Die Champions League ist zurück – und sie hat sich zum Auftakt nicht lange mit vorsichtigem Abtasten beschäftigt. Paris Saint-Germain erzielte sechs Tore, der FC Barcelona schenkte Feyenoord fünf Treffer ein, der VfB Stuttgart feierte einen überragenden Ermedin Demirović und Real Madrid musste trotz eines Sieges feststellen, dass auch der Rekordsieger nicht gemütlich durch Europa spazieren kann.
Der erste Spieltag der Ligaphase erstreckt sich vom 8. bis zum 10. September. Während einige Favoriten ihre ersten Punkte bereits eingesammelt haben, greifen andere Mannschaften am Donnerstagabend noch in den Wettbewerb ein. Dazu gehört auch der FC Bayern München.
Das neue Format bleibt bestehen
Die Champions League wird zum dritten Mal im reformierten Ligamodus ausgetragen. Die frühere Gruppenphase mit Vierergruppen gehört weiterhin der Vergangenheit an.
Stattdessen treten 36 Mannschaften in einer gemeinsamen Ligatabelle an. Jedes Team bestreitet acht Partien gegen acht unterschiedliche Gegner – vier zu Hause und vier auswärts.
Die besten acht Mannschaften der Abschlusstabelle qualifizieren sich direkt für das Achtelfinale. Die Teams auf den Plätzen neun bis 24 müssen in die K.-o.-Play-offs. Für die Vereine ab Rang 25 ist die Europapokalsaison beendet. Ein Wechsel in die Europa League ist nicht mehr möglich.
Damit zählt jeder Punkt. Ein schwacher Abend kann sich ebenso lange bemerkbar machen wie ein hoher Sieg, der wegen des Torverhältnisses später noch wertvoll werden könnte.
Die Ligaphase läuft bis zum 27. Januar 2027. Das Finale findet am 5. Juni 2027 im Estadio Metropolitano in Madrid statt.
Paris beginnt mit sechs Toren
Titelverteidiger Paris Saint-Germain startete mit einer eindrucksvollen Machtdemonstration in die neue Saison. Gegen Slovan Bratislava gewann der französische Spitzenclub mit 6:1.
Ferran Torres erzielte bei seinem Champions-League-Debüt für Paris drei Treffer. Ousmane Dembélé steuerte zwei Tore bei. Der Titelverteidiger machte damit sofort deutlich, dass er auch in dieser Saison zu den wichtigsten Anwärtern auf den Henkelpokal gehört.
Paris besitzt in der Ligaphase allerdings ein anspruchsvolles Programm. Unter anderem warten Begegnungen mit Barcelona und Manchester City. Der deutliche Auftaktsieg verschafft dem Titelverteidiger eine ausgezeichnete Ausgangslage, ist aber noch lange kein Freifahrtschein für das Achtelfinale.
Barcelona überrollt Feyenoord
Auch der FC Barcelona eröffnete die neue Champions-League-Saison mit einem Offensivfeuerwerk. Die Katalanen besiegten Feyenoord Rotterdam mit 5:1.
Kapitän Raphinha traf doppelt. Außerdem waren Karim Adeyemi, Lamine Yamal und Gabriel Jesus erfolgreich. Barcelona präsentierte sich temporeich, spielstark und vor dem Tor ausgesprochen entschlossen.
Die Mannschaft setzte damit eines der deutlichsten Zeichen des ersten Spieltags. Nach dem überzeugenden Auftakt dürfte Barcelona in der Diskussion über die Turnierfavoriten noch stärker in den Mittelpunkt rücken.
Die große Frage bleibt, ob die Katalanen diese offensive Qualität auch gegen die europäischen Schwergewichte zeigen können. Mit Paris Saint-Germain und Manchester City warten in der Ligaphase deutlich schwierigere Aufgaben.
Demirović beschert Stuttgart einen Traumstart
Aus deutscher Sicht gehörte der Mittwochabend vor allem Ermedin Demirović. Der Stürmer des VfB Stuttgart erzielte beim 3:1 gegen Viking Stavanger innerhalb von nur zwölf Minuten einen Hattrick.
