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Chris Smalling sucht neuen Verein: Der ungewöhnliche Karriereweg eines Routiniers

geralt (CC0), Pixabay
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Chris Smalling ist zurück im Nordwesten Englands und sucht nach einer neuen sportlichen Herausforderung. Der inzwischen 36 Jahre alte frühere englische Nationalspieler will seine Karriere noch nicht beenden. Nach einer Saison in Saudi-Arabien richtet sich sein Blick nun auf einen neuen Klub.

Smalling kann auf eine bemerkenswerte Laufbahn zurückblicken. Innerhalb von nur drei Jahren schaffte er den Sprung vom englischen Amateurfußball bis in ein Champions-League-Finale. Insgesamt absolvierte er bislang rund 580 Vereinsspiele in drei Ländern, lief 31-mal für die englische Nationalmannschaft auf und gewann Titel mit Manchester United und der AS Rom.

Einen Großteil seiner Karriere arbeitete er unter zwei der bekanntesten Trainer des europäischen Fußballs: Sir Alex Ferguson und José Mourinho.

Der Körper entscheidet über die Zukunft

Smalling ist überzeugt, dass er auch im fortgeschrittenen Fußballeralter noch auf hohem Niveau spielen kann. Nach eigener Aussage kennt er seinen Körper heute besser als mit 26 Jahren.

Mit zunehmendem Alter habe sich sein gesamter Alltag verändert. Regeneration, Ernährung und individuelle Trainingssteuerung seien inzwischen mindestens genauso wichtig wie die eigentlichen Einheiten auf dem Platz.

Smalling ließ sogar genetische Tests durchführen, um Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel genauer auf seinen Körper abzustimmen. Dadurch habe er mehrere seiner bisherigen Präparate verändert.

In der vergangenen Saison gehörte der Innenverteidiger beim saudi-arabischen Klub Al-Fayha zum Stammpersonal. Dass er regelmäßig eingesetzt wurde, sieht er als Beleg dafür, dass seine körperliche Leistungsfähigkeit weiterhin vorhanden ist.

Vom Amateurfußball zu Fulham

Dabei war eine Profikarriere ursprünglich keineswegs geplant.

Smalling spielte beim Amateurverein Maidstone United und wollte an einer Universität Finanzökonomie studieren. Seinen Studienplatz hatte er bereits sicher. Parallel suchte er nach einem Amateurklub in der Nähe von Leicester, um weiterhin Fußball spielen zu können.

Dann erhielt er überraschend die Möglichkeit, sich beim FC Fulham zu zeigen.

Trainer Roy Hodgson beobachtete ihn in einem Trainingsspiel und bot ihm bereits nach wenigen Tagen einen Vertrag an. Smalling blieb kaum Zeit, die Tragweite dieser Entscheidung zu verstehen.

Der Wechsel veränderte sein Leben. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus einem Amateurspieler ein Premier-League-Profi.

Ferguson überzeugte ihn persönlich

Nur wenige Monate später folgte die nächste überraschende Wendung.

Im Januar 2010 gehörte Smalling zum Fulham-Kader für ein Auswärtsspiel bei den Blackburn Rovers. Am Vorabend der Partie holte Hodgson ihn aus dem Mannschaftsbus und teilte ihm mit, dass Fulham ein Angebot von Manchester United angenommen habe.

Sir Alex Ferguson werde in 45 Minuten im Hotel eintreffen.

Smalling rief zunächst seine Mutter an. Danach habe er nervös überlegt, welche Fragen er einem der erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte stellen könne.

Das Gespräch dauerte mehrere Stunden. Ferguson habe ruhig und überzeugend erklärt, dass Smalling seine Chance bekommen werde. Obwohl Manchester United damals bereits über mehrere herausragende Innenverteidiger verfügte, vermittelte ihm der Trainer das Gefühl, langfristig eingeplant zu sein.

Für Smalling war diese persönliche Überzeugungskraft eine der größten Stärken Fergusons.

Schwieriges Bild von Mourinho

Auch seine Beziehung zu José Mourinho bewertet Smalling positiver, als es von außen häufig dargestellt wurde.

Im November 2016 hatte Mourinho den Verteidiger öffentlich kritisiert, weil dieser wegen einer Verletzung nicht spielen wollte. Die Szene prägte lange das öffentliche Bild ihrer Zusammenarbeit.

Smalling selbst sieht die Situation anders.

