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Die Geissens für Arme

BrickBard (CC0), Pixabay
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Jetzt ist es also so weit: Österreich bekommt seine eigene Luxus-Soap.
Nicht die Geissens.
Nicht Lugner.
Nein – jetzt kommen die Kalteneggers. Oder, wie man in einem Anflug von Bosheit auch sagen könnte:
Die Geissens für Arme.

Puls 4 serviert uns mit „Die Kalteneggers – Eine Familie wie ein Goldrausch“ das nächste Reality-TV-Format, bei dem offenbar alles dabei ist, was man für gepflegte Fremdscham im Premiumsegment braucht: 52-Meter-Yacht in Monaco, Villa, Schnitzel in Luxuskulisse und natürlich Goldhandel – weil man ja nie weiß, ob das Blattgold auf dem Dessert sonst ausgeht.

Besonders entzückend ist der direkte Vergleich mit den Geissens. Den liefern die Kalteneggers gleich selbst frei Haus mit. Man sei natürlich nicht wie die Geissens, man wolle das auch gar nicht sein, aber man sei authentischer, vielfältiger und überhaupt irgendwie… mehr.
Das ist ungefähr so, als würde ein Discounter-Champagner behaupten, er sei eigentlich spannender als Dom Pérignon, weil die Bläschen ehrlicher sind.

„Wir sind authentischer als die Geissens“, heißt es.
Herrlich.
Denn nichts schreit so sehr nach gelebter Authentizität wie eine Kamera, die einen auf einer 52-Meter-Yacht in Monaco beim Goldhandel und Schnitzelbacken begleitet.
Fehlt eigentlich nur noch der Satz:
„Wir sind ganz bodenständig – wir essen unser Wiener Schnitzel nur auf See.“

Natürlich darf auch der Hinweis nicht fehlen, dass das Ganze vor allem gute PR sei.
Aha.
PR also. Keine Selbstdarstellung. Kein inszenierter Luxus-Zirkus. Kein „Schaut her, wie erfolgreich wir sind“.
Nein, nein.
Reine Öffentlichkeitsarbeit.
Fast schon ein Service am Standort Österreich.

Und genau da beginnt dann die eigentlich spannende Frage, die sich bei solchen Formaten ganz automatisch aufdrängt:

Wird dieser ganze Luxus eigentlich aus dem operativen Gewinn bezahlt – oder schaut da irgendwo diskret mutmaßliches Anlegergeld mit an Deck vorbei?

Denn wenn man sich geschniegelt auf der Yacht in Monaco räkelt, geschniegelt durch die Villa spaziert und geschniegelt erklärt, wie authentisch man doch sei, dann darf man schon einmal höflich nachfragen:

  • Was genau ist eigentlich das Geschäftsmodell hinter dem Goldrausch?
  • Wie hoch ist der tatsächlich erwirtschaftete Verdienst aus diesem Geschäft?
  • Und ist das alles wirklich aus unternehmerischem Erfolg finanziert – oder aus Geld, das andere in die große Story vom Erfolg hineingesteckt haben?

Natürlich: Das sind Fragen.
Und Fragen sind erlaubt.
Vor allem dann, wenn jemand mit maximaler Lautstärke den eigenen Wohlstand zur Hauptfigur macht.

Denn wenn man im Fernsehen Luxus vorführt, muss man sich nicht wundern, wenn Zuschauer irgendwann nicht nur auf die Yacht schauen, sondern auch auf die Bilanz.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Formats, das offenbar beweisen will:
Man kann auch in Österreich sehr teuer aussehen, sehr wichtig wirken und sehr oft „authentisch“ sagen – ohne automatisch die Geissens zu sein.

Vielleicht ist das ja der wahre Unterschied:
Die Geissens sind wenigstens seit Jahren ein kalkulierter Trash-Klassiker.
Hier dagegen wirkt es ein bisschen so, als hätte jemand gedacht:
„Wenn schon Goldrausch, dann bitte mit Kamerateam, Hund, Blumenstrauß und ganz viel Eigenlob.“

Oder kurz gesagt:

Die Geissens für Arme – aber mit österreichischem Schnitzel, Monaco-Kulisse und der Frage, wer am Ende eigentlich die Rechnung bezahlt.

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