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Ist der FC Magdeburg schon bereit? Frag mich nach Braunschweig noch einmal

TillVoigt (CC0), Pixabay
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Sind wir schon bereit für die neue Saison?

Das ist Ende Juli ungefähr dieselbe Frage wie: Ist das Bier schon kalt genug? Man kann lange am Kühlschrank stehen, die Flasche drehen und das Etikett prüfen – die Wahrheit erfährt man erst beim ersten Schluck.

Und beim 1. FC Magdeburg erfahren wir sie eben nicht in irgendeinem Vorbereitungsspiel, sondern dann, wenn es in der Liga wirklich um Punkte geht. Deshalb interessieren mich die Testspielergebnisse nicht. Nicht ein bisschen. Von mir aus kann der Club jedes Testspiel gewinnen, verlieren oder nach 37 Minuten abbrechen, weil jemand den Ball auf dem Parkplatz vergessen hat.

Entscheidend ist Braunschweig.

Neun Neue – diesmal war der FCM rechtzeitig wach

Immerhin: Der Kader sieht nicht mehr so aus, als hätte man die Transferperiode versehentlich im Kalender überblättert.

Neun Neuzugänge sind da. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil man in Magdeburg früher gelegentlich den Eindruck hatte, der Sommertransfermarkt beginne erst, wenn andere Vereine ihre Mannschaftsfotos längst aufgenommen haben.

Diesmal wurde früh gearbeitet. Peer Jaekel und die sportliche Leitung haben Spieler verpflichtet, ausgeliehen und offenbar sogar an Positionen gedacht, auf denen zuletzt tatsächlich Bedarf bestand.

Das klingt banal, ist im Fußball aber beinahe revolutionär.

Mit Emmanuel Iyoha kommt ein erfahrener Zweitligaspieler ablösefrei aus Düsseldorf. Er kann auf beiden Außenbahnen spielen und notfalls wohl auch weiter hinten aushelfen. Das ist genau jene Sorte Transfer, die auf dem Papier vernünftig aussieht: erfahren, flexibel und ohne Ablöse.

„Flexibel einsetzbar“ ist allerdings auch die gefährlichste Formulierung jeder Pressemitteilung. Sie kann bedeuten, dass einer drei Positionen beherrscht. Sie kann aber auch bedeuten, dass noch niemand weiß, wo er am wenigsten stört.

Bei Iyoha bin ich trotzdem optimistisch. Selbst wenn er nicht sofort Stammspieler wird, ist es ein gutes Gefühl, in der zweiten Halbzeit einen Mann mit mehr als 200 Zweitligaspielen bringen zu können – statt jemanden einzuwechseln, bei dem man zunächst auf der Rückennummer nachsehen muss, ob er wirklich zum Profikader gehört.

Südkorea statt immer nur Bundesliga-Resterampe

Interessant ist auch, dass der FCM inzwischen internationaler schaut.

Mit Doyoung Yoon kommt ein junger südkoreanischer Offensivspieler von Brighton. Dazu wurde ein weiteres Talent aus Südkorea mit Kaufoption ausgeliehen. Genau solche Modelle gefallen mir: ausprobieren, entwickeln und anschließend selbst entscheiden können, ob man den Spieler behält.

Denn was bringt es, einen jungen Mann ein Jahr lang aufzubauen, ihm Spielpraxis zu geben und seinen Marktwert zu steigern, wenn anschließend der Stammverein freundlich Danke sagt und den Preis verdreifacht?

Das haben wir bei Laurin Ulrich gelernt. Der Junge entwickelt sich in Magdeburg, und plötzlich bestimmen andere, was diese Entwicklung kosten soll.

Darum: Leihe mit Kaufoption – sehr schön. Endlich entwickeln wir nicht nur für fremde Leute, sondern könnten am Ende auch selbst etwas davon haben.

Natürlich weiß niemand, ob die jungen Koreaner sofort in der zweiten Liga funktionieren. Vielleicht starten sie zunächst in der U23. Vielleicht brauchen sie Monate. Vielleicht zündet einer sofort.

