Spiritueller Kopf der Bewegung ist inzwischen Ayatollah Mahdi Mirbaqiri, ein einflussreicher Geistlicher mit apokalyptischer Weltsicht. Beobachter werfen ihm vor, eine dauerhafte Konfrontation mit dem Westen nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern aktiv herbeizusehnen.

Selbst Hardliner gehen auf Distanz

Doch der aggressive Kurs der „Super-Revolutionäre“ sorgt inzwischen auch innerhalb des konservativen Lagers für Unruhe. Viele iranische Politiker befürchten, die Gruppe schade dem Land in einem ohnehin fragilen Moment.

Selbst regimetreue Kommentatoren werfen den Hardlinern inzwischen vor, mit ihren öffentlichen Angriffen auf die Verhandler genau jene Spaltung zu erzeugen, die Donald Trump propagandistisch ausschlachtet.

Iran-Experten sehen darin einen bemerkenswerten Effekt: Ausgerechnet die lautesten Revolutionswächter könnten sich politisch isolieren.

Denn letztlich, so sagen Beobachter in Teheran, gehe es weniger um die Frage, ob es einen Deal mit den USA geben soll – sondern darum, wer ihn am Ende abschließt und daraus politische Macht gewinnt.

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