Startseite Allgemeines Britischer Whistleblower legt frühere Geschäftsverbindungen von US-Handelsminister Lutnick zu Epstein offen
Allgemeines

Britischer Whistleblower legt frühere Geschäftsverbindungen von US-Handelsminister Lutnick zu Epstein offen

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
Teilen

Ein früherer Wall-Street-Manager hat nach eigenen Angaben Dokumente entdeckt, die auf geschäftliche Verbindungen zwischen dem heutigen US-Handelsminister Howard Lutnick und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hindeuten.

Der Brite Simon Andriesz arbeitete früher als Geschäftsführer beim Finanzunternehmen BGC Partners, das zur Unternehmensgruppe von Lutnicks Cantor Fitzgerald gehörte. Bei der Durchsicht von Millionen freigegebenen Epstein-Dokumenten stieß er auf eine E-Mail-Korrespondenz aus dem Jahr 2018. Darin sollen Lutnick und Epstein über die wirtschaftlichen Aussichten eines Unternehmens gesprochen haben, an dem beide Seiten beteiligt waren.

Lutnick wurde 2025 von US-Präsident Donald Trump zum Handelsminister ernannt. Das amerikanische Handelsministerium erklärte, es gebe keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des Ministers.

Suche in 3,5 Millionen Dokumenten

Andriesz fand seinen eigenen Namen in den umfangreichen Epstein-Unterlagen. Die entsprechenden Dokumente bezogen sich auf Gespräche, die er während eines Konflikts mit seinem früheren Arbeitgeber mit der US-Bundespolizei FBI geführt hatte.

Bereits 2016 hatte Andriesz intern auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei BGC Partners hingewiesen. Ein Jahr später wurde er entlassen. Einige seiner damaligen Hinweise führten später dazu, dass eine US-Aufsichtsbehörde gegen BGC eine Strafe von drei Millionen Dollar wegen Verstößen bei Aufsicht, Berichterstattung und Dokumentation verhängte. Das Unternehmen weist die weitergehenden Vorwürfe von Andriesz jedoch als falsch und unglaubwürdig zurück.

Nach eigener Darstellung hatte Andriesz dem FBI auch von möglichen nicht offengelegten Geschäftsbeziehungen zwischen Lutnick und Epstein berichtet. Eine Untersuchung dieser konkreten Behauptungen erfolgte demnach nicht.

Suche nach Initialen führt zu E-Mails

Öffentliche Recherchen in den Epstein-Unterlagen konzentrierten sich zunächst auf Lutnicks vollständigen Namen. Andriesz wusste jedoch aus seiner früheren Tätigkeit, dass Führungskräfte von Cantor Fitzgerald in E-Mails häufig Initialen verwendeten.

Er suchte deshalb nach „HWL“ – den Initialen von Howard William Lutnick. Dabei fand er Nachrichten aus dem Jahr 2018 über das digitale Werbeunternehmen Adfin. Epstein und Cantor Fitzgerald sollen beide in das Unternehmen investiert haben.

In einer Nachricht fragte Epstein das mit „HWL“ verbundene Konto nach den Zukunftsaussichten von Adfin. Darauf folgte eine Antwort, wonach das Unternehmen endlich Umsätze erziele und sich innerhalb der kommenden zwölf Monate wirtschaftlich selbst tragen müsse.

Andriesz übergab die Unterlagen anschließend Mitgliedern des Kontrollausschusses des US-Repräsentantenhauses. Lutnick sagte im Mai in einer nicht öffentlichen Anhörung vor dem Ausschuss aus.

Lutnick weist Vorwürfe zurück

Der Handelsminister erklärte vor dem Ausschuss, er habe nach bestem Wissen erst 2026 erfahren, dass Epstein ebenfalls an Adfin beteiligt gewesen sei.

Demokratische Mitglieder des Ausschusses warfen Lutnick daraufhin vor, das Gremium nicht wahrheitsgemäß informiert zu haben. Alle 21 demokratischen Mitglieder forderten seinen Rücktritt. Lutnick wurde im Zusammenhang mit Epstein jedoch kein strafbares Verhalten vorgeworfen.

Er verurteilte Epsteins Taten und erklärte, die Betroffenen seiner Verbrechen verdienten Respekt und Unterstützung. Das US-Handelsministerium bezeichnete die Vorwürfe als parteipolitisches Ablenkungsmanöver und betonte, es gebe keine Beweise für ein Fehlverhalten.

