Die neue Vorsaison-Rangliste der US-LBM-Trainerumfrage sorgt im amerikanischen College Football für Diskussionen. Während Ohio State auf Platz eins gesetzt wurde, sieht ein Kommentar von „USA TODAY“ vor allem Titelverteidiger Indiana und Notre Dame zu niedrig eingestuft. Gleichzeitig profitiert die SEC nach Einschätzung des Autors stärker von ihrem Ruf als von den jüngsten Ergebnissen.
Titelverteidiger Indiana nur auf Rang sechs
Indiana geht als amtierender nationaler Champion in die neue Saison, landet in der Trainerumfrage aber lediglich auf Platz sechs. Damit wurde in den vergangenen 15 Jahren nur zum zweiten Mal ein Titelverteidiger außerhalb der Top fünf eingestuft.
Die Hoosiers bringen mehrere Stammspieler in der Defensive zurück und verfügen über eine erfahrene Offensive Line. Abgänge auf den sogenannten Skill-Positionen wurden durch Transfers ausgeglichen. Als größtes Fragezeichen gilt der Wechsel auf der Quarterback-Position: Heisman-Trophy-Gewinner Fernando Mendoza wird durch den früheren TCU-Spieler Josh Hoover ersetzt.
Trainer Curt Cignetti weist in den vergangenen beiden Spielzeiten eine Bilanz von 27 Siegen bei nur zwei Niederlagen auf. Nach Ansicht des Kommentators hätte diese Erfolgsserie mehr Vertrauen und damit eine höhere Platzierung verdient.
Notre Dame als versteckter Titelkandidat
Notre Dame steht auf Rang fünf, wird im Bericht aber ebenfalls als unterschätzt bezeichnet. Die Mannschaft verfügt demnach über einen vergleichsweise günstigen Spielplan und bringt einen großen Teil ihrer Defensive sowie der Offensive Line aus der Vorsaison zurück.
Quarterback CJ Carr wird sogar als möglicher Kandidat für die Heisman Trophy genannt. Der Kader sei stark genug, um um die nationale Meisterschaft mitzuspielen. Der letzte Titelgewinn von Notre Dame liegt allerdings bereits seit der Saison 1988 zurück.
SEC mit neun Teams in den Top 25
Besonders stark vertreten ist die Southeastern Conference. Sechs SEC-Teams befinden sich unter den besten elf, sieben unter den Top 15 und insgesamt neun unter den Top 25.
Diese breite Anerkennung wird kritisch gesehen. Zwar gelten SEC und Big Ten weiterhin als stärkste Conferences, doch in den vergangenen drei Jahren stellte die SEC keinen Teilnehmer am nationalen Endspiel. Die hohe Zahl an Topplatzierungen könnte daher eher auf der früheren Dominanz als auf den jüngsten Playoff-Ergebnissen beruhen.
Auffällig ist insbesondere Oklahoma. Die Sooners wurden in der SEC-Prognose lediglich auf Rang sieben erwartet, stehen in der landesweiten Trainerumfrage aber auf Platz neun. Beides dürfte kaum gleichzeitig realistisch sein.
Ohio State profitiert von seiner Beständigkeit
Ohio State erhielt die Spitzenposition, obwohl auch Oregon, Indiana und Texas Argumente für Platz eins vorweisen können. Entscheidend dürfte vor allem die außergewöhnliche Konstanz der Buckeyes gewesen sein.
Abgesehen von der Pandemie-Saison gewann Ohio State seit 2005 fast immer mindestens zehn Spiele. Die Offensive gilt erneut als stark besetzt. Ob der Kader insgesamt besser zusammengestellt ist als jener von Oregon, Indiana oder Texas, bleibt jedoch umstritten.
Über- und unterschätzte Mannschaften
Als überbewertet nennt der Kommentar Oklahoma auf Rang neun, Mississippi auf Platz zehn, Michigan auf Rang 16 und Clemson auf Platz 23. Bei diesen Teams werden unter anderem schwierige Spielpläne, personelle Verluste, neue Trainerstäbe und offene Fragen auf der Quarterback-Position angeführt.
Unterbewertet seien dagegen Texas Tech, LSU und Southern California. Auch das nicht platzierte Louisville hätte nach Ansicht des Autors einen Rang in den Top 25 verdient – möglicherweise anstelle von Clemson.
Die Rangliste zeigt damit schon vor Saisonbeginn, wie stark Tradition, Markenwert und Conference-Ansehen die Wahrnehmung beeinflussen. Ob die Trainerumfrage sportlich richtig liegt, wird sich erst auf dem Feld zeigen.
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