Mourinho habe ihn sowohl bei Manchester United als auch später bei der AS Rom regelmäßig eingesetzt. Zwischen beiden habe ein vertrauensvolles Verhältnis bestanden.

Der Verteidiger schildert, dass er zeitweise trotz eines gebrochenen Zehs spielte und sich dafür behandeln ließ. Als die medizinisch zulässige Grenze erreicht war und er ein Aufwärmprogramm abbrechen musste, sei Mourinho enttäuscht gewesen.

Smalling verstand dies nicht als mangelnde Wertschätzung, sondern als Zeichen dafür, wie sehr der Trainer auf ihn gesetzt habe.

Was große Trainer auszeichnet

Für Smalling liegt die besondere Qualität von Trainern wie Ferguson und Mourinho nicht nur in Taktik oder Mannschaftsansprachen.

Beide hätten es geschafft, auch erfahrenen Spielern neues Selbstvertrauen zu geben. Junge Profis ließen sich relativ leicht motivieren. Schwieriger sei es, gestandene Spieler mit direktem Blickkontakt, Leidenschaft und echter Überzeugung für eine Aufgabe zu gewinnen.

Wenn Führungsspieler einem Trainer glaubten, ziehe der Rest der Mannschaft nach. Genau darin sieht Smalling eine Eigenschaft, die nur wenige Trainer besitzen.

Mit Mourinho steht er weiterhin in Kontakt. Zu dessen Wechsel zu Real Madrid wünschte er seinem früheren Trainer persönlich viel Erfolg.

Trainerkarriere ist nicht geplant

Trotz seiner Erfahrungen unter mehreren Spitzentrainern plant Smalling derzeit keine Laufbahn als Coach.

Er beschäftigt sich stattdessen mit Bildungsprojekten für junge Fußballspieler. Gemeinsam mit dem Global Institute of Sport arbeitet er an einem Ausbildungsprogramm, das Nachwuchsprofis auf die Herausforderungen einer Karriere vorbereiten soll.

Weitere Projekte befinden sich nach seinen Angaben ebenfalls in Planung.

Noch steht jedoch der aktive Fußball im Mittelpunkt. Smalling betont, dass er weiterhin die nötige Motivation und körperliche Verfassung besitze.

Mehr als nur ein Verteidiger

Ein neuer Verein würde nach Smallings Überzeugung nicht nur einen erfahrenen Innenverteidiger verpflichten.

Während seiner Zeit bei Al-Fayha setzte er sich auch dafür ein, die Trainingsbedingungen außerhalb des Platzes zu verbessern. So half er mit, die Ausstattung des Fitnessbereichs stärker an professionelle Standards anzupassen.

Smalling ist stolz darauf, bei seinen bisherigen Vereinen nicht nur sportlich, sondern auch menschlich einen positiven Eindruck hinterlassen zu haben.

Risiko statt Universität

Der Verzicht auf das Studium erwies sich rückblickend als richtige Entscheidung. Sicher war der Weg jedoch keineswegs.

In seinem ersten Jahr bei Fulham verdiente Smalling nach eigener Aussage nicht besonders viel. Er spielte überwiegend für die Reserve und reiste häufig als zusätzlicher Spieler mit der Profimannschaft, ohne auf der Ersatzbank zu sitzen.

Eine Garantie auf eine erfolgreiche Karriere gab es nicht.

Erst der Wechsel zu Manchester United brachte langfristige Sicherheit. Smalling unterschrieb zunächst einen Vierjahresvertrag. Schon nach der ersten Saison wurde dieser verlängert, später folgten weitere neue Verträge.

Der nächste sportliche und finanzielle Anreiz sei dadurch immer sichtbar gewesen. Dennoch habe er nie etwas als selbstverständlich betrachtet.

Die Karriere soll weitergehen

Smallings Geschichte ist eine Ausnahme im modernen Profifußball.

Vom Amateurverein über Fulham zu Manchester United, von der englischen Nationalmannschaft nach Italien und Saudi-Arabien – der Verteidiger hat nahezu alle Ebenen des internationalen Fußballs erlebt.

Nun wartet er auf die nächste Gelegenheit.

Seine Karriere nach dem Fußball ist bereits vorbereitet. Doch noch will Smalling nicht vom Platz verschwinden. Er sucht einen Verein, der ihm zutraut, seine Erfahrung, körperliche Präsenz und Führungsqualität weiterhin einzubringen.

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