Damit entschied er die Partie praktisch im Alleingang und sorgte für einen gelungenen Start der Schwaben. Für Stuttgart sind die drei Punkte besonders wichtig, weil im weiteren Verlauf der Ligaphase deutlich stärkere Gegner warten.
Der schnelle Hattrick war zugleich eine der bemerkenswertesten Einzelleistungen des ersten Spieltags. Demirović nutzte seine Möglichkeiten konsequent und zeigte, wie entscheidend ein treffsicherer Angreifer im neuen Ligamodus sein kann.
Stuttgart steht nach dem ersten Auftritt nicht nur mit drei Punkten da, sondern besitzt dank des 3:1-Erfolgs auch eine gute Tordifferenz. Das kann im Kampf um die ersten 24 Plätze noch eine wichtige Rolle spielen.
Real Madrid gewinnt mit Mühe
Real Madrid setzte sich im Duell zweier europäischer Traditionsclubs mit 2:1 gegen Inter Mailand durch. Das Ergebnis klingt souveräner, als der Spielverlauf tatsächlich war.
Kylian Mbappé brachte Madrid auf Kurs. Federico Valverde erzielte den zweiten Treffer. Inter bestimmte jedoch über längere Phasen das Spiel und zwang Torhüter Thibaut Courtois zu mehreren wichtigen Paraden.
Carlos Augusto verkürzte für die Italiener, doch Real brachte den knappen Vorsprung über die Zeit. Der Rekordsieger sicherte sich damit drei Punkte, ohne bereits seine beste Form gezeigt zu haben.
Mbappé erreichte mit seinem Treffer eine weitere persönliche Bestmarke. Es war sein 71. Tor in der Champions League. Damit zog er in der ewigen Torjägerliste mit Real-Legende Raúl gleich – und benötigte dafür deutlich weniger Spiele.
Für Gesprächsstoff sorgte außerdem die Auszeichnung zum Spieler des Spiels. Valverde erhielt die Ehrung, Real-Trainer José Mourinho hätte sie nach der starken Leistung lieber bei Courtois gesehen. Madrid gewann also nicht nur das Spiel, sondern lieferte gleich die erste vereinsinterne Debatte der Europapokalsaison mit.
Arsenal siegt spät in Neapel
Der FC Arsenal begann die neue Champions-League-Saison mit einem wichtigen Auswärtssieg. Beim SSC Neapel gewannen die Londoner mit 1:0.
Lange sah es nach einer torlosen Begegnung aus. Erst in der Schlussphase sorgte Kapitän Martin Ødegaard für die Entscheidung.
Arsenal kontrollierte über weite Strecken das Spiel, tat sich jedoch schwer, die Überlegenheit in klare Torchancen und Treffer umzuwandeln. Ødegaards spätes Tor ersparte dem Vorjahresfinalisten einen enttäuschenden Start.
Ein Auswärtssieg in Neapel ist unabhängig von der Spielweise ein starkes Ergebnis. Arsenal bewies Geduld und nahm drei Punkte aus einem Stadion mit, in dem sich schon viele europäische Spitzenmannschaften schwertaten.
Liverpool dreht die Partie gegen Atlético
Der FC Liverpool setzte sich an der Anfield Road mit 2:1 gegen Atlético Madrid durch.
Die Gäste gingen durch Marcos Llorente in Führung. Liverpool reagierte jedoch und drehte die Begegnung durch Treffer von Dominik Szoboszlai und Alexis Mac Allister.
Der Sieg war für die Mannschaft auch deshalb bedeutend, weil Liverpool nach dem Rückstand nicht die Kontrolle verlor. Gegen das defensiv erfahrene Atlético ist eine solche Wende keineswegs selbstverständlich.
Die Engländer starten damit erfolgreich in ein anspruchsvolles Programm. Neben Atlético warten unter anderem Inter Mailand, Porto und Villarreal.
