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Cookie-Banner sollen bleiben: Die Industrie entdeckt ihre Liebe zum Datenschutz

Midora (CC0), Pixabay
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Es gibt Dinge, die niemand mag, die aber trotzdem nicht verschwinden: Steuererklärungen, Warteschleifen und Cookie-Banner. Kaum besucht man eine Website, springt einem ein digitales Verhör entgegen: „Dürfen wir Sie, Ihre Interessen und vermutlich auch Ihre Frühstücksgewohnheiten mit 847 sorgfältig ausgewählten Partnern teilen?“

Die Auswahl ist meistens denkbar einfach. Ein großer, freundlicher Knopf verkündet: „Alle akzeptieren“. Wer ablehnen möchte, darf dagegen zunächst „Einstellungen verwalten“, anschließend sieben Untermenüs öffnen und zum Abschluss wahrscheinlich noch den Datenschutzbeauftragten persönlich aus einem Labyrinth befreien.

Eigentlich wollte die EU dieser sogenannten Einwilligungsermüdung ein Ende setzen. Statt jeden Tag hundertmal so zu tun, als lese man Datenschutzerklärungen, sollte künftig eine einzige Einstellung im Browser genügen: Tracking erlauben oder ablehnen. So ähnlich funktioniert es bereits beim Zugriff auf Kamera, Mikrofon und Standort.

Eine klare Entscheidung an einer zentralen Stelle – das klingt einfach, vernünftig und benutzerfreundlich. Damit war beinahe schon absehbar, dass sich Widerstand regen würde.

Plötzlich hängt die Industrie am Cookie-Banner

Ausgerechnet Teile jener Industrie, die sich früher über Cookie-Banner beklagten, scheinen inzwischen deren verborgene Schönheit entdeckt zu haben. Acht Jahre gemeinsamer Gewöhnung verbinden eben. Man hat sich aneinander gewöhnt, gelernt, miteinander zu leben – und vor allem festgestellt, dass sehr viele Menschen irgendwann entnervt auf „Alle akzeptieren“ klicken.

Nach Angaben der Kampagne gegen Cookie-Banner stimmen auf manchen Seiten bis zu 90 Prozent der Nutzer der Datenverarbeitung zu. Das ist beeindruckend, weil gleichzeitig nur ein kleiner Teil der Menschen ausdrücklich den Wunsch äußert, auf Schritt und Tritt durchs Internet verfolgt zu werden.

Die Erklärung könnte lauten: Die Nutzer lieben personalisierte Werbung so sehr, dass sie ihren digitalen Lebenslauf freiwillig in alle Richtungen verteilen. Es könnte allerdings auch sein, dass sie lediglich den Artikel lesen möchten und der Zustimmungsbutton ungefähr so dezent gestaltet ist wie ein Notausgangsschild in einem dunklen Keller.

Einwilligung durch Erschöpfung

Die Datenschutz-Grundverordnung sollte dafür sorgen, dass Menschen bewusst entscheiden, was mit ihren Daten geschieht. In der Praxis entstand daraus häufig ein Ausdauerwettbewerb. Wer schnell auf die eigentliche Website gelangen möchte, stimmt zu. Wer ablehnen will, muss Zeit, Geduld und gelegentlich detektivische Fähigkeiten mitbringen.

So wurde aus der informierten Einwilligung eine Einwilligung durch Erschöpfung. Rechtlich hat der Nutzer entschieden. Praktisch wollte er nur wissen, wie das Wetter wird.

Verbraucherschützer, Datenschutzorganisationen und Wissenschaftler fordern deshalb unter dem Motto „Kill the Cookie Banner!“ eine zentrale Browsereinstellung. Zu den Unterstützern gehören der europäische Verbraucherverband BEUC, die Datenschutzorganisation noyb und wissenschaftliche Einrichtungen wie das Sustainable Computing Lab der Wirtschaftsuniversität Wien.

Ihre Forderung ist geradezu revolutionär: Der ausdrückliche Wunsch eines Nutzers soll tatsächlich gelten.

Der Browser könnte das regeln – wenn man ihn ließe

Technisch wäre eine einheitliche Lösung keine Mondlandung. Browser verwalten bereits Berechtigungen für Kamera, Mikrofon und Standort. Auch eine verbindliche Entscheidung über Werbetracking könnte dort hinterlegt werden.

