Der britische Botschafter in den USA, Sir Christian Turner, hat in einer internen Gesprächsrunde Zweifel am traditionellen Begriff der „besonderen Beziehung“ zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten geäußert. Seiner Einschätzung nach habe aktuell „wahrscheinlich nur Israel“ eine solche Sonderstellung gegenüber den USA.
Die inzwischen bekannt gewordenen Aussagen stammen aus einem Treffen mit britischen Schülern im Februar und wurden kurz vor dem Staatsbesuch von König Charles III. in Washington publik – ein heikler Zeitpunkt angesichts angespannter Beziehungen zwischen London und Washington.
Das britische Außenministerium betonte, es habe sich um „private, informelle Äußerungen“ gehandelt, die nicht die offizielle Haltung der Regierung widerspiegelten.
In dem Mitschnitt erklärt Turner, der Begriff „special relationship“ sei überholt und belastet. Zwar gebe es weiterhin enge Verbindungen zwischen Großbritannien und den USA, insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung und Wirtschaft. Dennoch befinde man sich „am Ende einer Ära“, und Europa könne sich nicht mehr uneingeschränkt auf den Schutz durch die USA verlassen.
Turner rief dazu auf, die Partnerschaft neu zu definieren und klarer herauszustellen, welchen Beitrag Großbritannien künftig leisten könne.
Unterstützung erhielt er von Ex-Außenminister Jack Straw, der ebenfalls betonte, dass die engen militärischen und finanziellen Beziehungen zwischen den USA und Israel tatsächlich eine besondere Stellung begründeten.
Kritik kam hingegen von früheren Diplomaten, die die Veröffentlichung der vertraulichen Aussagen als Vertrauensbruch bezeichneten.
Für zusätzliche Irritation sorgten Turners Bemerkungen zum Fall Jeffrey Epstein. Er äußerte Verwunderung darüber, dass der Skandal in den USA vergleichsweise geringe politische Folgen gehabt habe – im Gegensatz zu Großbritannien.
Die Veröffentlichung seiner Aussagen fällt in eine politisch sensible Phase und sorgt für Unruhe während des königlichen Besuchs in den USA.
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