Es gibt Nachrichten, bei denen man sich fragt, ob die Beteiligten dieselben Informationen lesen wie der Rest der Welt.
Der Iran hat am Samstag erklärt, die Straße von Hormus sei geschlossen. Gleichzeitig meldet US-Vizepräsident JD Vance, dass dort am Vortag rund 16 Millionen Barrel Öl transportiert wurden und die Schiffe weiterhin fahren.
Anders formuliert:
Der Iran sagt: „Die Straße ist dicht!“
Die Tanker antworten: „Komisch, wir sind gerade durchgefahren.“
Die Revolutionsgarden warnten sogar alle Schiffe eindringlich davor, sich der Meerenge zu nähern. Wer es trotzdem tue, gefährde seine Sicherheit.
Blöd nur, wenn die Schiffe diese Mitteilung erst erhalten, nachdem sie bereits durchgefahren sind.
Die Straße von Hormus ist schließlich keine kleine Nebenstraße in einem Dorf, die man mit zwei Leitkegeln und einem handgeschriebenen Schild sperren kann.
Dort laufen rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels durch.
Wenn die Passage tatsächlich geschlossen wäre, würden die Ölpreise vermutlich schneller nach oben schießen als Politiker vor einer Wahl ihre Versprechen.
Stattdessen diskutiert die Welt derzeit darüber, ob die Sperrung existiert oder nur in einer Pressemitteilung.
Es erinnert ein wenig an jemanden, der vor seiner Haustür ein Schild mit „Geschlossen“ aufstellt, während die Gäste weiter durch das Wohnzimmer laufen und am Kühlschrank stehen.
Die eigentliche Botschaft Teherans ist natürlich politisch: Man wirft den USA und Israel vor, die Waffenruhe verletzt zu haben und demonstriert Stärke.
Das Problem beginnt nur dort, wo Symbolpolitik auf Schiffsverkehr trifft.
Denn am Ende gilt eine alte Regel:
Eine Meerenge ist erst dann geschlossen, wenn die Schiffe das auch mitbekommen.
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