Aber wenigstens steckt eine Idee dahinter. Und mir ist ein junger Spieler mit Entwicklungsmöglichkeiten lieber als der 31-jährige „erfahrene Führungsspieler“, der schon bei acht Vereinen war und bei seiner Vorstellung erklärt, die Gespräche hätten ihn sofort überzeugt.

Kwarteng wieder da – alte Liebe rostet hoffentlich nicht

Moritz-Broni Kwarteng ist zurück.

Das fühlt sich ein bisschen an, als würde ein alter Bekannter wieder in die Stammkneipe kommen. Man freut sich, klopft ihm auf die Schulter und fragt vorsichtshalber nicht zu genau, warum es anderswo nicht dauerhaft funktioniert hat.

Beim FCM hat Kwarteng schon einmal gezeigt, was er kann. Er kennt den Verein, die Stadt und die besondere Mischung aus Begeisterung und völlig unangemessener Erwartungshaltung.

In Magdeburg reichen schließlich drei gute Aktionen, damit jemand neben dir auf der Tribüne sagt: „Der muss eigentlich Bundesliga spielen.“

Drei schlechte Aktionen später heißt es: „Warum haben wir den überhaupt zurückgeholt?“

Willkommen zu Hause.

Ist der Kader komplett?

Von außen betrachtet sieht die Mannschaft ordentlich aus. Vielleicht sogar erstaunlich ordentlich.

Es gibt mehr Optionen, mehr Konkurrenz und offenbar auf mehreren Positionen echte Alternativen. Auch wirtschaftlich wirkt das Ganze vernünftig: geringe Ablösen, ablösefreie Spieler, Leihgeschäfte und eine insgesamt bodenständige Planung.

Das passt zum FCM. Wir haben keinen Investor, der morgens zwanzig Millionen überweist und nachmittags die Aufstellung bestimmen möchte. Zum Glück.

Der Club muss Spieler günstig holen, weiterentwickeln und gelegentlich mit Gewinn verkaufen. Das tut als Fan weh, wenn man einen Spieler ins Herz geschlossen hat. Aber es ist ehrlicher, als sich finanziell von irgendeinem Geschäftsmann abhängig zu machen, der den Verein irgendwann wie ein schlecht laufendes Hobby behandelt.

Trotzdem bleiben Fragen.

Was passiert mit Zukowski? Nach aktuellem Stand soll niemand unbedingt wegwollen. Aber bis zum Ende des Transferfensters kann viel passieren. Und falls noch Geld hereinkommt: Wird dann bei Laurin Ulrich noch einmal ernsthaft angeklopft?

Brauchen wir noch einen Spieler für die Offensive? Einen zentralen Mann? Mehr Tempo? Oder ist der Kader tatsächlich so weit, dass nur noch ein Gelegenheitsgeschäft infrage kommt?

Ich sitze nicht beim Training daneben. Und selbst wenn ich dort stünde, würde ich vermutlich hauptsächlich überlegen, wann es Kaffee gibt. Deshalb kann ich nicht seriös behaupten, welche Position dringend verstärkt werden muss.

Aber rein vom Gefühl her ist der Club deutlich besser vorbereitet als in manchem vergangenen Sommer.

Was will Patrick Sander eigentlich spielen lassen?

Die wichtigste Frage betrifft ohnehin nicht einzelne Namen, sondern die Spielidee.

Unter Christian Titz wusste jeder, was ihn erwartete: Ballbesitz, mutiger Aufbau, viel Bewegung und gelegentlich fünfzehn Pässe rund um den Strafraum, bis der Gegner wieder vollständig sortiert war.

Dieser Fußball hat den FCM geprägt. Spieler kamen auch deshalb nach Magdeburg, weil der Club für eine offensive und spielerische Ausrichtung steht.

Patrick Sander und Pascal Ibold werden das hoffentlich nicht komplett umwerfen. Niemand verlangt, dass aus dem FCM plötzlich eine Mannschaft wird, die den Ball nach der Eroberung vorsichtshalber ins Seitenaus schießt.

Ein bisschen mehr Aggressivität gegen den Ball dürfte es aber gern sein. Früheres Pressing, schnellere Balleroberungen und danach nicht erst eine schriftliche Genehmigung einholen, bevor man Richtung Tor spielt.

