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Der verschwundene Oscar

kalhh (CC0), Pixabay
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Ein Oscar ist eigentlich schwer zu übersehen – 34 Zentimeter groß, fast vier Kilo schwer und glänzend wie ein frisch polierter Traum. Doch genau so ein Exemplar ist nun spurlos verschwunden. Und das nicht etwa bei einer wilden Aftershow-Party, sondern ganz nüchtern zwischen Sicherheitskontrolle und Gepäckband.

Der preisgekrönte Dokumentarfilmer Pavel Talankin wollte seine Trophäe von New York nach Deutschland mitnehmen – im Handgepäck, wie man das mit wertvollen Dingen eben macht. Doch am Flughafen griff die Sicherheitslogik: Der Oscar, so die Begründung, könne theoretisch als Waffe dienen. Hollywoods goldener Ritterschlag als potenzielles Schlaginstrument – darauf muss man erst einmal kommen.

Also wurde die Statue kurzerhand verpackt, eingetütet, abgegeben. Improvisiert, mit Klebeband und Luftpolsterfolie, direkt am Flughafen. Ein würdevoller Abschied sieht anders aus.

Als Talankin schließlich in Deutschland landete, wartete am Gepäckband: nichts. Kein Goldjunge, kein Symbol für künstlerischen Triumph – nur die ernüchternde Erkenntnis, dass selbst ein Oscar im globalen Reiseverkehr zum ganz normalen Verlustfall werden kann.

Die Fluggesellschaft sucht nun „mit Hochdruck“, der Ton ist betroffen, die Worte routiniert. Man arbeite mit „größter Sorgfalt“. Übersetzt heißt das: Irgendwo zwischen New York und Europa ist der wohl prominenteste verlorene Gegenstand seit Langem unterwegs – oder eben nicht mehr.

Besonders bitter: Talankin reist regelmäßig mit seiner Auszeichnung, zeigt sie bei Vorführungen, lässt sie durch die Hände des Publikums gehen. Ein Oscar zum Anfassen, nicht zum Wegschließen. Gerade das machte ihn greifbar – und jetzt eben auch verschwunden.

Die Geschichte hat etwas Absurdes: Ein Film über Propaganda und Macht, ausgezeichnet mit dem wichtigsten Preis der Branche – und am Ende scheitert die Realität an Luftpolsterfolie und Sicherheitsvorschriften.

Vielleicht taucht er wieder auf, der kleine goldene Mann. Vielleicht steht er bald irgendwo im Fundbüro neben vergessenen Regenschirmen und herrenlosen Koffern. Bis dahin bleibt die Erkenntnis: Selbst in Hollywood ist der Weg zum Happy End nicht garantiert – schon gar nicht am Flughafen.

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