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Die Prinzen hören auf – Deutschland verliert seine vermutlich höflichste Pop-Institution

geralt (CC0), Pixabay
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Nach nur schlanken 35 Jahren, mehreren Millionen verkauften Tonträgern und gefühlt ebenso vielen 90er-Radio-Rotationen haben Die Prinzen beschlossen, es gut sein zu lassen. Die Leipziger Popband beendet ihre Karriere – aber natürlich nicht einfach so, sondern, wie es sich für deutsche Pop-Adelshäuser gehört, „nach reiflicher Überlegung“ und mit einem „würdigen Abschluss“. Man will ja schließlich nicht sang- und klanglos gehen, wenn man jahrzehntelang vom Chorklang gelebt hat.

In einem Interview mit der Bild-Zeitung verkündeten die Musiker, dass Ende 2027 noch einmal groß Abschied gefeiert werden soll: mit einer finalen Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Also noch genug Zeit, um sich emotional vorzubereiten, Tickets zu kaufen, die CD-Sammlung von 1994 zu entstauben und sich langsam damit abzufinden, dass „Alles nur geklaut“ bald endgültig nicht mehr live vorgetragen wird.

„Ein letzter gemeinsamer Weg mit unseren Fans. Danach werden wir Prinzen aufhören“, sagte Wolfgang Lenk. Ein Satz, der klingt, als würde eine konstitutionelle Monarchie abgewickelt werden – und in gewisser Weise ist das ja auch so. Denn Die Prinzen waren nie einfach nur eine Band. Sie waren eine Art bundesrepublikanische Pop-Grundversorgung: harmlos genug für Familienfeiern, ironisch genug für Feuilletons, eingängig genug für jedes Formatradio zwischen Kiel und Konstanz.

Mit rund sechs Millionen verkauften Tonträgern gehören sie zu den erfolgreichsten deutschen Popgruppen überhaupt. Was vor allem zeigt, dass Deutschland in den 90ern musikalisch bereit war, ziemlich viel zu verzeihen, solange es mehrstimmig und leicht frech daherkam. Hits wie „Küssen verboten“, „Alles nur geklaut“ oder „(Du musst ein) Schwein sein“ gehören inzwischen zum kulturellen Inventar der Republik – irgendwo zwischen Bravo-Sampler, ZDF-Fernsehgarten und dem kollektiven Trauma deutscher Musikfernsehgeschichte.

Das Markenzeichen der Band war stets der A-cappella-nahe Harmoniegesang – kein Wunder, schließlich stammen die Mitglieder aus dem Leipziger Thomanerchor, also gewissermaßen aus der musikalischen Kaderschmiede für spätere Chartkarrieren mit satirischem Augenzwinkern. Andere bringen aus Internaten ein Alkoholproblem mit, Die Prinzen brachten perfekte Mehrstimmigkeit mit.

Dass sie nun aufhören, ist also ein Einschnitt. Nicht nur für ihre Fans, sondern auch für eine deutsche Popkultur, die selten so erfolgreich darin war, gleichzeitig geschniegelt, ironisch und völlig ungefährlich zu sein. Man könnte sagen: Ein Stück musikalischer Biederkeit mit Goldstatus geht in Rente.

Immerhin machen Die Prinzen das, was deutsche Popbands in Würde eben tun:
nicht abrupt verschwinden,
nicht peinlich implodieren,
nicht mit Skandalen, Drogen oder Bruderkrieg enden –
sondern mit einer großen Abschiedstournee zwei Jahre im Voraus angekündigt.

Sehr deutsch. Sehr ordentlich. Sehr Prinzen.

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