Frühere Darstellung gerät unter Druck

Lutnick hatte zuvor in einem Podcast erklärt, Epstein nur ein einziges Mal vor etwa 20 Jahren getroffen zu haben. Er habe dessen Verhalten damals als abstoßend empfunden.

Später veröffentlichte Dokumente warfen jedoch Fragen zu dieser Darstellung auf. Unter anderem tauchte ein Foto aus dem Dezember 2012 auf, das Lutnick gemeinsam mit Epstein auf dessen Karibikinsel Little St James zeigt. Zu diesem Zeitpunkt war Epstein bereits wegen der Anbahnung von Prostitution verurteilt worden – in einem Fall unter Beteiligung einer Minderjährigen.

Das Foto belegt eine persönliche Begegnung. Welche geschäftliche oder private Bedeutung der Besuch hatte, geht daraus allein jedoch nicht hervor.

Geplanter Millionenkredit an Prinz Andrew

Andriesz fand nach eigenen Angaben außerdem Dokumente über ein geplantes Geschäft zwischen Cantor Fitzgerald und dem damaligen britischen Prinzen Andrew.

Interne Unterlagen sollen gezeigt haben, dass das Unternehmen 2013 erwog, einer vom Prinzen kontrollierten Firma eine Million Pfund zu leihen. Im Gegenzug sollte Andrew exklusiv wohlhabende Privatpersonen und staatliche Institutionen als mögliche Kunden an Cantor Fitzgerald vermitteln.

Andriesz bezeichnete das Vorhaben zugespitzt als Versuch, „einen Prinzen zu kaufen“.

Auch Epstein soll in die Diskussionen einbezogen gewesen sein. Den Dokumenten zufolge warnte er einen Berater Andrews vor den Bedingungen des Geschäfts, insbesondere vor der vorgesehenen Exklusivität.

Die Gespräche zogen sich offenbar über mehrere Monate hin, führten letztlich aber zu keinem Vertragsabschluss. Cantor Fitzgerald bestritt nicht, dass Verhandlungen stattgefunden hatten, erklärte jedoch, kein Geschäft mit dem früheren Prinzen abgeschlossen zu haben. Andrew reagierte nicht auf eine Anfrage.

Whistleblower beklagt persönliche Folgen

Andriesz lebt inzwischen in Cornwall. Nach eigenen Angaben haben die jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen seine Gesundheit, seine berufliche Laufbahn und seine finanzielle Situation schwer belastet.

Für seine Hinweise erhielt er von einer US-Aufsichtsbehörde eine Belohnung von 420.000 Dollar. Gleichzeitig wirft er Behörden in den USA und Großbritannien vor, seine früheren Arbeitgeber nicht ausreichend zur Verantwortung gezogen und ihn nicht wirksam vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen geschützt zu haben.

BGC weist dies zurück. Das Unternehmen erklärt, über umfassende Schutzregeln für Whistleblower zu verfügen und Andriesz nicht benachteiligt zu haben. Seine Entlassung sei erfolgt, nachdem er medizinische Empfehlungen und angebotene Anpassungen seiner Arbeit abgelehnt und seine Tätigkeit schließlich aufgegeben habe.

Auch das Weiße Haus wies die Berichterstattung scharf zurück. Die Vorwürfe änderten nichts an Lutnicks Arbeit als Handelsminister.

Die veröffentlichten Dokumente werfen damit weitere Fragen über Art und Umfang früherer Kontakte zwischen Lutnick, Epstein und dessen Umfeld auf. Ein strafrechtliches Fehlverhalten Lutnicks ist daraus bislang jedoch nicht belegt.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Zyklus-Apps im Datenschutz-Check: Wenn intime Gesundheitsdaten bei Werbekonzernen landen

  Menstruations-Apps speichern Angaben zu Schwangerschaft, Verhütung, Stimmung und Beschwerden. Eine Untersuchung...

Allgemeines

Komentar eines Strafrechtlers

Nach dem bisher öffentlich Bekannten halte ich zwölf Jahre Haft für vertretbar...

Allgemeines

Trump verteidigt Rechenzentren und kritisiert New Yorks Baustopp

US-Präsident Donald Trump hat sich nachdrücklich für den Ausbau großer Rechenzentren ausgesprochen...

Allgemeines

Florida plant erstmals seit 62 Jahren zwei Hinrichtungen an einem Tag

Der US-Bundesstaat Florida will am 28. Juli 2026 erstmals seit mehr als...