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Dein Auto spioniert dich aus – und das ist erst der Anfang

Annabel_P (CC0), Pixabay
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Früher bedeutete Autofahren Freiheit. Heute bedeutet es offenbar: Ein rollender Computer beobachtet, ob du zu schnell bremst, traurig schaust oder heimlich in der Nase bohrst.

Moderne Autos sammeln inzwischen eine geradezu absurde Menge an Daten über ihre Fahrer. Nicht nur Standort, Geschwindigkeit oder Fahrverhalten – manche Fahrzeuge erfassen laut Datenschützern auch Gewicht, Gesichtsausdrücke, Müdigkeit, Blickbewegungen und potenziell sogar Gesundheitsdaten. Willkommen im Zeitalter des SUV mit Überwachungskomplex.

Wer glaubt, im Auto noch einen privaten Rückzugsort zu haben, unterschätzt offenbar die Begeisterung großer Konzerne für Datensammeln. Viele Fahrzeuge sind dauerhaft mit dem Internet verbunden und schicken Informationen direkt an Hersteller, Apps oder Versicherungen. Während man denkt, man fahre entspannt zum Supermarkt, erstellt irgendwo ein Server bereits ein psychologisches Profil inklusive Bremsverhalten und Musikgeschmack.

Datenschützer schlagen Alarm. Die Mozilla Foundation bezeichnete Autos nach einer Untersuchung von 25 Herstellern sogar als „die schlimmste Produktkategorie überhaupt“ beim Thema Privatsphäre. Ein erstaunlicher Titel in einer Welt, in der selbst Kühlschränke inzwischen WLAN brauchen.

Besonders beliebt sind die Daten offenbar bei Versicherungen. Einige Anbieter analysieren Fahrverhalten bereits so detailliert, dass daraus höhere Beiträge entstehen können. Starkes Bremsen? Zu aggressiv. Nächtliche Fahrten? Verdächtig. Zu viele Kurven? Offenbar emotional instabil.

Ein Fahrer in den USA erhielt laut Bericht sogar 130 Seiten Datenauswertung über jede einzelne Fahrt innerhalb von sechs Monaten. Kurz darauf stieg seine Versicherung um 21 Prozent. Das Auto wusste vermutlich irgendwann mehr über sein Leben als seine Familie.

Und es wird noch intensiver: In den USA sollen neue Gesetze künftig biometrische Kameras in Fahrzeugen verpflichtend machen. Die Systeme sollen erkennen, ob jemand betrunken oder müde fährt – durch Blicktracking, Körpersprache oder Infrarotkameras. Klingt vernünftig. Datenschützer fragen allerdings: Was passiert danach mit all diesen Gesundheits- und Verhaltensdaten? Antwort bislang: Keine Ahnung.

Die Hersteller betonen natürlich, alles geschehe mit Zustimmung der Nutzer. Praktisch bedeutet das meist, dass irgendwo zwischen Navi-Einstellungen und Bluetooth-Kopplung ein 87-seitiges Datenschutzdokument erscheint, das niemand liest. Mit einem Klick erlaubt man dann vermutlich gleichzeitig Musikstreaming und die vollständige Rekonstruktion des eigenen Lebens.

Besonders problematisch: Es gibt kaum Regeln dafür, wer die Daten kaufen darf. Versicherungen, Datenhändler, Werbefirmen oder Behörden könnten theoretisch Zugriff erhalten. Datenschützer warnen deshalb, dass Autos zunehmend zu mobilen Überwachungsplattformen werden.

Immerhin gibt es ein paar Gegenmaßnahmen. Experten raten, Telematik-Tarife von Versicherungen zu meiden, Datenschutzeinstellungen im Fahrzeug zu prüfen und Auskunft über gespeicherte Daten zu verlangen. Kurz gesagt: Man muss heute offenbar Informatik studieren, bevor man den Motor startet.

Die eigentliche Sorge bleibt jedoch größer: Das Auto der Zukunft fährt nicht nur selbstständig – es beobachtet, analysiert und bewertet dabei wahrscheinlich jede einzelne Bewegung. Und irgendwo entscheidet ein Algorithmus vielleicht schon, ob dein Fahrstil vertrauenswürdig genug für günstigere Versicherungsbeiträge ist. Oder für einen Kredit. Oder für die nächste Werbung.

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