Als Dortmund-Fan hat man in Transferphasen ja gelernt, vorsichtig zu werden. Erst heißt es „heißes Interesse“, dann „fortgeschrittene Gespräche“, dann „nur noch Details“ – und am Ende steht der Spieler plötzlich mit einem Schal von irgendeinem Premier-League-Klub vor der Kamera.
Aber bei Said El Mala darf man ruhig ein bisschen träumen.
Der BVB soll nach Informationen von Sky Sport ein erstes Angebot für den 19-Jährigen abgegeben haben: 26 Millionen Euro Sockelablöse, dazu acht Millionen an leicht erreichbaren Boni und weitere acht Millionen an schwierigeren Bonuszahlungen.
Macht im besten Fall 42 Millionen Euro.
Der 1. FC Köln war davon offenbar wenig begeistert und soll direkt abgelehnt haben. Irritiert sei man gewesen.
Nun ja: Köln darf irritiert sein. Wir wären begeistert.
Genau so ein Spieler fehlt Dortmund
El Mala bringt vieles mit, was man beim BVB traditionell besonders gerne sieht: jung, schnell, dribbelstark, offensiv mutig und noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung.
In der vergangenen Saison kam er laut dem Bericht in 36 Bundesligaspielen auf 13 Tore und fünf Vorlagen. Das ist für einen 19-Jährigen nicht nur ordentlich, das ist eine sehr deutliche Bewerbung für größere Aufgaben.
Vor allem aber scheint er ein Spieler zu sein, bei dem sofort etwas passiert, sobald er den Ball bekommt.
Und Hand aufs Herz: Genau davon kann Dortmund nie genug haben.
Wir lieben Fußballer, die einen Gegner anlaufen, kurz so aussehen, als würden sie links vorbeigehen, dann doch rechts abbiegen und anschließend noch genug Ruhe besitzen, um den Ball gefährlich in den Strafraum zu bringen.
Natürlich weiß man bei jungen Spielern nie genau, wie schnell der nächste Schritt gelingt. Aber El Mala wirkt nicht wie ein reines Talentprojekt für irgendwann. Er hat bereits gezeigt, dass er in der Bundesliga Tore schießen und Spiele beeinflussen kann.
42 Millionen sind viel – aber Talent war noch nie günstig
Köln orientiert sich offenbar an einem Angebot des FC Brentford über rund 50 Millionen Euro. Der Premier-League-Klub soll diese Summe Ende Mai geboten haben. Der Effzeh war demnach bereit, den Transfer zu machen – El Mala sagte jedoch ab.
Das ist aus Dortmunder Sicht schon einmal keine schlechte Nachricht.
Wer 50 Millionen aus England ablehnt, hat offenbar nicht ausschließlich den nächsten Gehaltssprung im Kopf. Und wenn er sich stattdessen einen Wechsel zum BVB vorstellen kann, dann sollte man sich in Dortmund zumindest sehr ernsthaft mit der Sache beschäftigen.
Natürlich sind 50 Millionen Euro für einen 19-Jährigen eine enorme Summe. Aber der Markt ist nun einmal so, wie er ist.
Für fertige internationale Topspieler zahlt man deutlich mehr. Für junge Spieler mit außergewöhnlichem Potenzial ebenfalls. Und wer zu lange wartet, schaut später dabei zu, wie derselbe Spieler für 80 Millionen Euro in die Premier League wechselt.
Das kennen wir doch.
Dann heißt es wieder: „Damals war Dortmund auch interessiert.“
Ja, wunderbar. Davon kann man sich später auch nichts kaufen.
Köln macht es allerdings richtig
So sehr man sich als BVB-Fan über einen möglichen Transfer freuen würde: Der 1. FC Köln verhält sich vollkommen nachvollziehbar.
El Mala ist eines der größten Talente des Vereins, hat Vertrag und liefert sportlich. Warum sollte Köln ihn unter Wert abgeben?
Nur weil Dortmund anruft, muss in Köln schließlich niemand sofort einen Geschenkkorb packen und den Spieler am Hauptbahnhof abliefern.
