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Bittsteller Trump

GabrielDouglas (CC0), Pixabay
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Noch vor wenigen Stunden erklärte US-Außenminister Marco Rubio geschniegelt im Fernsehen, Amerika brauche Chinas Hilfe im Iran-Krieg ungefähr so dringend wie einen zweiten Truthahn zu Thanksgiving. „Wir haben nicht darum gebeten!“, betonte er mehrfach. Ganz souverän. Ganz unabhängig.

Dann kam Donald Trump.

Und der verkündete plötzlich begeistert, Xi Jinping habe ihm seine Hilfe angeboten. Einfach so. Freundschaftlich. Fast schon wie ein Nachbar, der beim Umzug fragt, ob er kurz mit anpacken soll – nur eben mit Atommächten und einer blockierten Welthandelsroute im Hintergrund.

„Wenn ich irgendwie helfen kann, würde ich das gerne tun“, soll Xi laut Trump gesagt haben. Aus Peking gibt es dazu bislang keine Bestätigung. Vermutlich sitzt man dort noch immer mit leicht geöffnetem Mund vor den amerikanischen Nachrichtensendern.

Besonders interessant: Rubio hatte kurz zuvor noch erklärt, Trump habe Xi um „gar nichts“ gebeten. Technisch gesehen stimmt das vielleicht sogar. Offenbar läuft Diplomatie 2026 einfach so: Die USA bitten offiziell um nichts, freuen sich aber sehr, wenn China trotzdem alles regelt.

Trump lobte außerdem begeistert, Xi wolle unbedingt die Straße von Hormus wieder öffnen. Verständlich – China kauft schließlich große Mengen iranisches Öl und dürfte wenig Lust haben, dass der Welthandel dauerhaft im Stau steht wie ein Berliner Ring am Freitagnachmittag.

Zusätzlich behauptete Trump, Xi habe „mit Nachdruck“ versprochen, keine Waffen mehr an den Iran zu liefern. Eine Aussage, die in Peking vermutlich ungefähr denselben Überraschungseffekt hatte wie bei allen anderen.

Währenddessen blockiert der Iran die Meerenge, die USA blockieren iranische Häfen, die Ölpreise schießen hoch und Washington erklärt gleichzeitig, man brauche Chinas Hilfe überhaupt nicht – nimmt sie aber gerne an, wenn Xi zufällig vorbeikommt und Unterstützung anbietet.

Internationale Diplomatie wirkt inzwischen ein bisschen wie eine chaotische Familien-WhatsApp-Gruppe:
Alle widersprechen sich, niemand weiß genau, was abgesprochen wurde, und am Ende behauptet jeder, er habe sowieso recht gehabt.

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