Während in Havanna Menschen mit Feuerholz kochen und ganze Stadtviertel im Dunkeln liegen, ist CIA-Direktor John Ratcliffe zu Gesprächen in Kuba eingetroffen. Die Botschaft aus Washington lautet dabei sinngemäß: Hilfe gäbe es schon – allerdings nur unter den richtigen politischen Bedingungen.
Ratcliffe traf Vertreter des kubanischen Innenministeriums und der Geheimdienste, darunter auch Angehörige der Castro-Familie. Offiziell sprach man auf beiden Seiten von einem „Dialog über Sicherheit und Zusammenarbeit“. Inoffiziell dürfte es eher ein Treffen gewesen sein, bei dem zwei jahrzehntelange Gegner darüber diskutieren, wie viel Druck noch möglich ist, bevor ein Staat komplett kollabiert.
Die USA erneuerten parallel ihr Angebot über 100 Millionen Dollar humanitäre Hilfe. Allerdings soll die Unterstützung ausdrücklich nicht über die kubanische Regierung laufen, sondern über die katholische Kirche und „vertrauenswürdige unabhängige Organisationen“. Washington möchte offenbar verhindern, dass Havanna auch nur einen Sack Reis politisch verwerten kann.
Kubas Regierung reagierte entsprechend kühl. Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte, die Krise ließe sich deutlich schneller lösen, wenn die USA einfach ihre Ölblockade lockern würden. Außenminister Bruno Rodríguez meinte diplomatisch, Kuba lehne grundsätzlich keine Hilfe „in gutem Glauben“ ab – fügte aber hinzu, die eigentliche Hilfe wäre, wenn Washington aufhören würde, das Land wirtschaftlich zu strangulieren.
Die Lage auf der Insel wird inzwischen dramatisch. Wegen des massiven Treibstoffmangels funktionieren Krankenhäuser nur eingeschränkt, Schulen bleiben geschlossen, Behörden ebenso. Stromausfälle gehören längst zum Alltag. In den vergangenen Tagen kam es in Havanna zu den größten Protesten seit Beginn der Energiekrise. Menschen zogen mit Töpfen und Pfannen durch die Straßen, errichteten brennende Barrikaden und riefen: „Macht das Licht an!“
Kubas Energieminister erklärte inzwischen offen, dass dem Land Diesel und Heizöl praktisch ausgegangen seien. Hintergrund ist die verschärfte US-Politik unter Donald Trump, der mit Sanktionen und Strafzöllen massiv Druck auf Staaten ausübt, die Kuba noch mit Öl beliefern.
Gleichzeitig bereitet Washington laut CBS offenbar sogar Anklagen gegen Raúl Castro und den verstorbenen Fidel Castro wegen des Abschusses zweier Flugzeuge im Jahr 1996 vor. Selbst während Kuba im Dunkeln sitzt, arbeitet die amerikanische Bürokratie also weiter zuverlässig an historischen Rechnungen.
In Havanna dürfte man die Botschaft verstanden haben: Die USA bieten Hilfe an – allerdings nur in jener klassischen Form, bei der zuerst jemand das Haus anzündet und danach großzügig einen Feuerlöscher vorbeibringt.
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