Sporting dreht ein frühes Eigentor
Sporting Lissabon geriet gegen Galatasaray bereits in der fünften Minute durch ein Eigentor in Rückstand. Die Portugiesen ließen sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen und gewannen noch mit 3:1.
Geny Catamo, Luis Suárez und Rodrigo Zalazar sorgten für die Wende. Sporting zeigte damit, dass ein schlechter Beginn nicht zwangsläufig einen schlechten Abend ergeben muss.
Für Galatasaray verlief der Auftakt dagegen enttäuschend. Die Türken konnten die frühe Führung nicht nutzen und verloren zunehmend die Kontrolle über die Partie.
Manchester City startet ebenfalls erfolgreich
Manchester City gewann seine Auftaktpartie beim FC Porto mit 2:0. Der englische Spitzenclub vermied damit einen Fehlstart und sammelte auswärts drei wichtige Punkte.
City gehört auch in dieser Saison zum engeren Kreis der Favoriten. Die Ligaphase hält allerdings einige hochkarätige Aufgaben bereit. Unter anderem trifft Manchester auf Paris Saint-Germain und den FC Barcelona.
Gerade in diesen Begegnungen wird sich zeigen, wie stark City im Vergleich zu den anderen Titelanwärtern tatsächlich ist.
Österreichischer Rückschlag in Athen
Für den LASK begann die Champions-League-Saison mit einer Niederlage. Die Linzer verloren bei AEK Athen mit 0:1.
Das entscheidende Tor erzielte Răzvan Marin. Der LASK blieb trotz einer kämpferischen Vorstellung ohne Punkt und steht damit bereits vor dem zweiten Spieltag unter Druck.
Im neuen Ligamodus kann eine Auswärtsniederlage zwar ausgeglichen werden. Gegen die noch kommenden Gegner muss der österreichische Vertreter jedoch effizienter auftreten, wenn zumindest der Einzug in die K.-o.-Play-offs gelingen soll.
Die ungewöhnlichen Neulinge
Die Ligaphase bringt in dieser Saison einige Vereine auf die größte Bühne des europäischen Clubfußballs, mit denen vor wenigen Jahren kaum jemand gerechnet hätte.
Sabah aus Aserbaidschan erreichte die Champions League nach vier überstandenen Qualifikationsrunden. Zum Auftakt wartet ausgerechnet ein Auswärtsspiel bei Manchester United.
Auch Viking Stavanger gehört zu den überraschenden Teilnehmern. Die Norweger mussten bei ihrem ersten Auftritt allerdings sofort Bekanntschaft mit Demirović und dem VfB Stuttgart machen.
Der italienische Club Como hat ebenfalls einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich. Der Verein entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit von einem Traditionsclub mit schwieriger Vergangenheit zu einem Teilnehmer der Champions League.
Die neuen Namen sorgen dafür, dass der Wettbewerb trotz der großen Zahl etablierter Spitzenclubs nicht ausschließlich aus den üblichen Verdächtigen besteht.
Bayern startet gegen Bodø/Glimt
Der FC Bayern München greift am Donnerstagabend in den Wettbewerb ein. Der deutsche Meister empfängt Bodø/Glimt in der Allianz Arena.
Auf dem Papier ist Bayern klarer Favorit. Die Norweger dürfen jedoch nicht unterschätzt werden. Bodø/Glimt reist mit einer langen Serie ohne Niederlage und großem Selbstvertrauen nach München.
Die Bayern wollen nach dem Halbfinal-Aus gegen Paris Saint-Germain in der vergangenen Saison einen neuen Angriff auf den Titel starten. Trainer Vincent Kompany verfügt über eine erfahrene Mannschaft, die in der Ligaphase unter anderem auch gegen Arsenal und Manchester United antreten muss.
Harry Kane soll erneut für die Tore sorgen. Bei Jamal Musiala wurde vor der Partie noch über seinen körperlichen Zustand beraten. Bayern möchte gegen den Außenseiter dennoch vom ersten Spiel an deutlich machen, dass der direkte Einzug ins Achtelfinale das Mindestziel ist.