Ansätze dafür gibt es längst. Die bekannte „Do Not Track“-Funktion leidet allerdings unter einem kleinen Konstruktionsfehler: Websites dürfen das Signal freiwillig ignorieren. Das tun offenbar viele mit jener Konsequenz, mit der ein hungriger Hund die freiwillige Aufforderung ignoriert, die Wurst auf dem Tisch nicht anzufassen.

Kalifornien ist mit der Global Privacy Control bereits weiter. Dort kann ein entsprechendes Browsersignal rechtliche Wirkung entfalten. Ausgerechnet die Heimat des Silicon Valley zeigt Europa damit, dass Datenschutz nicht zwingend in einem Banner mit 68 Schiebereglern enden muss.

Die gefährliche Klarheit einer echten Entscheidung

Eine zentrale Browsereinstellung hätte aus Sicht der Werbewirtschaft einen entscheidenden Nachteil: Die Nutzer könnten plötzlich leicht verständlich und dauerhaft Nein sagen.

Ein großer grüner Zustimmungsbutton, ein blassgrauer Ablehnungslink und mehrere Untermenüs produzieren offenbar andere Ergebnisse als eine nüchterne Frage des Browsers. Wer Tracking wirklich möchte, könnte es einschalten. Wer es nicht möchte, könnte es ausschalten. Anschließend müsste die Entscheidung sogar respektiert werden.

Das klingt nach Datenschutz, ist für datengetriebene Geschäftsmodelle aber möglicherweise eine geschäftsschädigende Form von Benutzerfreundlichkeit.

Nach Angaben der Banner-Gegner ist die ursprünglich geplante Änderung aus aktuellen Entwürfen des europäischen Gesetzespakets „Digital Omnibus“ gestrichen worden. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und Polen, sollen den Vorstoß blockieren. Die Werbe- und Trackingbranche hat offenbar erfolgreich darauf hingewiesen, dass eine freie Entscheidung der Nutzer zwar wichtig ist, aber bitte nicht so einfach sein sollte, dass sie massenhaft genutzt wird.

Irland und der Elefant im Serverraum

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf Irland, das bis zum Jahresende den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehat. Das Land kann damit politischen Einfluss auf die weitere Behandlung des Themas nehmen.

Gleichzeitig befinden sich dort die europäischen Hauptsitze zahlreicher US-Technologiekonzerne, darunter Google, Apple und Meta. Diese Unternehmen sind für Irland wirtschaftlich bedeutend. Selbstverständlich muss daraus kein Interessenkonflikt entstehen. Es ist lediglich ein bemerkenswerter Zufall, dass beim Thema Tracking ausgerechnet jenes Land eine wichtige Rolle spielt, in dem besonders viele Unternehmen vom Geschäft mit digitalen Daten profitieren.

Die irische Datenschutzaufsicht stand zudem wiederholt wegen ihrer aus Sicht von Kritikern zu zurückhaltenden Durchsetzung europäischer Regeln in der Kritik. Nun darf Irland beweisen, dass wirtschaftliche Nähe und konsequenter Datenschutz problemlos nebeneinander bestehen können – gewissermaßen wie ein Werbetracker und die Privatsphäre.

Bitte akzeptieren Sie weiterhin alles

Cookie-Banner schützen nicht automatisch die Privatsphäre. In ihrer heutigen Form dokumentieren sie vor allem, dass irgendwo geklickt wurde. Ob die Nutzer verstanden haben, wem sie welche Daten überlassen, ist eine andere Frage.

Eine zentrale Browsereinstellung wäre einfacher, ehrlicher und näher am ursprünglichen Gedanken einer selbstbestimmten Einwilligung. Genau darin liegt offenbar das Problem: Sie könnte den tatsächlichen Willen der Menschen sichtbar machen.

Bis sich die EU entschieden hat, bleibt alles beim Alten. Nutzer dürfen weiterhin täglich bestätigen, dass sie mit „berechtigtem Interesse“, „optimierter Nutzererfahrung“ und einer Reise ihrer Daten zu Hunderten Partnerunternehmen einverstanden sind.

Und nun die wichtigste Frage: Möchten Sie diesen Artikel lesen?

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Ablehnen, Einstellungen öffnen, Partner einzeln prüfen, Hoffnung aufgeben

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