Der Effzeh weiß, dass englische Klubs bereit sind, enorme Summen zu zahlen. Deshalb ist es logisch, dass man sich nicht mit dem ersten Dortmunder Angebot zufriedengibt.
Trotzdem wirkt die Offerte des BVB nicht völlig abwegig. Mit den Boni könnte die Ablöse auf 42 Millionen Euro steigen. Für ein erstes Angebot ist das durchaus ernst gemeint.
Dass Köln mehr möchte, gehört zum Geschäft.
Dortmund bietet 42, Köln denkt an 50, und irgendwo in der Mitte sitzt ein Berater und bestellt schon einmal einen Kaffee.
El Mala verhält sich offenbar vorbildlich
Besonders positiv klingt, wie sich der Spieler derzeit beim 1. FC Köln präsentiert.
Trainer Rene Wagner betonte, El Mala gebe im Training weiter Vollgas, arbeite an seinen Schwächen und vermittle niemandem den Eindruck, gedanklich bereits bei einem anderen Verein zu sein.
Das spricht für ihn.
Es gibt Spieler, die nach dem ersten Transfergerücht plötzlich jeden Zweikampf meiden und mit dem Blick eines Mannes über den Trainingsplatz laufen, der innerlich schon seine neue Wohnung einrichtet.
El Mala scheint das Gegenteil zu tun.
Er bleibt professionell, arbeitet weiter und wartet ab, was passiert. Genau diese Haltung würde man auch in Dortmund gerne sehen.
Ein Transferwunsch ist das eine. Den aktuellen Verein bis zum letzten Tag ernst zu nehmen, das andere.
Dortmund wäre der richtige nächste Schritt
Aus meiner Sicht würde der BVB hervorragend zu El Mala passen.
Dortmund ist groß genug, um ihm die Champions League, Titelchancen und internationale Aufmerksamkeit zu bieten. Gleichzeitig ist der Verein nicht dafür bekannt, junge Spieler sofort auf die Bank zu setzen und zwei Jahre lang darüber nachzudenken, ob sie vielleicht irgendwann einmal zehn Minuten bekommen.
Wer Leistung bringt, spielt.
Diese Perspektive hat in der Vergangenheit viele Talente nach Dortmund geführt. Nicht jeder wurde zum Weltstar, aber einige schon. Und selbst jene, die nicht ganz oben angekommen sind, bekamen häufig echte Chancen.
El Mala könnte sich beim BVB auf hohem Niveau weiterentwickeln, ohne sofort bei einem europäischen Giganten unter maximalem Erwartungsdruck zu stehen.
Außerdem würde seine Spielweise gut zu Dortmund passen: Tempo, Mut, Eins-gegen-eins, Zug zum Tor.
Das Stadion würde ihn lieben, sobald er das erste Mal an der Seitenlinie zwei Gegner stehen lässt.
Bitte diesmal nicht zu lange pokern
Natürlich darf der BVB nicht jede Forderung erfüllen. Wirtschaftliche Vernunft ist wichtig – gerade bei einer solchen Ablöse.
Aber Dortmund sollte auch nicht wieder wochenlang um jeden Bonus verhandeln, bis plötzlich ein Klub aus England 55 Millionen Euro auf den Tisch legt und die Sache beendet.
Manchmal muss man erkennen, wenn ein Spieler sportlich und strategisch wirklich passt.
El Mala wäre kein billiger Transfer. Aber er wäre ein Transfer mit Fantasie.
Ein 19-jähriger deutscher Offensivspieler, bereits mit starken Bundesliga-Zahlen, entwicklungsfähig und offenbar offen für Dortmund – das klingt sehr nach einem Spieler, bei dem man später froh sein könnte, rechtzeitig gehandelt zu haben.
Also bitte: Noch einmal mit Köln sprechen, das Angebot verbessern und schauen, ob Bewegung in die Sache kommt.
Köln darf dabei ruhig weiter irritiert sein.
Wir Dortmunder würden uns derweil schon einmal freuen.
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