Vier deutsche Mannschaften dabei
Deutschland wird in dieser Saison durch vier Vereine vertreten:
- FC Bayern München
- Borussia Dortmund
- RB Leipzig
- VfB Stuttgart
Stuttgart hat seinen Auftakt bereits erfolgreich absolviert. Bayern, Dortmund und Leipzig müssen nun nachziehen.
Der FC Bayern zählt wie gewohnt zu den Titelkandidaten. Borussia Dortmund besitzt viel internationale Erfahrung, muss in der Ligaphase aber unter anderem gegen Inter Mailand und Arsenal bestehen.
RB Leipzig trifft auf mehrere spielstarke Gegner und benötigt einen stabilen Start, um nicht früh in den Kampf um die Play-off-Plätze zu geraten.
Stuttgart geht mit dem Vorteil der ersten drei Punkte in die kommenden Begegnungen. Der Hattrick von Demirović hat der Mannschaft zudem viel Aufmerksamkeit verschafft.
Ein neues VAR-Zentrum
Auch bei der Organisation des Wettbewerbs gibt es eine Neuerung. Die UEFA hat zum Saisonstart ein neues zentrales VAR-Zentrum eingerichtet.
Dort sollen Videoentscheidungen koordiniert und die Abläufe weiter vereinheitlicht werden. Ziel ist es, strittige Szenen schneller und nachvollziehbarer zu beurteilen.
Ob die Diskussionen über Handspiel, Abseits und Eingriffe des Videoassistenten dadurch tatsächlich leiser werden, bleibt abzuwarten. Im europäischen Spitzenfußball gehört die Debatte über Schiedsrichterentscheidungen inzwischen beinahe so zuverlässig zum Spieltag wie Tore und Trainerinterviews.
Besondere Kennzeichnung für Debütanten
Spieler, die erstmals in der Champions League eingesetzt werden, erhalten in dieser Saison eine besondere Kennzeichnung auf ihrem Trikot.
Der sogenannte Debütaufnäher befindet sich im bekannten Sternenball-Symbol. Er wird nur getragen, wenn der betreffende Spieler tatsächlich auf dem Platz erscheint. Ein Platz auf der Ersatzbank genügt nicht.
Nach dem Spiel sollen die Aufnäher eingesammelt und für zertifizierte Sammelkarten verwendet werden. Die UEFA verbindet damit den sportlichen Moment des ersten Champions-League-Einsatzes mit dem wachsenden Markt für Erinnerungsstücke und Sammlerprodukte.
Der lange Weg nach Madrid
Nach dem Auftakt folgen die weiteren Spieltage im Oktober, November und Dezember. Die beiden letzten Runden der Ligaphase werden im Januar 2027 ausgetragen.
Die K.-o.-Play-offs beginnen im Februar. Das Achtelfinale folgt im März, das Viertelfinale im April. Die Halbfinalspiele finden Ende April und Anfang Mai statt.
Am 5. Juni 2027 entscheidet sich im Estadio Metropolitano von Madrid, wer den wichtigsten Titel des europäischen Vereinsfußballs gewinnt.
Nach den ersten Begegnungen haben Paris Saint-Germain und Barcelona die deutlichsten Ausrufezeichen gesetzt. Stuttgart feierte einen perfekten Start, Arsenal und Liverpool bewiesen Geduld, Real Madrid gewann trotz Problemen und Manchester City erledigte seine erste Aufgabe souverän.
Eine endgültige Rangordnung lässt sich daraus noch nicht ableiten. Acht unterschiedliche Gegner, eine gemeinsame Tabelle und die lange Saison werden dafür sorgen, dass sich das Bild mehrfach verändert.
Fest steht nach den ersten beiden Abenden nur: Die Champions League ist zurück – und sie hat bereits genügend Tore, Geschichten und Diskussionen geliefert, um bis zum nächsten Spieltag für Gesprächsstoff zu sorgen.
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