Der Club soll weiter Fußball spielen. Nur gelegentlich etwas schneller und direkter.

Ob Sander diese Mischung findet, wird sich zeigen. Er konnte erstmals eine komplette Sommervorbereitung nach eigenen Vorstellungen gestalten. Der Kader wurde angepasst, die Belastung erhöht und offenbar ordentlich gearbeitet.

Einige Spieler sollen laut Trainer noch wirken, als zögen sie einen Handwagen hinter sich her.

Auch das beunruhigt mich nicht. Vorbereitung ist dazu da, dass die Beine schwer sind. Problematisch wird es erst, wenn der Handwagen am ersten Ligaspieltag noch immer hinten dranhängt – womöglich mit Gepäck und einem Mitfahrer.

Und wann steht die Startelf?

Als Fan möchte man natürlich wissen, wer beginnt.

Wer steht im Tor? Wie sieht die Abwehr aus? Wer übernimmt im Mittelfeld Verantwortung? Wer spielt außen? Wer ergänzt Barış Atik? Und wer muss zunächst auf die Bank?

Aktuell wird noch gesucht, gemischt und ausprobiert. Das ist normal. Trotzdem sollte irgendwann eine Mannschaft erkennbar sein, die gemeinsam Abläufe entwickelt und nicht erst beim Einlaufen fragt, wer heute rechts neben ihr spielt.

Aber auch hier gilt: Ich brauche keine offizielle Startelf vier Wochen vor dem Saisonbeginn. Ich brauche eine funktionierende Elf beim Auftakt.

Die Namen sind dabei fast zweitrangig.

Beim Livestream ist der Club jedenfalls noch nicht bereit

Während die sportliche Vorbereitung einen vernünftigen Eindruck macht, besteht bei der medialen Begleitung offenbar noch Luft nach oben.

Für einen Testspiel-Livestream bezahlen zu sollen, ist schon diskutabel. Dafür hauptsächlich Standbilder, Aussetzer und Fehlermeldungen zu bekommen, ist dann die moderne Form des Traditionsfußballs: Man zahlt für etwas und muss sich den Rest in der Fantasie vorstellen.

Kreisligisten stellen eine Kamera an die Mittellinie und streamen kostenlos auf YouTube. Beim langjährigen Zweitligisten sitzt der Fan dagegen vor einem Bezahlbildschirm und liest fünf Sekunden lang: „Wir sind gleich wieder da.“

Vielleicht war auch der Server noch in der Saisonvorbereitung und hatte einen Handwagen dabei.

Also: Ist der FCM bereit?

Der Kader wurde früh verstärkt. Die Transfermodelle wirken durchdachter. Es gibt mehr Erfahrung, mehr Tempo und mehrere junge Spieler mit Entwicklungspotenzial. Die wirtschaftliche Bilanz sieht vernünftig aus, ohne dass der Club seine Bodenständigkeit aufgibt.

Das macht Hoffnung.

Aber Hoffnung ist in Magdeburg ein gefährlicher Stoff. Erst denkt man an eine sorgenfreie Saison, dann an die obere Tabellenhälfte und fünf Minuten später sucht irgendeiner bereits die Entfernung zu den Bundesligastadien heraus.

Langsam.

Der FCM wirkt besser vorbereitet. Mehr kann man Ende Juli nicht seriös sagen.

Testspielergebnisse sind dafür völlig bedeutungslos. Da wird gewechselt, belastet, ausprobiert und manchmal spielt jemand auf einer Position, die er im Ligabetrieb höchstens beim Mannschaftsausflug einnehmen würde.

Die Wahrheit beginnt mit dem ersten Pflichtspiel.

Dann sehen wir, ob die Neuen wirklich Verstärkungen sind, ob Sandners Idee funktioniert, ob die Mannschaft pressen kann und ob die Spieler ihren Handwagen rechtzeitig auf dem Trainingsplatz abgestellt haben.

Bis dahin freue ich mich vorsichtig.

Sehr vorsichtig.

Aber eben doch ein bisschen mehr als sonst.

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