Am Sonntag wird in Aue-Bad Schlema gewählt. Und wie so oft vor wichtigen Wahlen überschlagen sich die Warnungen, Analysen, Einordnungen und Expertisen. Die einen sehen den Untergang der Demokratie, die anderen die Rettung der Republik, wieder andere entdecken plötzlich den Postplatz als geopolitischen Brennpunkt von europäischer Bedeutung.
Dabei wird eine Kleinigkeit gern vergessen:
Die Entscheidung trifft am Ende nicht die Zeitung, nicht die CDU, nicht die SPD, nicht die Freien Sachsen und auch nicht irgendein Politikprofessor. Die Entscheidung trifft der Souverän – die Bürger.
Das ist das Wesen der Demokratie. Nicht jeder muss das Ergebnis mögen. Aber jeder sollte akzeptieren, dass die Wahlurne und nicht die Kommentarspalte entscheidet.
Der aktuelle Wahlkampf wirkt dabei stellenweise wie eine Mischung aus Lokalpolitik, Reality-TV und erzgebirgischer Familienfeier.
Auf der einen Seite Stefan Hartung, der seit Jahren praktisch bei jeder Wahl kandidiert, als hätte er ein Dauerabo für Stimmzettel abgeschlossen. Wenn irgendwo ein Funkmast steht, ein Bahnübergang repariert wird oder ein Mülleimer aufgestellt wird, findet sich meist jemand, der behauptet, das sei sein Verdienst gewesen.
Auf der anderen Seite Marcus Hoffmann von der CDU, der selbst offen zugibt, relativ blauäugig in seinen ersten großen Wahlkampf gegangen zu sein. Sein größtes Problem scheint derzeit zu sein, dass viele Bürger sagen: „Den kenne ich gar nicht.“ In der Politik ist das ungefähr so hilfreich wie ein Torwart, von dem die eigenen Fans nicht wissen, in welchem Verein er spielt.
Besonders bemerkenswert ist die Aufregung darüber, dass Hartung überhaupt gewinnen könnte.
Dabei wäre die eigentliche Frage doch: Warum ist die politische Mitte in einer Situation gelandet, in der ein Kandidat außerhalb des etablierten Spektrums überhaupt solche Chancen hat?
Wenn Wähler unzufrieden sind, suchen sie Alternativen. Das war schon immer so. Demokratie bedeutet eben nicht, dass Bürger automatisch so abstimmen, wie es Parteien, Medien oder politische Strategen gern hätten.
Manche Kommentatoren wirken derzeit ein wenig so, als würden sie den Wählern zurufen:
„Bitte wählt richtig!“
Worauf der durchschnittliche Bürger antworten könnte:
„Vielen Dank für den Hinweis. Aber ich mache mein Kreuz trotzdem selbst.“
Natürlich darf über Kandidaten kritisch berichtet werden. Natürlich dürfen politische Positionen hinterfragt werden. Das gehört zur Demokratie dazu.
Genauso gehört aber dazu, dass am Ende nicht die lauteste Schlagzeile entscheidet, sondern die Mehrheit der Wähler.
Und genau deshalb ist die Wahl in Aue-Bad Schlema vor allem eines:
Ein Test für die Demokratie.
Nicht weil ein bestimmter Kandidat gewinnen oder verlieren könnte. Sondern weil am Ende wieder sichtbar wird, wer in diesem Land tatsächlich das letzte Wort hat.
Nicht die Parteien.
Nicht die Journalisten.
Nicht die Aktivisten.
Nicht die Experten.
Sondern der Souverän. Die Bürger.
Und genau so sollte es in einer Demokratie auch sein.
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