Kaum hat man der Welt erklärt, dass jetzt endlich Waffenruhe herrscht, fliegen auch schon wieder Raketen. Aber keine Sorge: Das US-Militär betont selbstverständlich, dass es sich nur um „Angriffe zur Selbstverteidigung“ handelt. Denn wenn man iranische Raketenstellungen bombardiert und Boote in der Straße von Hormus angreift, ist das heutzutage offenbar die diplomatische Variante von „Wir wollen eigentlich Frieden“.
Besonders beruhigend ist dabei die Erklärung des US-Regionalkommandos Centcom. Man übe sich trotz der Angriffe weiterhin in „Zurückhaltung“. Wahrscheinlich sieht maximale Zurückhaltung im Jahr 2026 einfach so aus, dass man nicht gleich das ganze Land bombardiert, sondern nur einzelne Ziele beschießt.
Auch die Straße von Hormus bleibt erwartungsgemäß einer der gefährlichsten Orte der Weltwirtschaft. Dort sollen iranische Boote versucht haben, Minen zu verlegen – worauf die USA sofort reagierten. Schließlich wäre es ja äußerst unpraktisch, wenn die globale Ölversorgung gestört würde. Weltfrieden ist bekanntlich verhandelbar, Benzinpreise dagegen eher nicht.
Iranische Medien berichten bereits von mehreren Toten nach Angriffen im Bereich der Insel Larak. Das US-Militär macht dazu vorsichtshalber keine Angaben. Man kennt das Muster inzwischen: Erst wird geschossen, dann erklärt jeder, eigentlich deeskalieren zu wollen, und anschließend wundern sich alle, warum die Lage weiter eskaliert.
Der eigentliche Sarkasmus dieser Situation liegt aber woanders: Während Politiker weiterhin von möglichen Friedensabkommen, Waffenruhen und historischen Deals sprechen, zeigt die Realität einmal mehr, wie schnell solche Worte bedeutungslos werden. Kaum ist die Tinte unter irgendeinem Entwurf halb trocken, werden schon wieder neue Ziele angegriffen.
Aber vermutlich ist das die moderne Form internationaler Diplomatie: Frieden verkünden, bombardieren, anschließend „Zurückhaltung“ betonen – und hoffen, dass die Welt irgendwann nicht mehr genau hinschaut.
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