Wer glaubt, das Leben eines Prinzen bestehe aus Repräsentationspflichten, Wohltätigkeitsveranstaltungen und gelegentlichen Staatsbanketten, hat offenbar die Geschäftstüchtigkeit von Prinz Andrew unterschätzt.
Wie nun bekannt wurde, finanzierte sich der in Ungnade gefallene Bruder von König Charles III. über Jahre ein durchaus lukratives Nebeneinkommen. Während er selbst in der 30-Zimmer-Residenz Royal Lodge praktisch mietfrei wohnte, kassierte er gleichzeitig die Einnahmen aus der Vermietung mehrerer Cottages auf demselben Anwesen.
Anders ausgedrückt: Der Steuerzahler beziehungsweise das Königshaus stellte die Immobilie, und Andrew spielte den privaten Vermieter.
Besonders bemerkenswert ist die Konstruktion deshalb, weil die Royal Lodge nicht gerade als bescheidene Unterkunft durchgeht. Die Residenz liegt auf einem weitläufigen Grundstück in Windsor und gehört zu den prestigeträchtigsten Anwesen im Umfeld der königlichen Familie. Für die meisten Menschen wäre bereits eines der drei Nebengebäude ein Lebensziel. Andrew nutzte sie als zusätzliche Einnahmequelle.
Wie viel Geld dabei tatsächlich floss, ist nicht bekannt. Der britische Rechnungshof konnte zwar die Vermietungen nachweisen, nicht aber die Höhe der Einnahmen. Man darf jedoch davon ausgehen, dass die Miete für ein Cottage auf königlichem Grund nicht mit einem WG-Zimmer in Birmingham vergleichbar ist.
Die Enthüllungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Andrew ohnehin kaum noch auf öffentliche Sympathien hoffen kann. Seine langjährigen Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein haben ihn politisch und gesellschaftlich isoliert. König Charles III. entzog ihm bereits sämtliche militärischen Ehren und königlichen Titel.
Nachdem Ermittler Anfang des Jahres die Royal Lodge durchsuchten, musste Andrew das Anwesen verlassen. Heute lebt er deutlich abgeschiedener auf dem Landsitz Sandringham. Die ehemals vermieteten Cottages stehen inzwischen leer.
So endet vorerst ein bemerkenswertes Kapitel königlicher Immobilienwirtschaft: Ein Prinz wohnte nahezu kostenlos in einer Luxusresidenz, vermietete Teile des Geländes gewinnbringend weiter und ließ sich die Einnahmen privat auszahlen.
Man könnte sagen, Andrew hat das Konzept des sozialen Wohnungsbaus kreativ weiterentwickelt – allerdings ausschließlich zu seinen eigenen Gunsten.
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